Gewerkschaftschronik
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Anzahl gefundene Artikel: 3052

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15.11.2019 Schweiz
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Fichen-Affäre
Staatsschutz
Volltext
Wenn Mauern fallen. Selbst Max Frisch hatten die Schlapphüte von der Schnüffelpolizei im Visier. Überwachen den Schriftsteller und notieren fleissig: wohin er reist, mit wem er verkehrt, was er unterschreibt und: dass sich seine Tochter „im Kreise der ‹Progressiven Mittelschüler CH›“ tummelt. Selbst im grossen Frisch, diesem Patrioten und Demokraten, sieht der Schweizer Staatsschutz einen Staatsfeind. Es herrscht der Kalte Krieg. Und ätzender Antikommunismus. Auf dem rechten Auge blind, fichieren die Schnüffler blindwütig vor allem Linke, Gewerkschafterinnen, Journalisten, soziale Bewegungen und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International. Ein Drittel aller in der Schweiz lebenden Ausländerinnen und Ausländer sind erfasst, als der Fichenskandal 1989 auffliegt. Eine parlamentarische Untersuchungskommission war bei ihrer Arbeit auf ein bisher geheimes politisches Überwachungssystem bei der Bundesanwaltschaft gestossen. Diese hat Fichen von 900’000 Menschen angelegt. Die Schweiz erbebt im Schock. Und der 78jährige Frisch ist so was von stinksauer. Mit Schere und Leim macht er sich mehr als ein Jahr danach über seine Staatschutzakte her. Zerschneidet dieses „Dokument der Ignoranz, der Borniertheit, der Provinzialitä“, klebt die Schnipsel auf ein neues Blatt und kommentiert sie hämisch bis harsch. Mit diesem „verluderten“ Überwachungsstaat verbinde ihn nichts mehr ausser dem Reisepass „den er nicht mehr brauchen werde“, tippt er wütend in die Tasten. Drei Wochen später ist er tot. (…).
Marie-Josée Kuhn.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Fichenskandal. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Schweiz
Personen
Staatsschutz
Work
Hans-Ulrich Jost
Fichenaffäre
Staatschutz
Volltext
Nach dem Berliner Mauerfall fielen auch in der Schweiz die Mauern. 1989 verlor die Schweiz ihre Unschuld. Am Anfang stand ein Telefonanruf einer Bundesrätin an ihren Ehemann, am Ende die helvetische Götterdämmerung: Was alles vor 30 Jahren geschah, ist unglaublich! 1989, als die Berliner Mauer fiel und das Sowjetimperium sich aufzulösen begann, erlebte die Schweiz heftige politische Erschütterungen. Die traditionelle politische Kultur fiel in sich zusammen. Am Anfang steht ihr Telefonanruf, am Ende ihr Rücktritt: FDP-Bundesrätin Elisabeth Kopp, die erste Frau im Bundesrat, muss gehen. Sie hat vertrauliche Informationen der Bundesanwaltschaft an ihren Ehemann, den Wirtschaftsanwalt Hans W. Kopp, übermittelt. Es geht um Geldwäscherei einer Firma, in deren Verwaltungsrat Kopp sitzt. Die Vorstellung, ein Mitglied der Regierung sei durch ihren Ehemann in suspekte Wirtschaftsoperationen verwickelt, bringt Bewegung in die Politik. Doch der Kopp-Rücktritt ist nur ein Miniskandal, verglichen mit der politischen Krise, die ihm auf dem Fuss folgt: die Fichenaffäre. Um den Fall Kopp aufzuarbeiten, setzen National- und Ständerat eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) ein. Geleitet wird diese von SP-Nationalrat Moritz Leuenberger, dem späteren Bundesrat. Und sie stösst bei ihrer Arbeit auf ein bisher geheimes politisches Überwachungssystem bei der Bundesanwaltschaft. Auf die Schnüffelpolizei. Sie hat fast eine Million Menschen bespitzelt und in Fichen registriert. Am 22. November 1989, 13 Tage nach der Öffnung der Berliner Mauer, übergibt die PUK ihren Fichenstaat-Bericht der (…).  Hans Ulrich Jost.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Jost Hans-Ulrich. Fichenaffaere. Staatsschutz. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Schweiz
Personen
SGB
Work
Marie-Josée Kuhn
Pierre-Yves Maillard
Interview
SGB
Volltext
