Gewerkschaftschronik
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Anzahl gefundene Artikel: 2903

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15.03.2019 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Frauenstreik
Volltext
Der Frauenstreik ist lanciert. Schon der Start war ein Riesenfest! Rund 500 Frauen aus der ganzen Schweiz haben in Biel gemeinsam Schwung geholt. Für den Frauenstreik am 14. Juni. Sturmtief Eberhard fetzt ums Bieler Volkshaus, La Rotonde, der rote, runde Bau aus den 1930er Jahren, Sinnbild der Arbeiterinnen- und Arbeiterstadt. Regen peitscht gegen Scheiben. Doch drinnen im Saal mit den hohen, schmalen Fenstern ist es heiss. Über 500 Frauen sitzen, stehen, gehen und applaudieren. Oder buhen. Klopfen Beifall mit den Füssen. Eine trägt eine pinkige Perücke, eine andere ein lila Traineroberteil. Unia-Frauen tragen lila Zylinder und halten poppige Plakate in die Höhe: „Mehr Lohn, mehr Zeit, mehr Respekt!“ Und zwei mit Frauenzeichen auf den Wangen lachen breit. Alle sind sie gekommen, den Frauen-streik zu lancieren. Und zu hören, wo, wer, was schon plant. An der roten Balustrade prangt das violette Transparent: „14. Juni 2019, Frauen*streik“. Auftritt der Sprecherin des Frauenstreikkollektivs Freiburg: „Bei uns müssen wir zahlen, wenn wir demons-trieren wollen“, sagt sie ins Mikrophon. Der Saal buht. Die Frau fährt fort: „Am Frauentag am 8. März gingen wir dann halt auf einem Platz immer im Kreis und demonstrierten so. Wir übten schon für den Frauenstreik.“ Der Saal klatscht. Auftritt des Streikkollektivs der Uni Bern. Sie hatten am 8. März die WC-Türen mit Zahlen zur körperlichen und strukturellen Gewalt gegen Frauen vollgeklebt: „Schliesslich stirbt in der Schweiz alle zwei Wochen eine (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 15.3.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Frauenstreik. Koordination. Work online, 2019-03-15.
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15.03.2019 Schweiz
Frauen
Work

Frauenstreik
Manifest
Volltext
Appell für den Frauen*streik am 14. 6. 2019. Angenommen von der nationalen Streikversammlung in Biel am 10. März 2019. Wir, Frauen, Lesben, Inter, Non-binary und Transpersonen (FLINT), mit oder ohne Partner*in alleinstehende Frauen*, Frauen* in einer Partnerschaft, in der Gemeinschaft, mit oder ohne Kinder, mit oder ohne Arbeit, unabhängig von der Art der Arbeit, gesund oder krank, mit oder ohne Beeinträchtigung, hetero, ob jung, erwachsen oder alt, hier oder in einem anderen Land geboren, unterschiedlicher Kultur und Herkunft, wir alle rufen auf zum Frauen*streik am 14. Juni 2019. Wir wollen die tatsächliche Gleichstellung und selbst über unser Leben bestimmen. Deshalb werden wir am 14. Juni 2019 streiken! Wir sind es, die für die Hausarbeit, die Erziehungsarbeit und die Pflege zu Hause sorgen, ohne die unsere Gesellschaft und Wirtschaft nicht funktionieren könnten. Wir sind es, die sich um das Wohlergehen der Kinder und der betagten Eltern kümmern und sorgen. Aber es fehlt uns an Geld und an Zeit. Wir wollen gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Wir wollen eine Aufwertung der «Frauenberufe» und ihre angemessene Entlöhnung. Wir wollen Sozialversicherungen, die unsere Existenz sichern. Wir wollen Renten, die uns ein Leben in Würde ermöglichen, ohne dass unser Rentenalter erhöht wird. Wir wollen Arbeitsbedingungen, die uns die echte Gleichstellung in der bezahlten und unbezahlten Arbeit garantieren. Wir fordern eine Wirtschaftspolitik, die bezahlte und unbezahlte Carearbeit ins Zentrum stellt und diese finanziert. Wir wollen die Anerkennung und gerechte Verteilung der Haus- und Sorgearbeit, ihre ökonomische Aufwertung (…).
Work online, 2019-03-15.
Work online > Frauenstreik. Manifest. Work online, 2019-03-15.
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15.03.2019 Kleindöttingen
Pensionskasse
Personen
Stiftung Phoenix
Work
Ralph Hug
Konkurs
Stiftung Phoenix
Volltext
Die Aargauer Sammelstiftung Phoenix steht am Abgrund. Im Aargau platzt ein Pensionskassen-Skandal: Die Renten sind in Gefahr. Die Pensionskasse Phoenix aus Kleindöttingen AG steht vor dem Aus. Betroffen sind Arbeitnehmende aus der Industrie, aber auch aus dem Taxigewerbe. Die Sammelstiftung wurde 2012 vom Geschäftsmann Serge Aerne gegründet. Dabei scharte er Leute aus der Treuhandszene um sich. Mit Hilfe von Brokern und flotter Werbung akquirierte die Stiftung Firmen mit über dreitausend Versicherten. Im Prospekt heisst es: „Phoenix bringt Schwung in die berufliche Vorsorge.“ Aerne & Co. versprachen „angepasste Anlagestrategien“ sowie ein Vollversicherungsmodell „mit hundertprozentiger Zins- und Kapitalgarantie“. Doch schon im ersten Jahr gab es fragwürdige Geschäfte. Die Stiftung kaufte eine Liegenschaft im sanktgallischen Toggenburg von einer Firma, an der der Phoenix-Gründer selber beteiligt war. Das ist zwar nicht verboten. Aber bald musste der Immobilienwert nach unten korrigiert werden. Dasselbe geschah bei weiteren Immobiliendeals in Salez SG und Menziken AG. Phoenix hat eine Witwenrente um mehr als die Hälfte gestrichen. Krumme Geschäfte. Es folgten Verträge mit Beratungs- und Verwaltungsfirmen, an denen der Gründer ebenfalls beteiligt war. So flossen Gelder aus der Sammelstiftung ab, und es gab hohe Verwaltungskosten. Zu etlichen Geschäften existierten weder schriftliche Beschlüsse, ordentliche Protokolle noch Konkurrenzofferten, wie vom Gesetz gefordert. Interessenbindungen waren auch nicht offengelegt, und dem Grundbuchamt wurden Kaufverträge verschwiegen. (…). Ralph Hug.
Work onine, 15.3.2019.
