Gewerkschaftschronik
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Anzahl gefundene Artikel: 2975

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28.06.2019 Schweiz
Frauenstreik
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Frauenstreik
Nationalratswahlen
Volltext
Wieder Alltag, Schwestern. „Gell, es war so, dass man jetzt fast nicht mehr in den Alltag zurück¬findet“, sagte Geschichtsprofessorin Caroline Arni ein paar Tage nach dem Frauenstreik zu mir. Als ich sie fragte, ob sie für Work den Frauenstreik analysieren könnte. Denn noch ist wenig darüber nachgedacht worden, was am 14. Juni 2019 eigentlich passiert ist. Wie war dieser gigantische Tag möglich? Und was bedeutet er? Perspektivwechsel. Arni dachte nach, und nicht nur sie: In diesem Work ziehen drei feministische Forscherinnen aus drei Generationen Bilanz. Neben Arni (49) die Soziologieprofessorin Claudia Honegger (71) und die Genderforscherin Fleur Weibel (35). Als „einen Akt des zivilen Ungehorsams“ wertet Honegger den Frauenstreik. Ein Akt, der zeige, „dass Öffentlichkeit herstellbar ist und gerade in diesen Zeiten der Fragmentierung in den sozialen Medien hergestellt werden kann und muss“. Weibel ortet eine der Wurzeln dieses historischen Streiks in einem feministischen Bewusstseinsschub. Plötzlich wurde der Frauenstreik von 1991 Thema und wie lange es ging bis zum Frauenstimmrecht oder zur Mutterschaftsversicherung. Weibel: „Und vor allem auch viele junge Frauen sahen sich auf einmal als Teil der Frauengeschichte der Schweiz.“ Aha-Erlebnis und Initiationsritus also. Oder wie es Arni formuliert: „Für einen Moment haben sich sehr viele Frauen in der Schweiz zum politischen Subjekt erhoben. Sie haben sich angemasst, die Welt, in der sie leben, aus der Perspektive der Frauen anzuschauen.“ Und alle anderen  (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 28.6.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Nationalratswahlen. Work online, 2019-06-28.
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28.06.2019 Luzern
Personen
Reinigung
Work
Jonas Komposch
Reinigungspersonal
Streik
Volltext
Frauenstreik-Erfolg in Luzerner Reinigungsfirma. Blockade zwingt Macho-Chef in die Knie. Am 14. Juni blockierten streikende Reinigungsfrauen ihre Firma. Mit Erfolg! Der Chef habe sie beschimpft und zu Gratisarbeit gezwungen. Mitten in einer grauen Wohnblocksiedlung gleich neben dem Luzerner Verkehrshaus sitzt die Reinigungsfirma A&M Durães GmbH. Von hier rücken jeden Tag um 7 Uhr 45 die Putzteams aus, um den Villen, Büros und Hotels am Vierwaldstättersee zu neuem Glanz zu verhelfen. Aber nicht heute: Es ist Frauenstreik! Und gerade beginnt die Aktion, die Unia-Sekretärin Ana Pica begleitet. Punkt eine Minute vor Schichtbeginn öffnen sich wie auf Kommando die Türen von vier parkierten Autos. Frauen steigen aus. Sofort bilden sie eine Kette und blockieren die Zufahrt zum firmeneigenen Fuhrpark. Der Putzbetrieb ist damit komplett stillgelegt. -Unter den frühmorgendlichen Blockierenden sind zehn streikende sowie einige ehemalige Arbeiterinnen der Durães GmbH, Unia-Leute und Unterstützerinnen vom Luzerner Frauenstreikkollektiv. Die Arbeiterinnen blockieren die Zufahrt und legen den Betrieb damit komplett still. Wie ihr Chef Albino Durães stammen auch die streikenden Frauen allesamt aus Portugal. Sie leben meist erst seit kurzem in der Schweiz. Kämpferisch sehen sie aus mit ihren Sonnenbrillen und verhüllten Gesichtern. Doch die Verhüllung hat mit ihrer Angst vor Repressalien ihres Chefs zu tun. Der habe sich nämlich schon früher unmöglich aufgeführt, sagen die Frauen.  (…). Jonas Komposch.
Work online, 28.6.2019.
Personen > Komposch Jonas. Reinigung. Streik. Work online, 2019-06-28.
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28.06.2019 Bern
Personen
Work
Patricia D Incau
Frauenstreik
Volltext
Der historische 14. Juni 2019: Alle Erwartungen übertroffen! Jede Dimension gesprengt! Gross, grösser, grossartig: So war der Frauenstreik. Über eine halbe Million Frauen strömten am 14. Juni 2019 auf Strassen und Plätze der Schweiz. Mit grenzenloser Kreativität und unbändiger Macht. Der Frauenstreik war die grösste politische Demonstration der neueren Geschichte. Die Work-Redaktion war mittendrin und hat die Aufbruchstimmung eingefangen. Die lila Welle kommt über Nacht. Die Gerechtigkeitsgasse wird zur Frauen*streikgasse, die Spitalgasse zur Care-Arbeit-Gasse, am Bahnhof grüsst ein Transparent: „Nächster Halt: Gleichstellung“. Oben rollen die Züge, unten wirbeln die Frauen. Mit ¬Besen und Staubsauger, quer durch die Bahnhofshalle. Rund 20 sind es. Mit violetten Tüchern im Haar, dem Staubwedel in der Hand und dem Wäschekorb unter dem Arm. Typische Hausarbeit, mitten im Pend¬lerinnenstrom. Weil (Gratis-)Hausarbeit noch immer als Frauenarbeit gilt und meistens unsichtbar ist. 200 Verkäuferinnen entrollen ein langes Forderungsband. Rebellinnen. Schmuckverkäuferin Marcia eilt aus der Ladentür hinaus in die Marktgasse. Eine violette Streikfahne in der einen Hand, ein gelbes Streikfähnchen in der anderen. Dann reiht sie sich ein in die lange Frauenkette, die sich durch die ganze Strasse zieht: Rund 200 Verkäuferinnen halten eine hundert Meter lange Stoffbahn. Darauf stehen ihre Forderungen: keine Sonntagsarbeit, längerer Elternurlaub. Und endlich rauf mit den Löhnen! (…). Patricia D’Incau.
Work online, 28.6.2019.
Personen > D’Incau Patricia. Frauenstreik Bern. Work online, 2019-06-28.