Personen > Hug Ralph. Pensionskassen. Stiftung Phoenix. Work online, 2019-03-15.
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15.03.2019 Schweiz
Migros
Personen
Work
Christian Egg
Arbeitsbedingungen
Promoterin
Volltext
So mies serviert die Migros ihre Promoterinnen ab. Der orange Riese lagert seine Degustations-Mitarbeitenden aus. Jetzt bangen sie um ihre Existenz. Und müssen sich erst noch beleidigen lassen. Schokolade, Käse, Waschpulver: Woche für Woche stand Andrea Jost * in der Migros-Filiale, verteilte Gratismuster und Versucherli und zeigte der Kundschaft die neuen Produkte. Immer donnerstags bis Samstags. „Promoterin“ heisst ihr Beruf. Die temperamentvolle Ostschweizerin macht ihn seit bald 30 Jahren und liebt ihn. Besser gesagt, sie hat ihn geliebt: „Die Migros hat mir die Freude daran gründlich verdorben.“ Im letzten November bekamen die über 200 Promoterinnen und Promoter Post von ihrer Arbeitgeberin, der Migros-Tochter Chocolat Frey: Sie würden per Ende Jahr in eine neue Firma namens TMI ausgelagert. Die bisherigen Manager hätten Chocolat Frey die Mehrheit am Geschäftsbereich abgekauft – und würden ihn nun selber weiterführen. Und: Die neue Firma sei nicht mehr dem Migros-¬Gesamtarbeitsvertrag unterstellt. Aber die Arbeitsbedingungen würden sich nicht ändern: Es gebe auch „keine Lohnreduktion“ Versprechen gebrochen. Zwei Monate später schickt die Firma die neuen ¬Arbeitsverträge, die ab Mai gelten sollen. Sie sind Dumping pur: Der Stundenlohn von Promoterin Jost, bisher bei gut 32 Franken pro Stunde (Ferienentschädigung und 13. Monatslohn eingerechnet), soll neu auf knapp 28.50 sinken. Das macht minus 3 Franken 50 oder mehr als 10 Prozent Lohn weniger. (…).
Christian Egg.
Work online, 15.3.2019.
Personen > Egg Christian. Migros. Promoterin. Work online, 2019-03-15.
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15.03.2019 Bern
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Arbeit
Briefträger
Volltext
Die Briefträgerin & der Affe im Fenster. „Verdammt!“ denkt die Briefträgerin. Ein Brief hat sich zwischen die andern im Kistli verkrochen. Einen A-Post-Brief, erst noch einen von Hand ¬adressierten und mit einer Marke beklebten, zur Zeit zuzustellen ist Ehrensache. Dem Zeitteufel zum Trotz. Der Weg ist schmal, die Briefträgerin kann das Fahrzeug nicht wenden. Zu Fuss trabt sie, den Brief in der Hand, zurück zum letzten Haus – und sieht im Fenster den Affen. Ganz klassisch hängt er an einem Ast, mit der linken Hand hält er sich fest, seine Rechte fasst eine Banane. Ein grosses Fensterfarbenbild! „Jetzt bin ich schon hundert Mal an diesem Haus vorübergeeilt und habe den Affen nie gesehen!“ denkt die Briefträgerin. „Wie bewege ich mich eigentlich durch meinen Arbeitstag? Gring abe u seckle?“ Dreimaster. Vielleicht hängt der Affe noch nicht lang in diesem Fenster. Doch er erinnert die Briefträgerin an ähnliche Gegebenheiten: Wie oft ging sie in der Freizeit durch das Quartier und bemerkte plötzlich hier einen verschnörkelten Balkon, dort entlang einer Häuserfassade einen schwindelerregenden Katzensteg, hier einen seltenen Strauch im Garten und dort eine Malerei unter einem Dach! „Dinge, die ich nie wahrnahm!“ denkt die Briefträgerin, „obwohl ich unzählige Male an ihnen vorübereilte.“ Oder hinter Gittern der alte Dreimaster, ein buntes Schiff, das sicher seit Ewigkeiten durch das verstaubte Kellerfenster segelt. Unbeachtet von den Briefträgerinnen und Briefträgern, die keine zwei Meter davon entfernt in Windeseile Ballast abwerfen. Er grinst. (…).
Kathrin Bärtschi.
Work online, 15.3.2019.
Personen > Baertschi Kathrin. Briefträgerin. Arbeit. Work online, 2019-03-15.
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15.03.2019 Bern
Personen
Work
Sandra Künzi
Alterspflege
Volltext
Gegen Pfeutis Pflege-Pläne. Gestern Abig kam mein Nachbar Pfeuti zu mir und war ganz aufgeregt. Sein Mami sei im Spital, Oberschenkelbruch, mit 71, aber sie könne nur sechs Tage bleiben, dann müsse sie raus, eine Riesensauerei für so eine alte Frau. Ich machte zwei Biere auf. Sie könne natürlich nicht heim, und was jetzt? Er sei doch ein Einzelkind! „Keine ¬Ahnung“, sagte ich. Pfeuti stöhnte. Er ¬könne sie ja nicht zu sich nehmen, oder? Ich zuckte mit den Schultern. Pfeuti schnaufte. Und deshalb wollte er mich fragen, ob ich mich nicht um sie kümmern könnte und um ihre Katze, de Schnousi, weil ich ja genug Zeit hätte, jetzt, wo ich streikte. „Pfeuti, gaats no? Ich würd mich nicht mal um deine Mutter kümmern, wenn wir verheiratet wären.“ Er: „Du willst mich heiraten?“ Dann ich: „Sicher nicht!“ Wir haben ja 15 Jahre Altersunterschied, der Pfeuti und ich, ausserdem ist er nicht mein Typ. Asoziale Emanze. Er wurde laut: „Du wärst auch froh, wenn sich jemand um dich kümmern täte, oder?“ „Ja sicher“, sagte ich, aber er könne sich ja selber um seine Mutter kümmern, es sei ja seine, nicht meine. Nein, genau das könne er eben nicht, weil er im Gegensatz zu mir arbeite und nicht streike. Er hatte ein ganz rotes Gesicht. Ich: „Im Gegensatz zu mir verdienst du aber auch deutlich besser, obwohl ich viel mehr Erfahrung hab als du, oder?“ Weil ich ja älter sei. Also er könne mich schon heiraten, wenn das meine Bedingung sei, damit ich seine Mutter pflege. Eine alte Frau und ein junger Mann, das sei heute doch kein Problem mehr. Das sei modern. So wie bei Heidi Klum oder Madonna. Der spinnt doch total, der Pfeuti: „Frauen pflegen ihre (...). Sandra Künzi.
Work online.
Personen > Kuenzi Sandra. Alterspflege. Work ionline, 2019-03-15.
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15.03.2019 Frankreich
Schweiz
Personen
Work
Jean Ziegler
Gelbwesten
Polizei
Volltext
Waffen
Schweizer Waffen gegen Gelbwesten. Mittwoch, den 20. Februar 2019. Es ist ein strahlender Vorfrühlingstag. Ein Meer von Fahnen in Blau-Weiss-Rot bedeckt den riesigen Platz der Nationen vor dem Völkerbundpalast, dem europäischen Sitz der Vereinten Nationen. Tausende von Gelbwesten sind dem Ruf von Nicolas Mollier und seinen Freunden gefolgt. Jetzt drängen sie sich vor dem verbarrikadierten Eingangstor der Uno-Festung. Appell an Uno. Sie wollen vom Uno-Menschenrechtsrat empfangen werden und den 47 Botschafterinnen und Botschaftern von dem gewalttätigen Vorgehen der französischen Polizei gegen die Demonstrantinnen und Demonstranten während der vergangenen Monate berichten. Sie verlangen, dass die Uno gegen die Menschenrechtsverletzungen einschreite. Seit dem Beginn der «Samstagsdemonstrationen» am 17. November 2018 sind in ganz Frankreich viele Hunderte von Demonstrierenden von den „Anti-Aufruhr-Einheiten“ der Gendarmerie nationale verprügelt, mit Tränengas traktiert und mit Gummigeschossen verletzt worden, manche von ihnen schwer. Die Polizisten schiessen aus drei, vier Metern Entfernung mit Gummigeschossen auf die Demonstranten. Allein seit Jahresbeginn haben 18 Gelbwesten ein Auge verloren, vieren von ihnen wurde eine Hand abgerissen. (…). Jean Ziegler.
Work online, 15.3.2019.
Personen > Ziegler Jean. Gelbwesten. Polizei. Work online, 2019-03-15.
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01.03.2019 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Frauenstreik
Volltext
Lila Lauffeuer. Danke, Donald Trump: Seit es ihn gibt im Weissen Haus, gibt es auch eine neue Frauenbewegung. Und sie verbreitet sich wie ein lila Lauffeuer. Nicht mit uns, sagen die Polinnen zu ihrer katholisch-konservativen Rechtsregierung und deren Plänen für ein Abtreibungsverbot. Und die Spanierinnen rufen: „Schluss mit diesem Machismo!“ Letztes Jahr, am grossen Frauenstreik, waren sie sechs Millionen. Und sie wollen es schon wieder tun: Am 8. März, am internationalen Frauentag, soll alles ruhen, zu Hause, am Arbeitsplatz und in der Schule. „Das ist ein echter Generalstreik“, sagt Mitorganisatorin Chelo Hernández. Sie ist streikerprobt und wild entschlossen. Doch nicht nur sie: Von Rio bis nach Kerala brechen die Frauendemos nicht ab. „Jetzt müssen wir einfach“, sagt Alexandrina Farinha. Die Wahlgenferin ist aktiv im Genfer Streikkomitee für den Frauenstreik am 14. Juni. Weil es nicht nur nicht vorwärtsgehe mit der Gleichstellung, sondern neuerdings wieder zurück. Frauentag ist Frauenstreik. Alle drei Tage. Das Rad darf nicht zurückdrehen. Das sagt auch Carla Quinto. Die Juristin begleitet in Rom misshandelte Frauen auf ihrem «langen, schmerzhaften Rechtsweg». Und sie ist wütend. Auf Matteo Salvini. Der neo-faschistische Innenminister und Vizeregierungschef Italiens will Abtreibungen noch schwieriger machen. Ebenso Scheidungen. Und er schürt ein gewalttätiges Klima. Kein Wunder, rufen Quinto und ihre Mitstreiterinnen am 8. März zum Frauenstreik auf. Alle drei Tage (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 1.3.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Frauenstreik. Work online, 2019-03-01.
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01.03.2019 Schweiz
Personen
Work
Sandra Künzi
Pflegepersonal
Volltext
Für die Pflege der Pflege. Habt ihr amigs auch dökterlet? Ja gäll! Aber „pflegerlet“ habt ihr sicher nie. Dabei gibt’s viel mehr Pflegerinnen als Dökter, aber sie verdienen viel weniger. Und haben komische Arbeitsbedingungen. Meine Freundin Schaggä (kommt von Jacqueline), die ist Pflegerin, also Pflegefachfrau, in einem Riesenspital. Sie muss jetzt seit nöistem jedesmal erst auf ihrem Handy schauen, wo ihr Kästli ist. Also der Spind für Kleider und so. Sie hat gar kein eigenes Kästli mehr, ¬sondern sie muss zuerst schauen, wo sie hinmuss, und weil das ein Riesenspital ist, mit zehn Gebäuden oder mehr, kann es sein, dass sie fast eine halbe Stunde läuft zu diesem Kästli und dann wieder zurück. Das ist krass. Aber das krasseste: Unbezahlt! Das ist ja wie der Shutdown von Trump. Unbezahlt umeseckle. Ausserdem was ist, wenn du kein Smartphone hast (so wie ich)? Dann weisst du gar nicht, wo dein Kästli ist, das ja gar nicht mehr dein Kästli ist, ¬sondern ein allgemeines, und wie soll man sich da noch aufs Schaffen freuen, ohne eigenes Kästli? Ein Kästli ist doch auch ein bizzli es Dehei. Man kann ein Föteli von sich und dem Freund oder von sich und der Freundin oder den Kindern oder dem Hund aufhängen oder vom Chefarzt, der einem sehr gefällt, oder wenn’s ein Dubel ist, kann man es trotzdem aufhängen und drüberzeichnen, schwarze Löcher statt Augen und so. Aber ohne Kästli und mit Unbezahlt ume¬seckle? Da ist der Superfruscht doch programmiert. Falsche Pilleli. (…). Sandra Künzi.
Work online, 1.3.2019.
Personen > Kuenzi Sandra. Pflegepersonal. Work online, 2019-03-01.