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28.06.2019 Zürich
Personen
Work
Jonas Komposch
Frauenstreik
Volltext
Zürich bebt. „What the hell is going on here?“ prustet es aus einem US-amerikanischen Touristen, als er mit zwei Rollkoffern aus dem Zürcher Hauptbahnhof tritt: „Was zum Teufel ist denn hier los?“ Was er sieht, ist ein Meer von lauten, selbstbewussten, ja euphorischen Frauen. Die Strassen sind verstopft. An einen Touri-Bummel ist nicht zu denken, viel eher an Revolution. Schliesslich sind es so viele Frauen, dass sämtliche Zählmethoden schlichtweg versagen. Selbst die Stadtpolizei kapituliert und belässt es bei einer vagen Schätzung von „mehreren Zehntausend“. Das lokale Streikkomitee wiederum kommt Handgelenk mal Pi auf 160‘000. Tatsächlich dürften es über Hunderttausend sein. Und das ist historisch: die grösste politische Demonstration, die Zürich jemals gesehen hat. Es kracht um Mitternacht. Seinen Anfang nimmt der Mega-Event am Goldbrunnenplatz in Zürich Wiedikon. Um punkt Mitternacht versammeln sich dort Quartierbewohnerinnen mit Trommeln und Pfannendeckeln und lärmen den Streik in die Nacht. Wenig später krachen Raketen im Kreis 4 und 5, wo zudem ein schier endloser Autocorso mit Frau am Steuer den Streik einhupt und den Verkehr lahmlegt: Statt Trams rollen nun lila beflaggte VW-Büssli, Cabrios und sogar Traktoren. Bald füllen sich Gassen und Plätze auch mit Frauen. Und die führen so einiges im Schild: Mitten auf der Hardbrücke etwa taucht plötzlich eine überdimensionale Klitoris auf, an der Uni „fraulenzen“ Wissenschafterinnen auf Liegestühlen, und am Idaplatz werden für ein währschaftes Bäuerinnen¬zmorge (Hühner-)Eier zerschlagen. (…). Jonas Komposch.  Work online, 28.6.2019.
Personen > Komposch Jonas. Frauenstreik Zuerich. Work online, 2019-06-28.
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28.06.2019 Le Sentier VD
Personen
Work
Anne-Sophie Zbinden
Frauenstreik
Volltext
Das Vallée de Joux hallt. «Oli, oli, oli, ola, 14 juin nous y voilà», klingt’s durch das Vallée de Joux. Das ¬Juratal liegt zwar etwas abseits, aber beim Frauenstreik mittendrin. Rund 500 Uhrenarbeiterinnen haben sich in Le Sentier VD zu einer verlängerten Mittagspause versammelt. Trotz Regen und frostigen Temperaturen erhitzen sich die Frauengemüter: für gleiche Löhne, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr Frauen in Kaderpositionen. Löhne rauf. Elsa (22) und ihre Freundin Virginie (41) sind seit frühmorgens auf den Beinen. Die beiden Arbeiterinnen haben ihre Kolleginnen mobilisiert und sich die Nägel lila lackiert. Elsa sagt: „In der Uhrenbranche beträgt der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen sogar 25 Prozent.“ Ihre Freundin Virginie doppelt nach: „Die Löhne müssen jetzt endlich rauf! Wir sind wütend, aber das heute, das ist ein Fest!“ Und weiter geht’s im Takt, oli, oli, ola… Wo alles begann. Da ruft Unia-Frau Camille Golay in die Menge: „Auch Liliane Valceschini war wütend. Und wir sind wütender denn je!“ Tosender Applaus, Hunderte Frauenfäuste recken in die Luft. Denn Liliane, Frauenstreikerin der ersten Stunde, ist eine von ihnen. Die Frau, die 1991 den ersten Frauenstreik ins Rollen brachte (Work berichtete), war ebenfalls Arbeiterin im Tal der Luxusuhren. Im Valée de Joux hat vor 28 Jahren alles begonnen. Und deshalb ist heute auch Unia-Chefin Vania Alleva hier. Um am Tag der Tage diesen symbolischen Ort zu würdigen, wie sie sagt. Und: „Wir müssen weiterkämpfen!“ (...). Anne-Sophie Zbinden.
Work online, 28.6.2019.
Personen > Zbinden Anne-Sophie. Frauenstreik Vallée de Joux. Work online, 2019-06-28.
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28.06.2019 BS Kanton
Personen
Work
Christian Egg
Frauenstreik
Volltext
Basel platzt. In Basel fängt der Frauenstreik schon am Abend vorher an: Riesig projizieren Aktivistinnen das Streiklogo mit der Faust auf den Roche-Turm, das höchste Haus der Schweiz. Am Morgen dann tragen die Verkäuferinnen der Kosmetikkette Lush in der Freien Strasse Pink. Vor dem ¬Laden hängt die Streikfahne, neben der Kasse liegen Streikbändeli. Sie selber hätten ja keinen Grund zum Streiken, sagen die Frauen. Ihre Löhne seien deutlich besser als sonst im Detailhandel. Aber dass sie am Streiktag solidarisch seien und Farbe bekennten, das sei Ehrensache. Die Kosmetik-Verkäuferinnen bekennen Streikfarbe. Superheldinnen*Gasse. „Stop!“ ruft eine Frau um halb zwölf am Messeplatz. Und noch eine und noch eine. Es ist der Tanz-Flashmob gegen Gewalt gegen Frauen. Mit Youtube-Videos haben sie vorher geübt, jetzt tanzen etwa 50 Frauen gemeinsam und kraftvoll. Dann verteilen sie pinkige Schirme mit der Streikfaust und dem Slogan: «Gewalt ist nie privat». Vor dem Kunstmuseum stehen Baubaracken. Auch sie sind mit Streikfahnen und einem Transparent geschmückt. Gleich dahinter haben Frauen die Rittergasse in Superheldinnen*gasse umbenannt. Weniger Schwachsinn. Am Theaterplatz sind schon am Mittag mehrere Tausend Frauen da. Auf einem T-Shirt steht „More Feminism, less Bullshit“: Mehr Feminismus, weniger Schwachsinn. Um halb vier, anderthalb Stunden vor Demostart, ist der Platz schon viel zu klein. (…). Christian Egg.
Work online, 28.6.2019.
Personen > Egg Christian. Frauenstreik Basel. Work online, 2019-06-28.
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28.06.2019 St. Gallen
Personen
Work
Ralph Hug
Frauenstreik
Volltext
St. Gallen rappt. Der Demozug will nicht enden. 5‘000 sind es mindestens. Wieder und wieder hallt ein Ohrwurm durch die Gassen: „Ufe mit de Frauelöhn, abe mit de Boni!“ Dieser Slogan hat Evergreen-Qualität. Vor allem, weil sich das „Boooni“ beim Marsch so schön in die Länge ziehen lässt. Queerfeministisch. Jetzt ist das Kollektiv „Die Leiden der jungen Bertha“ am Zug. Das sind fünf clevere junge Frauen. Sie nennen sich queerfeministisch. Will heissen: Das Geschlecht spielt keine Rolle, denn es hat viele Gesichter und kann sich wandeln. Die Berthas stehen mit Megaphonen bewaffnet auf der Bühne. Sie üben mit den Demonstrierenden das Parolenrufen ein: „Uufe mit de Frauelöööhn, aabee mit de Booooni!“ Die Berthas sind in Fahrt. Sie legen auch noch eine Performance hin. Eine feministische Polit-Performance direkt unter den Augen von Vadian, dem Stadtheiligen. Einen solchen Aufstand der Weiber hat der Reformator noch nie gesehen. Die Berthas rappen rhythmisch ins Megaphon: „Wir stören, was uns stört!“ Sie haben farbige Perücken aufgesetzt. Da explodiert die Kreativität einer neuen Generation. Gallus-Frauenpower. Und dieser legt die Stadt lahm. Nichts läuft mehr in der Innenstadt, die Polizei kapituliert. Alles steht still, wenn Frau will. Auf Facebook schreiben die Berthas zwei Tage später: „Bertha weiss, dass das Gras grüner ist auf der anderen Seite.“ Tausende andere wissen es jetzt auch.
Ralph Hug.
Work online, 28.6.2019.
Personen > Hug Ralph. Frauenstreik St. Gallen. Work online, 2019-06-28.
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28.06.2019 BS Kanton
Frauenstreik
Kunstmuseum
Personen
Work
Jonas Komposch
Entlassungen
Frauenstreik
Museum
Volltext
Kunstmuseum muss Frauenstreikerinnen wieder einstellen. Sieg der Frauen-Solidarität. Das Kunstmuseum Basel stellte zwei Frauenstreik-Teilnehmerinnen fristlos auf die Strasse. Doch dieser Schuss ging nach hinten los. Damit haben die Herren aus der Chefetage des Basler Kunstmuseums wohl nicht gerechnet: Als sie nach dem Frauenstreik zwei Aufseherinnen fristlos entliessen, schlug ihnen die geballte Macht der Solidarität entgegen. Zunächst entlud sich im Internet ein regelrechter Shitstorm über die „völlig verstaubte“ Museumsleitung unter Josef Helfenstein und seinem Marketingchef Wolfgang Giese. Dieser hatte den Rausschmiss äusserst unbeholfen verteidigt: Die beiden Mitarbeiterinnen hätten ihre Streikteilnahme einfach zu spät angekündigt und seien halt noch in der Probezeit gewesen, weshalb man „das Vertrauen in sie verloren“ habe. Die Kündigungen waren nach fünf Tagen vom Tisch. Boykott. Solche Aussagen liess sich die Basler Frauenstreikbewegung nicht bieten. Stattdessen forderte sie die sofortige Wiedereinstellung der rausgeworfenen Aufseherinnen. Verschiedene Stimmen verlangten auch den Rücktritt der Museumsleitung und riefen zum Boykott der berühmten Kulturinstitution auf. Das Basler Frauenstreikkollektiv demonstrierte vor dem Museum. Und innert zweier Tage unterschrieben fast 4‘000 Leute eine Onlinepetition für die Rücknahme der Kündigungen. Unter dem Druck der Öffentlichkeit schaltete sich zu guter Letzt auch noch Elisabeth Ackermann ein. Die (…). Jonas Komposch.
Work online, 28.6.2019.
Personen > Komposch Jonas. Kunstmuseum Basel. Frauenstreik. Work, 2019-06-28.
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28.06.2019 Schweiz
Kinder
Personen
Work
Patricia D Incau
Fürsorgerischer Freiheitsentzug
Volltext
Gewalt, Missbrauch, Zwangsarbeit: Das taten die Schweizer Behörden Zehntausenden an. „Wie konnte ein ganzes Volk einfach zuschauen?“ Über Jahrzehnte hat die Schweiz Kinder und Jugendliche unschuldig weggesperrt. Gabriela Pereira (55) ist eine von ihnen. Work erzählt sie ihre Geschichte. Das Foto ist über fünfzig Jahre alt: Eine Frau sitzt in einem Bett. Sie lehnt sich an ein Kissen, in den Armen hält sie ein kleines Bündel Mensch. Auf dem nächsten Bild liegt das Baby an der Brust eines schlanken Mannes. Liebevoll drückt er es an sich. Er strahlt. Das Neugeborene ist Gabriela Pereira, geboren am 3. Februar 1964 in Wohlen AG. Es sind Szenen einer glücklichen Familie. Der Ausblick auf ein Leben, wie es hätte sein können – wenn nicht die Schweizer Behörden es zerstört hätten. Denn wenige Monate nach der Geburt wird Gabriela ihren Eltern entrissen. Sie wird in ein Waisenhaus gebracht und staatenlos gemacht. Weil die Mutter und der Vater, eine Portugiesin und ein Schweizer, nicht verheiratet sind. Und weil es das Schweizer Recht jahrzehntelang erlaubte, ohne Gerichtsentscheid über Menschen zu verfügen und sie wegzusperren. Durst und Kälte. Wenn Gabriela die Fotos zeigt, überkommen sie Schmerz, Trauer, Wut. Sie sagt: „Fast ausnahmslos wird behauptet, dass die Kinder, die damals weggesperrt wurden, aus zerrütteten Familien kämen.“ Sie weiss: „Das ist nicht einmal die halbe Wahrheit.“ Die Akten bestätigen das. (…).
Patricia D'Incau.
Work online, 28.6.2019.
Personen > D’Incau Patricia. Fürsorgerischer Freiheitsentzug. Work online, 2019-06-28.