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01.03.2019 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Arbeitsbedingungen
Briefträger
Volltext
Die Briefträgerin & der Schnee. Tagsüber ist es jetzt wieder warm. Zu warm. Nach eiskalten frühen Morgen. Februar, es kann noch einmal schneien bis herab in die Niederungen, wo an schattigen Stellen noch die Reste vom letzten Mal liegen. Wäre heute früher, viel früher, würde alles einfach ein wenig länger dauern, wenn auf den Strassen Schnee liegt. „Wäre das Arbeitsleben gemütlich, würden wir in der Winterzauberwelt einen sicheren Schritt nach dem andern tun“, denkt die Briefträgerin. Aber heute ist nicht früher, und das Arbeitsleben war kaum je gemütlich. Der Briefträgerin brach der Angstschweiss aus, während ihr Fahrzeug neulich nasse Schneemassen pflügte. Nun immerhin auf drei Rädern. Zur Zeit des Zweiradrollers hatte die Furcht sich je nach Wettervorhersage bereits am Vorabend eingestellt. Kein Winter, in dem die Briefträgerin nicht mindestens einmal mit dem gelben Pferdchen auf die Schnauze fiel. Und doch schien sie als einzige das unsichere Terrain zu fürchten. Erst im Rückblick, vom sicheren Sattel des Elektro-Dreirades DXP aus, gestanden manche vergangene Ängste: „Endlich packt mich nicht mehr der Horror vor jeder Tour im Schnee.“ Dem DXP begegneten anfänglich viele Pöstlerinnen und Pöstler mit Skepsis: „Mit so einem Behindertenfahrzeug mag ich nicht durch die Gegend fahren.“ Doch ausnahmslos alle sagten nach der ersten Fahrt: „Den gebe ich nicht mehr her!“ Panik. In der Garderobe nach der Tour an jenem kürzlichen Schneematschmorgen. Manche hatten sich genervt, dass die Büez nicht wie sonst (…). Katrin Bärtschi.
Work online, 1.3.2019.
Personen > Bärtschi Katrin. Briefträgerin. Arbeitsbedingungen. Work online, 2019-03-01.
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01.03.2019 Schweiz
Personen
Work
Martin Jakob
Arbeit auf Abruf
Ratgeber
Volltext
Arbeit auf Abruf: „Gehen Sie doch in die Badi, Frau Sager!“ Mit flexiblen Arbeitsformen schieben die Firmen das Beschäftigungsrisiko aufs Personal ab. Aber auch wer unregelmässig eingesetzt wird, hat Rechte. Um 9 Uhr klingelt das Telefon. „Grüezi, Frau Sager, Sie müssen heute nachmittag nicht in den Laden kommen. Bei dieser Hitze werden wir kaum Kunden haben. Gehen Sie doch in die Badi, das tut Ihnen auch gut!“ Gret Sager * findet zwar auch, dass ihr ein Badibesuch guttäte, aber mehr noch würde sie das Geld brauchen, das sie während der fünf Stunden als Modeverkäuferin verdient hätte. Darf ihr das Geschäft den geplanten Arbeitseinsatz so kurzfristig absagen? „Vier Jahre lang habe ich im Gasthof Bären ausgeholfen“, erzählt Fränzi Stalder *. „Immer, wenn Lotto im Säli, Metzgete oder ein Vereinsanlass war, hat mich der Wirt aufgeboten. So kamen doch meistens gegen 800 Franken im Monat zusammen. Jetzt hat er eine gefunden, die ihm besser passt, und mir gesagt, ich müsse ab sofort nicht mehr kommen.“ Darf der Wirt Fränzi Stalder fristlos vor die Türe setzen? Gret Sager und Fränzi Stalder gehören zu den etwa 6 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz, die auf Abruf arbeiten. Ein prekäres Arbeitsverhältnis, weil es dafür keine eigenen gesetzlichen Regeln gilt. Und wo keine Regeln sind, nehmen sich manche Firmen gern alle möglichen Rechte heraus. Sie vermeiden zum Beispiel, das Arbeitsverhältnis in einem Vertrag festzuhalten, und geben keinerlei Zusicherungen über die Häufigkeit und Gesamtzeit der (…). Martin Jakob.
Work online, 1.3.2019.
Personen > Jakob Martin. Arbeiten auf Abruf. Work online, 2019-03-01.
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01.03.2019 Schweiz
Finanzplatz Schweiz
Personen
Work
Jean Ziegler
Panama-Papers
Volltext
Straffreiheit für Verbrecher. Es war ein heisser Sommertag im Jahr 2016. Der Uno-Menschenrechtsrat tagte. Wie immer während dieser Sessionen jagte für mich Termin auf Termin und häufig vergesse ich fest abgemachte Treffen. Milena Costas, meine Assistentin, erreichte mich in der Bar du Serpent, im Erdgeschoss des Völkerbundpalasts. „Auf dich warten seit ein paar Stunden zwei Journalisten aus München. Du hast mit ihnen vor einem Monat ein Gespräch über die Steuerparadiese im globalen Finanzkapitalismus abgemacht.“ Ich sprang in ein Taxi und fuhr zu mir nach Russin GE. Im Wohnzimmer warteten geduldig und freundlich Frederik Obermeier und Bastian Obermayer, zwei Journalisten der „Süddeutschen Zeitung“. Die Panama-Papers. Die beiden Journalisten hatten aus anonymer Quelle Daten von über 270’000 Briefkastenfirmen in zahlreichen Steuerparadiesen der Karibik, Europas (auch der Schweiz) und Asiens erhalten. Die anonyme Quelle nannte sich „John Doe“. Sein Material kam aus der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack-Fonseca. Warum wandte sich „John Doe“ an die beiden Redaktoren der „Süddeutschen Zeitung“? Weil sie dem Internationalen Konsortium von Enthüllungsjournalisten (ICIJ) angehören. In diesem Netzwerk arbeiten rund 400 hochkompetente Journalistinnen und Journalisten aus 80 Ländern zusammen. Darunter auch Mitarbeitende des Recherchedesks des Zürcher „Tages-Anzeigers“. In den Panama-Papers entdeckten (…). Jean Ziegler.
Work online, 1.3.2019.
Personen > Ziegler Jean. Finanzplatz. Panama-Papers. Work online, 2019-03-01.