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28.06.2019 Bern
Frauenstreik
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Briefträger
Frauenstreik
Volltext
Die Briefträgerin & der Frauenstreik. Der 14. Juni 2019 ist Geschichte. Er ist Geschichte! Die Briefträgerin hatte in der Bude im Vorfeld nicht gross agitiert und diskutiert. Sie hatte den Ansteckknopf getragen, und sie hatte die Plakate mit der violetten Dreifaltigkeit aufgehängt. Und Flugblätter im Pausenraum verstreut. Am Montag danach hingen die Plakate noch. Und am Dienstag auch. Und auch bei Redaktionsschluss immer noch. Grad eso! Der Chef fragte die Briefträgerin: „Wie war’s am Freitag?“ Sie antwortete überrumpelt: „Es war genial!“ Und dann berichtete sie von barbusigen Amazonen auf dem Traktor, die sie leider nicht live gesehen habe. Nun war der Chef überrascht. „Grad eso?“ „Grad eso!“ lachte die Briefträgerin. Die Arbeit liess keinen Raum für weitere Gespräche. Später, auf dem Heimweg, gingen ihr noch viel mehr Impressionen durch den Kopf. 70’000 waren in der Stadt Bern gewesen. Junge, selbstbewusste Frauen und alte ebensolche, Bäuerinnen, Kirchenfrauen, Inländerinnen und Ausländerinnen, mit Papieren und ohne. Auch Verhüllte. „Uns braucht man nicht zu sehen, nur zu hören.“ So habe eine ihrer Parolen gelautet, erfuhr die Briefträgerin von anderen Kundgebungsteilnehmerinnen. Die Briefträgerin mag keine Kleidervorschriften, egal, von wem sie erlassen werden. Im Beruf mögen sie gelten, sie dienen der Kenntlichkeit und der Arbeitssicherheit. Aber sonst: „Kein offen getragenes Haar!“, „Keine Hosen im Sommer!“ – solche Sittlichkeitsvorschriften hat sie als Mädchen noch erlebt. (…). Katrin Bärtschi.
Work online, 28.6.2019.
Personen > Baertschi Katrin, Brieftraegerin. Work online, 2019-06-28.
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28.06.2019 Schweiz
Frauenstreik
Personen
Work
Sandra Künzi
Frauenstreik
Volltext
Für ä grächti Gschicht. 14. 6. Wir haben Geschichte geschrieben. Also nicht so ein mickriges Leserbriefli, sondern einen fetten Eintrag fürs Geschichtsbuch: der grosse zweite Schweizer Frauenstreik 2019. Dammi Siech, wie guet war das denn? Ich hab mindestens fünfmal grännet und öppe gleich viel Bier getrunken, was chli blöd war wegen de WC, aber egal. Sogar Schagge hatte Tränen in den Augen: „Als SP-Badran weinen musste!“ Dann schrie -Tamara „Wir wollen kein Stück vom verschimmelten Kuchen, sondern die ¬ganze verdammte Bäckerei“, und wir rissen uns kollektiv die verweinten Oberteile vom Leib. Ich weiss nid, warum das nicht in den Medien kam. Ich meine 70’000 fröhliche blutte Frauen ist doch nicht nichts, oder? Gut, vielleicht waren es nicht ganz alle, aber ömmel genug, um Spass zu haben. Obwohl es ja nicht um Spass ging, sondern um richtige, ernste Probleme. Sonst brauchte es ja nicht zwei Frauenstreiks, oder? Wenn wir was gelernt haben in den letzten Jahren: Das mit Freiwillig chasch vergässe! 16. 6. Frauenlauf Bern mit 12‘500 Läuferinnen (also nicht wegen dem Streik). 19. 6. Der Ständerat legt es bizzli Frauenquoten für Börsenunternehmen fest (vermutlich wegen dem Streik). 20. 6. Und grad nomal Ständerätli: Es isch plötzlich für zwei herzige Wochen Vaterschaftsurlaub (wegen dem Streik). 21. 6. Hey CVP, du alte Socke, du anerkennst die Ehe für alle. 22. 6. Das Kunstmuseum ¬Basel kündigt zwei Mitarbeiterinnen, weil sie am Frauenstreiktag um 15.24 Uhr ihre Arbeit niederlegten. (…). Sandra Künzi.
Work online, 28.6.2019.
Personen > Kuenzi Sandra. Frauenstreik. Work online, 2019-06-28.
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28.06.2019 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Patricia D Incau
Frauenstreik
Programm
Volltext
Nach dem Streik ist vor dem Frauentag: „Wir machen weiter!" Am 14. Juni haben sie Geschichte geschrieben. Jetzt wollen die Frauen dafür sorgen, dass ihre Forderungen tatsächlich umgesetzt werden. Hunderttausendfach war es am 14.Juni zu hören: Schluss mit Sexismus, Gewalt und Diskriminierung! Schluss damit, dass Frauen noch immer rund 20 Prozent weniger verdienen als Männer, rund 37 Prozent weniger Rente haben und nach wie vor den Grossteil der unbezahlten Care-Arbeit erledigen. Jetzt liegen die Forderungen auf dem Tisch. Doch die Streikorganisatorinnen wissen: Damit sie auch tatsächlich erfüllt werden, muss Frau dranbleiben. Und das ist jetzt beschlossene Sache. Mehr Druck machen. Unia-Frau Corinne Schärer sagt: „Wir machen weiter!“ Sie ist Mitglied der nationalen Streikkoordination. Diese .hat am 24.Juni entschieden, ihre Arbeit fortzuführen. Vertreten darin sind Frauen aus den regionalen und kantonalen Streikgruppen sowie den Gewerkschaften. Sie haben in den vergangenen Monaten eng zusammengearbeitet und sich ausgetauscht. Schärer sagt: „Diese breite Vernetzung war zentral für die überwältigende Mobilisierung am 14.Juni.“ Das soll nun unbedingt beibehalten werden, denn: „Das ist, was Druck macht aufs Parlament.“ Das sieht auch Lirija Sejdi von der Berner Streikkoordination so. Sie sagt: „Wenn wir jetzt aufhören, sind unsere Forderungen nach einem halben Jahr schon wieder verpufft“ Selbst wenn es im Bundeshaus gerade Vorstösse zu Streikthemen hagelt. (…). Patricia D’Incau.
Work online, 28.6.2019.
Personen > D’Incau Patricia. Frauenstreik. Programm. Work online, 2019-06-28.
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28.06.2019 Schweiz
Personen
Unia Schweiz
Work
Vania Alleva
Lohnverhandlungen
Unia Schweiz
Volltext
Nach dem Frauenstreik: Gewerkschaften machen vorwärts. Für Lohngleichheit • Gegen Tieflöhne • Gegen Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Im Herbst stehen die Lohnverhandlungen an. Die Unia hat beschlossen, diese ganz im Zeichen der Frauenl6hne zu führen. Und nicht nur das. Die grosse Wucht des Frauenstreiks habe allen progressiven Kräften Energie gegeben. Für die überfälligen Veränderungen in Arbeitswelt und Gesellschaft weiterzukämpfen. Das sagt Unia-Chefin und SGB-Vizepräsidentin Vania Alleva. Und erklärt konkret. wie: Frauenlöhne. Die Unia hat beschlossen. die kommenden Lohnverhandlungen ganz im Zeichen der Frauenlöhne zu führen. Es braucht eine substantielle Lohnerhöhung für Frauen und eine Aufwertung der sogenannten Frauenberufe. Denn heute arbeiten mehr als doppelt so viele Frauen in der Schweiz zu einem Tieflohn als Männer. Rund 53 Prozent der Frauen verdienen netto weniger als 4‘000 Franken im Monat. 70 Prozent weniger als 5‘000 Franken. Gleichzeitig fordern wir griffige Sanktionen gegen jene Unternehmen, die sich nicht an die Lohngleichheit halten. Tieflohnbranchen. In den letzten Jahren haben besonders die Löhne von Frauen stagniert, die in Tieflohnbranchen arbeiten. Und dort arbeiten sehr viele Frauen. Im Detailhandel etwa, der grössten Branche des Privatsektors, war die Lohnentwicklung sehr viel schwächer als in den übrigen Wirtschaftszweigen. Gleichzeitig stieg die Arbeitsproduktivität ständig. mit der (…). Unia Schweiz.
Work online, 28.6.2019.
Personen > Alleva Vania. Lohnverhandlungen 2019. Work, 2019-06-28.
Ganzer Text
28.06.2019 Schweiz
Personen
Work
Clemens Studer
Vaterschaftsurlaub
Volltext
Der Frauenstreik zeigt politisch schon Wirkung. Vaterschaftsurläubchen und ein Strauss Vorstösse. Wie sehr der Frauenstreik auch im Bundeshaus wirken wird, zeigt sich bald. Bisher war's nur ein Bitzeli. Aber innerhalb und ausserhalb des Parlaments läuft vieles. 600‘000 Frauen (und ein paar Männer) auf der Strasse für Gleichberechtigung. Nach Jahrzehnten gleichstellungspolitischer Trippelschrittchen der bürgerlichen Mehrheit ein klares Signal. Und eines, das schon in den ersten Tagen nach diesem historischen 14. Juni Wirkung zeigte. Zumindest ein wenig. Der Ständerat konnte sich am Dienstag nach dem Frauenstreik doch noch zu einer Zielvorgabe für Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen grosser börsenkotierter Unternehmen durchringen. Die superweiche Formulierung im Aktiengesetz schreibt vor: jedes Geschlecht soll in Verwaltungsräten zu mindestens 30 Prozent vertreten sein und in Geschäftsleitungen zu 20 Prozent. Sanktionen bei Verstössen gibt es keine. Tags darauf lehnte der Ständerat dann zwar die zurückhaltende Initiative für vier Wochen Vaterschaftsurlaub ab, stimmte aber - was lange nicht sicher war - immerhin für einen Gegenvorschlag mit 2 Wochen. Die SP verlangt 50 Wochen, und ein Komitee denkt über eine Initiative für 38 Wochen nach. Nächster Dauerbrenner. Schon in der Herbstsession - es ist die letzte dieser Legislatur - haben die Räte mehrere Gelegenheiten, zu zeigen, dass sie die Botschaft des 14.Juni tatsächlich verstanden haben. Dann stehen gleich  (…). Clemens Studer.
Work online, 28.6.2019.
Personen > Studer Clemens. Vaterschaftsurlaub. Wok online, 2019-06-28.
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28.06.2019 Schweiz
Löhne
Personen
Work
Hans Baumann
Gewinne
Löhne
Volltext
Profite steigen, doch Reallöhne sinken deutlich. Die Löhne sind in den letzten zwei Jahren kaum mehr gestiegen. Zwar konnten die Gewerkschaften in den Gesamtarbeitsverträgen noch geringe Lohnerhöhungen aushandeln, im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige erhöhten sich die Löhne 2017 und 2018 aber nur um knapp ein Prozent. Das entspricht etwa den ausgehandelten Lohnerhöhungen in den GAV. Da die Teuerung in den zwei Jahren 1,4 Prozent betrug, resultierte für die Arbeitnehmenden zum ersten Mal seit vielen Jahren ein Kaufkraftverlust. In den Jahren zuvor war das noch anders: Eine negative Teuerung sorgte dafür, dass die Kaufkraft leicht zunahm. Branchenunterschiede. Zwischen den Branchen, in denen die Unia vertreten ist, gibt es deutliche Unterschiede. In der Industrie weist nur die Chemie- und Pharmabranche eine positive Lohnentwicklung auf. Überdurchschnittlich sind die Kaufkraftverluste im Metallgewerbe sowie der Uhren- und Maschinenindustrie. Von den Dienstleistungsbranchen schneidet neben dem Finanzsektor der Detailhandel am besten ab. In dieser Branche mit einem hohen Frauenanteil gab es nur einen geringen Kaufkraftverlust. 8,3 Prozent mehr Profit. Schlecht schnitten der Verkehrssektor sowie die Post- und Kurierdienste ab, wo der Reallohnrückgang 1,2 Prozent betrug. Die GAV-Abschlüsse 2018/2019 lassen für dieses Jahr keine deutliche Verbesserung der Situation der Lohnabhängigen erwarten. Bei einer voraussichtlichen Teuerung von 0,6 Prozent ¬dürfte nur (…). Hans Baumann.
Work online, 28.6.2019.
Personen > Baumann Hans. Loehne. Work online, 2019-06-28.
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28.06.2019 Schweiz
Ferien
Personen
Work
Martin Jakob
Ferien
Ratgeber
Volltext
Ferien nachholen, wenn ein Unfall oder Krankheit den Spass verderben. Ein kleiner Trost, falls die Erholung flachfällt. Vermiest Ihnen eine Krankheit die Ferien, ist das ärgerlich. Mit einem Arztzeugnis dürfen Sie die Ferien aber nachholen. Wer arbeitet, hat von Zeit zu Zeit das Recht auf Erholung: Dafür nämlich sind die Ferien da. Aber wie wollen Sie sich erholen, wenn Sie von schlimmen Schmerzen geplagt sind? Da müssen Sie die versprochene Erholung doch nachholen dürfen! Dürfen Sie auch - wenn zwei Bedingungen erfüllt sind. Die Einschränkung. Die erste Bedingung: Ihre Krankheit muss Sie nicht nur arbeitsunfähig, sondern auch ferienunfähig machen. Verhagelt Ihben zum Beispiel ein schlimm verstauchter rechter Fuss die Wanderferien und Sie sind Chauffeuse von Beruf, wären Sie zwar am Arbeitsplatz nicht einsatzfähig. Aber ferienfähig sind Sie eben doch: Erholung, findet in diesem Fall die Rechtsprechung: sei auch möglich, wenn Sie vom Balkon aus die Berge betrachten und den Fuss hochlagern. Eine Erkrankung hingegen, die Sie länger ins Bett zwingt, regelmässige Arztbesuche oder sogar einen Spitalaufenthalt erfordert, verhindert die Erholung und macht Sie deshalb ferienunfähig. Die zweite Bedingung: ein Arztzeugnis. Möchten Sie dieses Zeugnis als Beleg für Ferienunfähigkeit verwenden, lassen Sie es sich auch entsprechend ausstellen. Es dient Ihnen als Beweismittel gegenüber der Firma und erleichtert zudem den Ärztinnen, die Sie nach Ihrer Rückreise zu Hause konsultieren, die richtige Weiterbehandlung. (…). Martin Jakob.