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01.03.2019 Schweiz
Konzerne
Personen
Steuern
Work
David Gallusser
Konzerne
Steuerhinterziehung
Volltext
Steuern: Multis rechnen sich unrentabel. Grosse Konzerne wie Apple, Shell oder Novartis sind multinational organisiert. Sie besitzen Niederlassungen auf der ganzen Welt. Ihr länderübergreifendes Netz nützen sie, um Gewinnsteuern zu umgehen. Sie verschieben Gewinne, die sie in Normalsteuerländern erzielen, in Länder, wo sie kaum Steuern auf Gewinne zahlen müssen. Das können sie tun, indem sie Tochtergesellschaften in Normalsteuerländern veranlassen, bei Niederlassungen in Steueroasen für teures Geld Kredite, Managementdienstleistungen, Markenrechte oder patentiertes Wissen zu beziehen. Gewinnunterschiede. Auch beliebt ist es, Waren von Normalsteuerländern zu tiefen Preisen firmenintern in Steueroasen zu verkaufen. Der Effekt ist immer derselbe: In Steueroasen erscheinen Multis als hochprofitabel, in Normalsteuerländern als unrentabel. Obwohl Multis, unabhängig, wo sie auf der Welt sind, ähnlich produzieren wie lokale Firmen und entsprechend überall ähnlich profitabel sein müssten. Das zeigt sich exemplarisch in der Schweiz und in Deutschland. In der Schweiz, einer der grössten Steueroasen auf der Welt, verbuchen Tochterunternehmen von ausländischen Multis («ausländisch kontrollierte Firmen») riesige Gewinne (vgl. Grafik). Auf jeden Franken Lohn, den Multis hierzulande zahlen, waren es 2015 mehr als 3 Franken Gewinn. Das ist viel mehr als die 11 Rappen Gewinn, die inländische Firmen auf jeden Franken Lohn im gleichen Jahr erzielten. Umgekehrt im Normalsteuerland (…). David Gallusser.
Work online, 1.3.2019.
Personen > Gallusser David. Konzerne. Gewinne. Work online, 2019-03-01.
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15.02.2019 Schweiz
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Klimawandel
Umweltschutz
Volltext
Der Greta-Effekt. Es brauchte genau diese strenge Greta-Fokussierung auf eine Sache, um die weltweite Klimabewegung auszulösen. In ihrer legendären Rede am EU-Klimagipfel im polnischen Kattowitz sagte die 16jährige schwedische Schülerin so grosse Dinge wie: „Solange ihr euch nicht darauf konzentriert, was getan werden muss, sondern darauf, was politisch möglich ist, gibt es keine Hoffnung.“ Und sie sagte es beinahe emotionslos und mit stoischem Blick – und ging viral. Weil Greta von einem anderen Stern ist. Mit ihren zwei Zöpfen, völlig ungeschminkt und unbeirrt, verkörpert sie die Gegenwelt zur fiebrig ich-geilen und aufgespritzten Selfie-Whatsapp-Snapchat-Tinder-Welt. Greta schwimmt gegen den Strom der Stromlinienförmigkeit. Und Greta streut Hoffnung auf eine andere Welt: „Ob es euch passt oder nicht, die echte Macht liegt bei den Leuten!“ Das ist ansteckend. Kein Fleisch, kein Flug. Einer, der sich sofort anstecken liess, ist Fabian Uetz. Work hat den 18jährigen Orgelbau-Lehrling zum Gespräch getroffen, zusammen mit fünf weiteren Klimastreik-Aktivistinnen und -Aktivisten. Fabian erzählt: „Ich sass in der Berufsschule in der Pause, und plötzlich war da Greta im Netz. Ich dachte mir ‚wow, die sagt was, die bewegt was‘. Ein paar Tage später war ich an der Demo.“ Etwas bewegen: Das wollen auch Fanny, Nadia, Patricia, Vesna und Jonas: „Wir wollen die Welt retten!“ Nichts weniger als das. Weil es so nicht weitergehen kann. Jonas sagt: «Man versucht seit 30 Jahren, die  (…).
Marie-Josée Kuhn.
Work online, 15.2.2019,
Personen > Kuhn Marie-Josée. Umweltschutz. Work online, 2019-02-15.
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15.02.2019 Schweiz
Personen
Work
Christian Egg
Pikettdienst
Volltext
Informatiker Marc Schori *: Rund um die Uhr im Einsatz. Das Handy klingelt mitten in der Nacht. Hirslanden-Informatiker Marc Schori * hat über 100 Überstunden. Abbauen geht nicht. Weil er immer wieder nachts arbeiten muss. Dreissig Minuten. So viel Zeit hat Marc Schori, um zu reagieren. Egal, ob er gerade isst, schläft oder joggt. 30 Minuten nachdem ihn die Firma aufbietet, muss er an der Arbeit sein. So sind die Regeln, wenn er Pikett hat. Schori arbeitet als Informatiker bei den Hirslanden-Privatspitälern. Etwa alle vier Wochen trifft’s ihn fürs Pikett, jeweils eine Woche lang. Und es passiert eigentlich immer etwas, sagt er: „Manchmal ist es nur ein Einsatz in der Woche, manchmal sind es sieben.“ Tagsüber muss er trotzdem fast normal arbeiten. War er in der Nacht drei Stunden lang wach, um irgendein System zu reparieren, kommt er am nächsten Morgen höchstens eine Stunde später zur Arbeit. Mehr liege nicht drin: „Dafür sind wir zu wenig Leute.“ Die Folge: Seine Überstunden häufen sich. Wer 30 Stunden auf dem Konto hat, bekommt ein Mail von der Personalabteilung, doch bitte abzubauen. Das würde Schori gern. Aber die Nachteinsätze summieren sich: „Ich bin jetzt bei weit über hundert Überstunden. Letzten Sommer schaffte ich es mal unter hundert, aber es geht schnell wieder hoch.“ Dazu kommt: Auch ohne Pikett fällt immer wieder Nachtarbeit an. Im Spital werden einige Systeme bis 22 Uhr gebraucht, andere sogar bis ein Uhr morgens. Wartungen und Updates können Schori und seine Kolleginnen und Kollegen erst danach (…).  Christian Egg.
Work online, 15.2.2019.
Personen > Egg Christian. Pikettarbeit. Work online, 2019-02-15.
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15.02.2019 Schweiz
Work

Gesundheitsschutz
Nachtarbeit
Volltext
Nachtarbeit schadet der Gesundheit – dennoch wird sie immer häufiger bewilligt. Immer mehr müssen in der Nacht arbeiten. Nachtarbeit ist ungesund. Trotzdem will sie die rechte Mehrheit im Parlament ausweiten. In der Schweiz arbeiten 573’000 Menschen regelmässig oder zumindest manchmal nach Mitternacht. Ein Teil davon arbeiten in Spitälern, Bars oder Bäckereien: Diese brauchen für Nacht­arbeit nicht einmal eine Bewilligung. Darüber hinaus erteilen die Behörden immer mehr Betrieben grünes Licht für Nachtarbeit. Die Bewilligungen des Seco für dauernde Nacht- und Sonntagsarbeit sind seit 2008 von 1700 auf 2400 angestiegen. Noch höher sind die Zahlen bei den kantonalen Bewilligungen. Die braucht’s für vorübergehende Nacht- und Sonntagsarbeit. Und sie haben sich mehr als verdoppelt, von 5500 auf fast 13’000. Nachtarbeit kann Krebs verursachen. Dabei ist schon längst klar: Nachtarbeit schadet der Gesundheit. Betroffene leiden oft an Schlafpro­blemen, Magen-Darm-Krankheiten oder Übergewicht. Zudem steigt ihr Risiko für Depressionen. Studien zeigen sogar, dass Frauen, die jahrelang nachts arbeiten, häufiger an Brustkrebs erkranken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Nachtarbeit deshalb als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Trotzdem will die rechte Mehrheit im Parlament den Schutz vor Nachtarbeit weiter abschwächen. Firmen sollen den Beginn des Arbeitstags neu auf 4 Uhr morgens festlegen dürfen. Und die minimale gesetzliche Ruhezeit soll mehrmals pro Woche nur noch neun (…).
Work online, 15.2.2019.
Work > Nachtarbeit. Gesundheitsschutz. Work online, 2019-02-15.
Ganzer Text
15.02.2019 Venezuela
Personen
Work
Michael Stötzel
Putschismus
Volltext
Schweizer Medien-Liebling: Putschistenführer Juan Guaidó. Irren sich die Linken wirklich? Wer gegen den laufenden Putsch in Venezuela ist, wird von Rechten und Medien als „*ewiggestriger Revolutionsromantiker“ gegeisselt. Höchste Zeit für ein paar Fakten. Die Schweizer Presse verbreitet fast durchgängig die Ansicht, Hugo Chávez und sein Nachfolger Nicolás Maduro hätten mit ihrer linken Politik das einst blühende Venezuela in den Bankrott geführt. Letzte Hoffnung für die verzweifelte Bevölkerung sei deshalb Juan Guaidó, der sich selbst zum Interimspräsidenten ernannt hat. „Zu Recht“ („Tages-Anzeiger“) hätten ihn deshalb die USA, Kanada und Venezuelas rechtsradikal regierte Nachbarn Brasilien und Kolumbien postwendend als legitimen ¬Präsidenten anerkannt. Genau wie alle grossen EU-Staaten (Ausnahme: Italien), die von Maduro ultimativ Neuwahlen forderten. Das allerdings hatten sie mit ihrem Hoffnungsträger Guaidó nicht genau abgesprochen. Denn mit Washington im Rücken, allenfalls auch mit US-Soldaten, will er Maduro vertreiben – aber nicht über Wahlen verhandeln oder gar einen Dialog mit der Regierung eröffnen. Diese von Mexiko und Uruguay vorgeschlagene und möglicherweise nichtkriegerische Lösung ist vorerst vom Tisch. Rechte Betrüger im Parlament. Dabei ist die internationale Anerkennung Guaidós völkerrechtlich fragwürdig. Das sagt zum Beispiel der Wissenschaftliche (...). Michael Stötzel.
Work, 15.2.2019.
Personen > Stoetzel Michael. Venezuela. Putsch. Work online, 2019-02-15.
Ganzer Text
15.02.2019 Schweiz
Nationalbank
Personen
Work
Ralph Hug
Pensionskassen
Rente
Volltext
Nationalbank soll Minuszinsen auszahlen statt bunkern. Der Vorschlag des Gewerkschaftsbundes, wie man die sinkenden Pensionskassenrenten stoppen könnte, sorgt für Wirbel. Zwei hatten eine Idee: Wie wär’s, wenn man den Tresor der Nationalbank (SNB) anzapfen würde, um die ständig fallenden BVG-Renten aufzubessern? Denn mit ihren Negativzinsen setzt die SNB die Renten zusätzlich unter Druck. Soll sie also auch dafür geradestehen! Die zwei – das sind Daniel Lampart und Paul Rechsteiner, der Chefökonom und der Ex-Präsident des Gewerkschaftsbunds. Ihre Idee entstand, wie so viele in der Politik, im Zug nach Bern. Und zwar schon vor längerem. Nun steht sie in einem Forderungskatalog, den der Gewerkschaftsbund im Januar der Öffentlichkeit präsentierte. Aber nur als letzter Punkt in einer ganzen Palette von Massnahmen, um die Kaufkraft der Bevölkerung zu sichern. Niemand schenkte dem Beachtung. Lenkungsabgabe. Doch seit die „Sonntagszeitung“ eine grosse Story draus machte, schlägt das Wellen – im Bundeshaus, in der Nationalbank, in der Pensionskassenszene. Worum geht’s genau? Die SNB kassiert jedes Jahr zwei Milliarden Franken an Negativzinsen von - 0,75 Prozent. Das müssen Banken und Versicherungen zahlen, wenn sie Geld bei der SNB deponieren. Negativzinsen sollen den Franken weniger attraktiv machen und sind deshalb geldpolitisch nötig. Für Daniel Lampart sind solche Zinsen eine Art Lenkungsabgabe. Aber er findet es falsch, wenn diese Einnahmen bei der SNB (…). Ralph Hug.
Work online, 15.2.2019.
Personen > Hug Ralph. Nationalbank. Pensionskasse. Work online, 2019-02-15.
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15.02.2019 Schweiz
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Katrin Bärtschi
Briefträger
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Die Briefträgerin & die Milchkästen. Die Milchkästen heissen heute nicht mehr Milchkästen. Nur ältere Pöstlerinnen und Pöstler nennen den Teil der Briefkästen, in den Pakete abgelegt werden können, heute noch so. Die Briefträgerin ist in einer Kleinstadt beziehungsweise einem Grossdorf aufgewachsen. Sie hat noch erlebt, wie der Milchmann jeden Morgen in aller Frühe mit dem VW-Bus durch die Quartiere fuhr und Offenmilch in die bereitgestellten Pintli füllte. In den Normbriefkästen von heute hätten die Alupinten von damals gar keinen Platz mehr. Ob die Kästen früher grösser waren? Nicht unbedingt, denn tatsächlich hat der Milchmann, so erinnert sich die Briefträgerin jetzt, das Chesseli ¬immer beim Hauseingang hingestellt. Die Milch wird längst nicht mehr zu den Häusern gebracht, auch nicht offen ausgeschenkt – und die Milchkästen heissen Ablagefächer und erfüllen andere ¬Zwecke. „Chinapäckli!“ Die Briefträgerin verträgt in der Stadt eigentlich keine Pakete. Dafür sind die Päckliträgerinnen und Päckliträger von PostLogistics da. Auf dem Land gibt es – wegen der Weitläufigkeiten – „gemischte“, meist Autotouren. In den Zeiten der Internet-Versandhäuser wie des chinesischen Alibaba und des US-amerikanischen Amazon werden nun aber auch die Briefträgerinnen und Briefträger in der Stadt vermehrt zu Päcklitragenden. Und obwohl zahlreiche „Chinapäckli“ kleiner als kleinste Briefe sind, passen ebenso viele andere nicht durch den Schlitz im Kasten. Überraschung. Ablageort ist in diesem Fall das Ablagefach. (: …). Katrin Bärtschi.