Work online, 28.6.2019.
Personen > Jakob Martin. Ferien. Krankheit. Ratgeber. Work online, 2019-06-28.
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14.06.2019 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Frauenstreik
Volltext
Ein Streik wird wahr! Und Work kommt mit einer Extra-Frauenstreik-Ausgabe. Mit über 60 Frauen auf 18 Seiten. 37 Frauen, die sagen, warum sie am Streik dabei waren: Pflegefachfrauen, Uhrenarbeiterinnen, 1 Regierungsrätin, Serviceangestellte, 1 Bäuerin, Fussballerin Sarah Akanji und die höchste Schweizerin: Nationalratspräsidentin Marina Carobbio Guscetti. Sie unterbrach am 14. Juni die laufende Session im Bundeshaus zwischen 11 Uhr und 11 Uhr 15 für den Frauenstreik. Dies ganz zum Wutanfälleli von SVP-Kläffer Andreas Glarner: „Was für ein Unwort: ‚Frauenstreik‘! Welche normale Frau, meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen, will denn streiken? Und wenn ja, wofür?“ Avanti donne alla riscossa!* Work hat aber auch 11 Frauen bei ihren Vorbereitungen für den Frauenstreik über die Schultern geschaut. Den Werkstatt-Team-Frauen des Berner Stadttheaters, die für den Tag aller Tage eine riesige Requisite gebaut haben. Den Kita-Angestellten der Gruppe „Trotzphase“ in Zürich und der Berner Krippeninhaberin Darina Hürlimann. Mit ihren Mitarbeitenden hat sie beschlossen, wirklich zu streiken. A la huelga, mis hermanas!*. Work hat Liliane Valceschini im Vallée de Joux besucht. 1990 träumte die Uhrenarbeiterin von einem -Frauenstreik. Und er wurde wahr: am 14. Juni 1991. Valceschini ist eine bescheidene Heldin der Frauen – und nicht nur sie. Work berichtet auch über die erste Frau beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund. Die „rote Margrit“, Margarethe Faas-Hardegger, war ungestüm, brillant und erfolgreich. Das war den roten SGB-Patriarchen zu anstrengend. Sie stellten sie vor die Tür. (…).  Marie-Josée Kuhn. Work online, 14.6.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Frauenstreik. Work online, 2019-06-14.
Ganzer Text
14.06.2019 Schweiz
Personen
Work
Vania Alleva
Frauenstreik
Volltext
Unia-Chefin Vania Alleva zum Frauenstreik: „Heute ist unser Tag!“ Der heutige 14. Juni wird in die Geschichtsbücher eingehen. Als Unia-Präsidentin bin ich deshalb besonders stolz, dass wir Gewerkschafterinnen wieder eine führende Rolle an diesem Frauenstreik- und Aktionstag übernehmen. Wie schon 1991. Damals waren es die Uhrenmacherinnen im Vallée de Joux, die genug hatten von den skandalösen Lohnunterschieden – und einen Frauenstreik wollten. Christiane Brunner boxte ihn dann durch alle Gewerkschaftsgremien. Gegen grimmigen Widerstand. Sie war damals Zentralsekretärin beim Schweizerischen Metall- und Uhrenarbeiterinnenverband (SMUV). Dieser ging später in der Unia auf. Ich bin stolz auf diese, unsere Frauengeschichte. Wir Nachfolgerinnen von Christiane Brunner haben es heute schon weniger schwer: Der Antrag für einen Frauenstreik am 14. Juni 2019 fand in den Gewerkschaften schnell breite Unterstützung. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass die Gewerkschaften weiblicher geworden sind. 2019 ist nicht mehr 1991: Seither haben wir unter anderem das Gleichstellungsgesetz, die Mutterschaftsversicherung und die Fristenlösung erkämpft. Doch das reicht nicht. Mit der Lohngleichstellung zum Beispiel geht und geht es nur im Schneckentempo voran. Dabei machen wir seit Jahren Druck. Auf alle erdenklichen Arten: vom freiwilligen Lohngleichheitsdialog über Verhandlungen mit den Arbeitgebern bis hin zur jüngsten Revision des Gleichstellungsgesetzes. (…). Vania Alleva.
Work online, 14.6.2019.
Personen > Alleva Vania. Frauenstreik. Work online, 2019-06-14.
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14.06.2019 Bern
Personen
Stadttheater Bern
Work
Anne-Sophie Zbinden
Frauenstreik
Stadttheater
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Am 14. Juni ist das Werkstatt-Team des Stadttheaters Bern fast vollständig am Frauenstreik. Frauen ins Rampenlicht! Die Frauen und Männer der Theaterwerkstatt Felsenau haben für den Tag der Tage eine einmalige Requisite kreiert. Work war beim letzten Anstrich dabei. Alte Backsteinmauern, lichtdurchflutete Räume, verwinkelte Gänge: Ein Ort, wie geschaffen für ein Schauspiel. In den Fabrikhallen der ehemaligen Spinnerei Felsenau dreht sich tatsächlich alles ums Theater, doch die Hauptrollen spielen hier Schreinerinnen, Kascheure, Malerinnen und Schlosser. Es ist die Werkstatt des Stadttheaters Bern. Zurzeit arbeiten die 20 Mitarbeitenden am Bühnenbild für die Oper „Der Barbier von Sevilla“. Und an einer ganz aussergewöhnlichen Requisite: einer Faust im Frauensymbol. Dieses Bühnenbild feiert am 14. Juni Premiere. Schreinerin Rose Marie Hintermeister (51) sagt: „Ich war von Anfang an Feuer und Flamme für den Frauenstreik!“ Hintermeister ist die einzige Frau in der Schreinerei. Sie arbeitet seit 10 Jahren in der Theaterwerkstatt und ist mit ihren Arbeitsbedingungen eigentlich zufrieden. Trotzdem: „Ich werde am 14. Juni auf die Strasse gehen, weil es mich nervt, dass man Frauen körperlich weniger zutraut als Männern“, sagt die Frau, die ihre männlichen Kollegen um einen Kopf überragt. Und: „Ich finde es unsäglich, dass das gleiche Verhalten bei Männern als stark angesehen wird und bei Frauen als „hysterisch›.“ Hintermeister und ihre Kolleginnen und Kollegen erstellen pro Jahr 21 grosse und (...). Bühnenbilder. Anne-Sophie Zbinden.