Work online, 15.2.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. Work online, 2019-02-15-
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15.02.2019 Schweiz
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Sandra Künzi
Primarschule
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Für mehr Primar-Männer. Meine Nichte (7) hat jetzt einen Lehrer als Lehrerin, also en Maa. Dasch es Züüg, weil es gibt an der Schule öppe 20 Lehrerinnen und nur einen einzigen Lehrer. Den Herrn Ineichen. Er kommt mit dem Skateboard und tschuttet 2. Liga. Meine Nichte findet ihn vor allem deshalb ok, weil sie jetzt das Guete-Morge-Lied nicht mehr so höch singen müssen. Das tut doch weh, vor allem am Morgen. Aber dann sagte Herr Ineichen, dass er nicht mehr unbezahlt Pausenaufsicht machen will, weil entweder habe er Pause und könne mal in Ruhe einen Latte trinken, oder man soll ihm die Arbeit bezahlen, wenn er schon die Verantwortung habe. Kletterfrosch und so. Also ich würd au nicht gratis hundert schreiende ¬Grännis betreuen, und erscht noch ohne Kafi. Frau Rolli. Der Herr Ineichen kam dann im Blick mit einem Foti, wo er auf dem Kletterfrosch den Handstand macht. Er hat mega Muskeln und ist ganz braun mit so Tätowierungen auf dem Oberarm. Ich frag mich ja immer, was passiert, wenn die ihre Mukis so aufpumpen? Das verzieht doch die Bildli. Und ein fetter Drachen sieht ömel komisch aus. Als ich gestern Schulbesuch machte, weil ich mal sehen wollte, wie so ein Surfer Erstklässler betreut, war da Frau Rolli (mit Piercing). Frau Rolli schaute die Kinder ernst an: Der Herr Ineichen kommt nicht mehr. Er lasse die Kinder aber herzlich grüssen. Chötzli Chläusu. Zwei Kinder fingen an zu weinen, und Chläusu musste erbrechen, weil er sich so fescht auf die Revanche mit Herrn Ineichen gefreut hat, (…). Sandra Künzi.
Work online, 15.2.2019.
Personen > Kuenzi Sandra. Primarschule. Work online, 2019-02-15.
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15.02.2019 EU
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Streik
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Andreas Rieger
EU
Streik
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Überall Streiks: Der neue Mut. Überall in Europa wagen die Leute Arbeitskämpfe: in Spanien bei der Post; in Ungarn in der Audi-Fabrik; in Deutschland im Sicherheitsdienst der Flughäfen; in Belgien bei den Supermärkten Lidl und Carrefour und in Österreich im Gesundheits- und Sozialwesen. Das sind nur wenige Beispiele von vielen in den letzten zehn Monaten. Neue Protestformen. Auffallend: Die Streiks finden mehrheitlich im Dienstleistungsbereich statt. Und immer mehr Frauen streiken. Einige Arbeitskämpfe waren eigentliche Frauenstreiks. So legten in Schottland letzten Oktober 8000 Frauen der Stadtverwaltung von Glasgow ihre Arbeit nieder. Es war der Höhepunkt eines zwölfjährigen Protests gegen Lohndiskriminierung. Und in Irland stehen derzeit 40 000 Pflegefachfrauen und Hebammen auf. Bereits an drei Tagen garantierten sie nur noch den Notfalldienst. Die Frauen fordern eine Aufwertung ihrer Berufe in den Lohnklassen des irischen Gesundheitswesens. Um gerecht zu sein, müsste ihr Lohn um zwölf Prozent rauf. Ein seit längerem neues Phänomen sind auch länderübergreifende Streiks: Bei Amazon mobilisierten sich schon mehrmals Angestellte der Verteilzentren in Deutschland, Italien, Spanien und Grossbritannien. Letztmals am „Black Friday“ im letzten November. Bei der Dumpingfluggesellschaft Ryanair waren sechs Länder involviert, als das Personal Ende 2017 mit Streiks im Weihnachtsreiseverkehr drohte. Ryanair versprach darauf Verhandlungen. (…). Andreas Rieger.
Work online, 15.2.2019.
Personen > Rieger Andreas. EU. Streik. Work online, 2019-02-15.
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15.02.2019 Schweiz
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Ralph Hug
Trotzkismus
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Das waren und wollten die Schweizer Trotzkisten. Sibir: Die wahre Revolution. Die Trotzkisten-Bewegung in der Schweiz war klein, aber einflussreich. Jetzt liegen ihre Memoiren und Dokumente vor. Er war der „eiskalte Revolutionär“. Aber nur in der Werbung. Der junge Ingenieur Hans Stierlin erfand 1944 den geräuschlosen Kühlschrank. Er gründete die Firma Sibir und begann, in Schlieren einen günstigen Kühlschrank fürs Volk zu produzieren. Das Gerät veränderte Tausende von Schweizer Haushalten. Eine echte Revolution. Doch die Umwälzung, die Stierlin eigentlich im Sinne hatte, blieb aus. Er war Trotzkist und glaubte an einen unbürokratischen Sozialismus. Heimliche Finanzierung. Stierlin war seit der Jugend ein Anhänger des russischen Revolutionärs Leo Trotzki, der die „permanente Revolution“ propagierte. Heimlich finanzierte Stierlin die Gruppierung „Marxistische Aktion Schweiz“. Geld gab er auch dem Publizisten Heinrich Buchbinder, einst der bekannteste Trotzkist im Land. Als Unternehmer lieb er aber im Hintergrund. In seiner Fabrik experimentierte er mit wirtschaftlichen Arbeitsbedingungen. Es gab Einheitslöhne und reduzierte Arbeitszeiten. So düpierte der linke Patron die rechte Metallgewerkschaft SMUV. Sibir gibt's immer noch, wenn au.ch nur noch als Handels- und Servicefirma. Ebenso lebt die trotzkistische Bewegung weiter, vor allem in der Westschweiz mit dem „Mouvement pour le socialisme“ oder bei einer jüngeren Generation mit der Zeitschrift „Der Funke“. (…). Ralph Hug.
Work online, 15.2.2019.
Personen > Hug Ralph. Trotzkismus Schweiz. Work online, 2019-02-15.
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15.02.2019 Schweiz
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Polizei
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Clemens Studer
Polizei
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Waffen
Neue Gummigeschosswerfer gegen Demonstrierende. Bern Schiesst wie Paris. Was haben der französische Präsident Emmanuel Macron und der Kantonalberner Polizeidirektor Philippe Müller (FDP) gemeinsam? Sie lassen mit dem gleichen Granatwerfer auf Demonstranten schiessen. Und nehmen schwerste Verletzungen in Kauf. Bern: Am Abend des 1 .September zog die Berner Polizei in der Umgebung des Berner Kulturzentrums Reitschule ein massives Aufgebot zusammen. Kurze Zeit später war es mit der friedlichen Sommerstimmung auf der Berner Schützenmatte vorbei. Bei den Aufräumarbeiten nach dem massiven Polizeieinsatz finden Reitschüler Gummigeschosse mit aufgemalten Smileys - und machen das öffentlich. Die Kantonspolizei erweckt den Eindruck, das Geschoss sei ein Fake: „Wir machen so etwas nicht. So ein Vorgehen würde unseren Grundsätzen widersprechen.“ Rund eine Woche später musste die gleiche Polizeisprecherin eingestehen, dass Berner Kantonspolizisten eben doch „so etwas machen“. Paris: Seit Monaten protestieren in Frankreich Hunderttausende gegen die neoliberale Politik von Staatspräsident Emmanuel Macron (dazu das Work-Dossier: rebrand.lyjolf) Bei den Demonstrationen wurden mittlerweile rund 2‘000 Menschen verletzt, Hunderte davon schwer. Eine 80jährige Frau starb, nachdem sie ein Gummigeschoss der Polizei getroffen hatte. Waffen aus Thun. Sowohl in Frankreich und in Bern schiesst die Polizei mit den gleichen Waffen auf die Demonstrierenden. (…). Clemens Studer.
Work online, 15.2.2019.
Personen > Studer Clemens. Polizei. Gummigeschosse. Work online, 2019-02-15.
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02.02.2019 Schweiz
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SDA Schweizerische Depeschenagentur
Work
Matthias Aebischer
Sabine Reber
Interview
Sda
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SP-Nationalrat Matthias Aebischer fordert: Bundesrat soll SDA retten. Der Bund muss eingreifen, damit die Presseagentur SDA unabhängig erhalten bleibt. Das fordert der SP-Mann Matthias Aebischer. Work: Bei der SDA sind die über 200 angestellten Journalisten in einen unbefristeten Streik getreten. Sie forderten in einem Vorstoss den Bundesrat auf zu handeln. Was soll die Regierung denn machen? Matthias Aebischer: Der Bundesrat muss primär einen Marschhalt einlegen. Er will eigentlich im Februar entscheiden, ob er zu den Abonnementskosten von 2,7 Millionen Franken der SDA ab nächstem Jahr noch zusätzliche zwei Millionen bezahlt. Solange die SDA eine Dividende ausbezahlen will, bin ich dagegen. Der Bundesrat muss sich zudem grundsätzlich entscheiden, ob und wie er die Qualität der SDA sichern will. Der Bund könnte zum Beispiel den Aktienteil der österreichischen Investoren kaufen und im Gegenzug eigene Bedingungen definieren. Die wären? Der Bund könnte bestimmen, dass den ¬Aktionären weiterhin keine Dividenden ausbezahlt werden. Und er könnte sicherstellen, dass die SDA ein Non-Profit-Unternehmen bleibt. Sie brachten die Zahl von 20 Millionen Franken Bundessubventionen für die SDA ins Spiel. Das ist enorm viel. Wir haben in der Schweiz eine der besten Medienkulturen der Welt, wir haben eine grosse Vielfalt und Meinungsfreiheit. Zudem haben wir eine hohe Qualität der Medien, und daran hat die SDA einen grossen Anteil. Fast alle Zeitungen, Onlineportale, Fernseh- und Radiosender verwenden (…). Sabine Reber.
Work online, 2.2.2018.
Personen > Reber Sabine. Sda. Matthias Aebischer. Intrerview. Work, 2018-02-02.
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01.02.2019 Frankreich
Personen
Work
Oliver Fahrni
Gelbwesten
Gilets jaunes
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Frankreich – das sind die Gilets jaunes: Um 45, Druck bei Lohn und Job und wenig zu verlieren. Die forcierte neoliberale Politik von Präsident Macron trifft besonders jene soziale Schicht, die heute auf den Barrikaden steht. Macron weiss das, aber er will sein Programm mit Gewalt durchsetzen. Hunderte Gelbwesten sitzen im Gefängnis, und die grossen Medien prügeln auf sie ein. Doch die Gilets jaunes sind wieder da. Wider Erwarten noch immer da, auf den Verkehrskreiseln, in den Strassen und auf Plätzen. Am 26. Januar fand der Demo-Samstag Nummer elf statt, mit Meetings und Demos in rund 30 Städten. Dabei wurde Jérôme Rodriguez, einer der bekanntesten Organisatoren, von der Polizei am Kopf verletzt. Er ist einer von 353 Schwerverletzten. Seit Beginn der Revolte Mitte November 2018 haben Frankreichs Polizisten eine 80jährige Frau getötet, mehrere Demonstranten und Passantinnen ins Koma befördert, 158 Kopfverletzungen zugefügt und 39 Medienleute ins Spital geprügelt oder geschossen. 18 Menschen haben ein Auge verloren, 4 Menschen eine Hand. Makabre Statistik, die der freie Journalist David Dufresne auf seinem Twitter-File führt, samt Bildern, Namen und den recherchierten Umständen. 3500 wurden leichter verletzt. 7000 festgenommen, 1000 bereits durch Schnellgerichte verurteilt (sagt das Innenministerium). Präsident Emmanuel Macron lässt seinen Innenminister Christophe Castaner die schärfste Repression seit dem Algerienkrieg (1954 bis 1962) organisieren. (…). Oliver Fahrni.
Work online, 1.2.2019.
Personen > Fahrni Oliver. Frankreich. Gilets jaunes. Work online, 2019-02-01.
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