Work online 14.6.2019.
Personen > Zbinden Anne-Sophie. Frauenstreik. Stadttheater. Work online, 2019-06-14.
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14.06.2019 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Patricia D Incau
Frauenstreik
Kinderbetreuung
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Zürcher Kinderbetreuerinnen im Streik-Endspurt. „Der 14. Juni ist erst der Anfang!“ Am 14. Juni streiken auch Kinderbetreuerinnen in Zürich mit. Work hat die Gruppe „Trotzphase“ an ihrem letzten Vernetzungstreffen besucht. Ein Sommerabend am Sihlquai, rund eine Woche vor dem Frauenstreik: Im Jugendlokal „Planet 5“ laufen die Vorbereitungen für das letzte Treffen. Fünfzehn gelernte Kinderbetreuerinnen sitzen im Kreis. Lorena Campagnoli (28) eröffnet die Runde. Heute sind drei neue Gesichter dabei: Amara, Nina und Stephanie. Alle anderen kennen sich schon länger. Gemeinsam sind sie in der „Trotzphase“ aktiv. Einer Gruppe von Kita-Angestellten, die seit rund drei Jahren für bessere Arbeitsbedingungen kämpft. Seit Monaten arbeiten sie für den Frauenstreik. Lorena fasst zusammen: „Wir sind übernächtigt und mega motiviert.“ Selber machen. Und dann sind schon wieder alle auf den Beinen. Draussen wird das letzte Transparent gemalt. ¬Lorena schüttelt Farbflaschen, Rebecca Lüthi (25) sortiert Scha¬blonen. „DIY“, „Do it yourself“, lautet das Motto. Selbstgemacht sind zum Beispiel auch die Streik-Bandanas. Violette Tücher für ins Haar oder für um den Hals. Hunderte davon haben die jungen Frauen hergestellt und verteilt. „Das war eine riesige Büez“, sagt Rebecca. Und es war bei weitem nicht das einzige. „Wir haben alle Kitas in Zürich angeschrieben und sie über den Streik ¬informiert. Wir gingen (…). Patricia D'Incau.
Work online, 14.6.2019.
Personen > D’Incau Patricia. Frauenstreik. Kinderbetreuerinnen. Work online, 2019-06-14.
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14.06.2019 Schweiz
Personen
Work
Margarethe Faas-Hardegger
Ralph Hug
Biografien
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Gewerkschafterin Margarethe Faas-Hardegger (1882-1963) forderte die Männer heraus. Die macht einfach, was sie will! Der Gewerkschaftsbund entliess vor 100 Jahren seine erste Arbeitersekretärin. Weil sie eine Frau war. Und rhetorisch brillant, ungestüm, erfolgreich. Durchs Wallis schallte ein Ruf: „Die rote Margrit kommt!“ Schreck für die einen, Freude für die andern. Margarethe Faas-Hardegger war auf Agitationstour. Am 28. Juni 1908 kam sie nach Sitten. Dort referierte sie in der „Auberge des Alpes“ zum Thema „Die Arbeiterbewegung, die Frauenbewegung und der Antialkoholismus“. Es herrschte striktes Alkoholverbot. Trotzdem war der Saal voll. Alle wollten jene Frau hören, die den Gewerkschaftsbund (SGB) aufmischte. Faas-Hardegger war die erste Arbeitersekretärin des SGB, erst seit 1904 im Amt. Eine Sensation, die aber nur fünf Jahre lang währte. Denn es wurde den behäbigen Gewerkschaftern zu bunt: Sie schmissen die rastlose Kollegin raus, die lieber bei den Leuten an der Front war als bei ihnen im Büro sass. Das war im April des Jahres 1909. Neid und Schikanen. Margarethe Faas-Hardegger war jung, ungestüm, gebildet, intellek¬tuell und rhetorisch brillant, erfolgreich. Und die einzige Frau in einem ¬Gewerkschaftsapparat, in dem stets die Männer sagten, wo’s langgeht. „Von Anfang an herrschte dicke Luft auf dem Sekretariat“, schreibt Biographin Regula Bochsler. Die Kollegen deckten die 22jährige Neo-Gewerkschafterin nach Kräften mit Papierkram ein. Sie verwehrten ihr Auftritte, wo es ging, trotz ihrer Top- (…). Ralph Hug.
Work online, 14.6.2019.
Personen > Hug Ralph. Faas-Hardegger Margarerthe. Biografie. Work online, 2019-06-14.
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14.06.2019 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Arbeit
Briefträger
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Die Briefträgerin & die Namen. Ein Vormittag im Bus. „Den kenne ich“, denkt die Briefträgerin und schaut in das Gesicht des stummen, allein sitzenden Fahrgasts mit der Weisswein¬flasche in der Hand. „Rosenweg 21, zweiter Kasten von links – aber wie heisst er schon wieder?“ Die Briefträgerin sieht den Hauszugang vor sich, die Kastenanlage, die Anordnung der Kästen. Sie weiss, dass er einen Stop-Kleber hat. Doch sein Name fällt ihr nicht ein. „Es ist der Mann, der selten Post bekommt und nie ein Wort redet.“ So wie mit ihm erging es ihr schon oft, doch gibt sie das ungern zu. Wer bekennt schon gern die eigene Vergesslichkeit. Kürzlich erst hatte sie einen ¬halben Nachmittag an den beiden frommen Schwestern herumstudiert, die zusammen am Rainweg 14 wohnen. Sich an die Namen zu erinnern kam ihr als Gehirntraining nützlich vor. Auch hier sah sie den Kasten blindlings vor sich, erinnerte sich an die zahllosen Sendungen von wohltätigen Organisationen und Bibelstundevereinen, die sie dort deponierte. Doch die Namen fand sie in ihrem Gedächtnis nicht. „Das darf doch nicht wahr sein!“ dachte die Briefträgerin und ärgerte sich ein bisschen. Dann kam ihr der Kaminfeger in den Sinn, der bei ihr im Einsatz war und seinen Chef am Telefon informierte: „Ich bin beim Schwedenofen an der Jura¬strasse…“. Halbautomatisch. Der Wortlose vom Rosenweg, die Bibelschwestern vom Rainweg. Da ist noch die LP-Sammlerin von der Tag (…). Katrin Bärtschi.
Work online, 14.6.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. Arbeit. Work online, 2019-06-14.
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14.06.2019 Schweiz
Frauen
Personen
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Bernhard Degen
Herman Greulich
Frauenstimmrecht
Lohngleichheit
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Historiker Bernard Degen hat's erforscht: Greulich forderte schon 1869 Lohngleichheit. Schon vor 150 Jahren forderte der: spätere Arbeiterführer Herman Greulich Lohngleichheit zwischen Mann und Frau. Auf dem Kongress der Ersten Internationale in Basel. 11. September 1869: Am letzten Tag, einem Samstag, stand die „Gewerkschaftsfrage“ auf der Traktandenliste. Der 4.Kongress der Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA), heute bekannter als Erste Internationale, versammelte damals 78 Delegierte mit Mandaten aus neun Ländern, davon über die Hälfte aus Frankreich und der Schweiz. Man tagte im heutigen Café Spitz am Kleinbasler Brückenkopf der Mittleren Brücke. Zwar existierte der Begriff „Gewerkschaftsfrage“ in den beiden wichtigsten Verhandlungssprachen Deutsch und Französisch noch gar nicht. Man sprach von „Gewerksgenossenschaften“ beziehungsweise „socieétés de résistance“. Einzig im Englischen hatte sich die Bezeichnung Trade Unions (Gewerkschaften) bereits eingebürgert. Aber der Stand der Arbeiterbewegung gab viel zu diskutieren. Seiner Zeit voraus. Da meldete sich ein junger Buchbinder aus Schlesien, der auf seiner Wanderschaft in Zürich angekommen war, zu Wort. Sein Name: Herman Greulich. Sein Votum ist leider nur schlecht überliefert. Klar sind aber zwei von ihm formulierte Postulate. Erstens: Es soll nicht versucht werden, Frauenarbeit zu verhindern! Und zweitens: Frauen (...). Bernhard Degen.
Work online, 14.6.2019.
Personen > Degen Bernhard. Herman Greulich. Frauen. Work online, 2019-06-14.
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14.06.2019 Schweiz
Frauen
Personen
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Christian Egg
Frauenlöhne
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Ohne die unbezahlte Arbeit der Frauen ginge es uns viel schlechter. Wert pro Jahr: 248 Milliarden Franken. 100-248-1: Nein, das ist kein Postcheckkonto. Es sind drei neue Zahlen zum Wert der Frauenarbeit, die alle kennen sollten. Die Lohndiskriminierung ist enorm: Immer noch verdienen die Frauen rund 20 Prozent weniger als die Männer. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Frauen leisten darüber hinaus viel mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Was das in Franken und Stunden heisst, zeigen jetzt drei neue Zahlen der Organisation Feministische Fakultät. Berechnet hat sie die Ökonomin Mascha Madörin. Sie sagt: „Diese Zahlen sollte jede Frau in der Schweiz auswendig kennen.“ Und natürlich auch jeder Mann. 100 Milliarden Franken. So viel weniger Einkommen haben alle Frauen in der Schweiz im Vergleich zu den Männern. Jedes Jahr. Etwa ein Viertel davon geht aufs Konto des Lohnunterschieds: Pro gearbeitete Stunde verdienen Frauen 19,6 Prozent weniger Lohn als Männer. Der grosse Rest erklärt sich dadurch, dass Frauen viel mehr unbezahlte Arbeit leisten als Männer. So viel, dass sie unter dem Strich (bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen) ziemlich genau gleich viel arbeiten wie Männer. Nämlich rund 47 Stunden pro Woche, wenn sie alleinstehend sind. und 70 Stunden, wenn sie Mütter sind. So viel ist die unbezahlte Arbeit aller Frauen in der Schweiz pro Jahr wert. Das ist mehr als alle Ausgaben von Bund, Kantonen und Gemeinden zusammen. 1 Milliarde Stunden. (…). Christian Egg.
Work online, 14.6.2019.
Personen > Egg Christian. Frauenloehne. Work online, 2019-06-14.
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14.06.2019 Schweiz
Frauen
Personen
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Sandra Künzi
Frauenstreik
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Für üsi Schwiiz. Hüt geht’s los. Mir streiked! Im Pischi. Ich wollte ja vorher noch schnell die Post holen und hab vor lauter Juhee den Schlüssel i de Wonig vergessen. Mir streiked! Im ganze Land. Sogar in der Urschweiz. Im Schwyzer Parlament sitzen doch glatt 91 Männer zu 9 Frauen. Da haben die Schwyzerinnen allen Grund für „Mehr Frauen in Wirtschaft, Politik und Verwaltung“. Frauen-Viertelstündli. Fribourg: « Mieux qu’un rêve: une grêve! » Es gaat doch nüt über en coole Reim. Aarau: „Wir fordern, dass die Luxussteuer auf Tampons und Binden aufgehoben wird!“ Genau, Tampons werden mit fetten 7,7 Prozent besteuert, Katzenstreu nur mit 2,5 Prozent. Sölli mir öppe Katzestreu i d Underhose tue? Ticino: „Rispetto!“ statt Risotto. „Uns reicht’s!“ ruft Schaffhausen vor dem Equal-pay-Schwumm in der Rhybadi. Luzern: „Ja, wir heis¬sen auch Männer willkommen!“ So härzig! Bern richtet sich da etwas differenzierter an die Adresse streikwilliger Manne: „Stell dich nicht in den Vordergrund, gib keine Befehle!“ Hey, sogar im Parlament wird hüt gstreikt. Von 11.00 bis 11.15 pausiert der Nationalrat. Bravo! Dieses Frauen-Viertelstündli isch ja kein Vergleich zu den zwei Stunden Pause, die anno 2010 beantragt ¬wurden, um einen Fussballmatch zu sehen. Doch hört, hört die ewigen Jammeri: Wenn das Parlament wegen dieser „frustrierten“ furiosen Frauen tatsächlich 15 Minuten nicht schaffen darf, dann soll es bei der Abstimmig über den Zivilschutz (die glatterwiis au grad hüt am 14. Juni stattfindet) doch eifach auch die Frauen zum (…). Sandra Künzi.
Work online, 14.6.2019.
Personen > Kuenzi Sandra. Frauenstreik. Work online, 2019-06-14.
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