Sechs Monate SGB-Chef Pierre-Yves Maillard: Eine Zwischenbilanz . „Wir können nach dem Frauenstreik doch nicht mit Frauenrentenalter 65 kommen!“ Die Überbrückungsrente für Ausgesteuerte angestossen, den BVG-Kompromiss aufgegleist und ein Treffen mit dem Obergegner des Schweizer Lohnschutzes organisiert: Das und mehr hat SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard schon vorzuweisen. Work: Pierre-Yves Maillard, wie gefällt Ihnen Ihr Job als SGB-Chef? Pierre-Yves Maillard: Am Anfang musste ich mich, ich gestehe es, ein wenig daran gewöhnen, dass ich jetzt nicht mehr im Zehnminutentakt Entscheide fällen muss. So wie vorher als Regierungsrat. Entscheidungen beim SGB treffen wir gemeinsam, nach intensiven Diskussionen. Das bedeutet, ich habe jetzt weniger Stress als vorher und mehr Zeit für Gespräche. Ich reise viel an Delegiertenversammlungen der lokalen Sektionen, und wir haben auch die Kontakte mit den europäischen Gewerkschaften intensiviert. Jetzt komme ich grad aus Paris, wo wir bei CGT, CFDT und FO waren. Es ist eine spannende Arbeit. Sie werden auch Zeit brauchen für Ihr Nationalratsmandat. Im Kanton Waadt haben Sie das beste Resultat gemacht, vor allen Bürgerlichen. Warum sind Sie so beliebt? Es stimmt eben nicht, was gewisse Medien nach den Wahlen behauptet haben, dass Gewerkschafter unpopulär seien! Ich habe sicher auch deshalb so gut abgeschnitten, weil ich fünfzehn Jahre lang Waadtländer Gesundheits- und Sozialminister war und unter mir die Krankenkassenprämien für 100‘ 000 Leute sanken, weil wir die Prämienverbilligung erhöhten. Der Kanton Waadt ist (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Maillard Pierre Yvest. Interview. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Schweiz
Personen
SRI AG
Work
Jonas Komposch
Entlassungen
SRI AG
Volltext
Wirre Kampfansage gegen die Unia hat fatale Folgen: Ein Big Boss fliegt auf. Erst gab’s keine Löhne mehr, dann kündigte die SRI Baumanagement AG der ganzen Belegschaft. Der Verantwortliche führt ein Leben in Saus und Braus. Und versteckt sich hinter einem höchst obskuren Firmengeflecht. Es war ein sehr sonderbares Mail, das am 9. Oktober bei der Unia-Zentrale in Bern eintraf. Da war die Rede vom St. Galler Unia-Sekretär Lukas Auer, der angeblich in „feindlicher“ Art und mit „auffallender Ausdrucksweise“ eine Gruppe „Querulanten aufhetzen“ wolle. Und zwar gegen einen namentlich nicht erwähnten Aktionär der SRI Baumanagement AG. Gegen ihn habe Auer nicht nur eine mediale Hetzkampagne geplant, sondern auch einen „Aufmarsch mit Kameras und Schildern“, direkt vor seinem Haus. Was ist los im wilden Osten? Der Unia-Bausektor klärte sofort ab. Und kam zum Fazit: Nichts von dem stimmte. Doch das Interesse war geweckt. Umso mehr, weil das Mail mit einem dreisten Ultimatum endete: Die angebliche Kampagne sei „sofort zu stoppen“. Und falls die Gewerkschaftszentrale dies nicht bis 14 Uhr bestätige, werde die Polizei gerufen. So polterte ein bis dato unbekannter Thurgauer Treuhänder, der einen heiklen Auftrag gefasst hatte. Der Treuhänder bereitet nämlich die Nachlassstundung für die SRI vor. Eine Firma, die noch bis vor einem Jahr gutes Geld mit Renovationen und Totalsanierungen verdient und schweizweit rund 30 Mitarbeitende beschäftigt hatte. Doch am 27. August wandte sich die Geschäftsleitung per Mail an die Mitarbeitenden: Man müsse die Firma leider „herunterfahren“ und sich von (…).  Jonas Komposch.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Komposch Jonas. SRI Baumanagement AG. Loehne. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Schweiz
Pensionskasse
Personen
Work
Ralph Hug
Pensionskassen
Rente
Volltext
Gewerkschaftsbund präsentiert schockierende Zahlen: BVG-Hungerrenten für Frauen mit Tieflohnjobs. Dass sie tief sind, wusste man. Aber dass sie derart tief sind, ist skandalös: Frauen in Tieflohnbranchen erhalten von der Pensionskasse nur 500 bis 800 Franken. Der Gewerkschaftsbund (SGB) wollte es genau wissen: Er nahm mehr als ein Dutzend Geschäftsberichte von Pensionskassen unter die Lupe. Aber nicht irgendwelche, sondern solche aus Tieflohnbranchen: Gastro, Detailhandel, Coiffure und ¬Kosmetik. In diesen Berufen sind die Löhne tief und der Frauenanteil hoch. Wie sehen dort die BVG-Renten aus? Gewerkschaftsbund-Zentralsekretärin Gabriela Medici sagt zu Work: „Wir wussten, dass sie tief sind. Aber so extrem haben wir das nicht erwartet.“ Zahlen, die schockieren: Bei Gastrosocial, der Pensionskasse des ehemaligen Wirteverbands und der Hotellerie, beträgt die ausbezahlte Durchschnittsrente 603 Franken pro Monat. Die Kasse zählt 160’000 Versicherte. Noch tiefer liegt die Durchschnittsrente bei der BVG-Stiftung der SV Group: nur 505 Franken. Die Gruppe betreibt Kantinen, Mensen und Mitarbeiterrestaurants. 802 Franken beträgt die Durchschnittsrente in der Pensionskasse der Coiffeur- und der Kosmetikbranche. Riesige Kluft. Im Vergleich dazu liegen die Renten im Verkauf höher, etwa bei Coop oder Manor (siehe Grafik). Aber auch dies sind extreme Tiefrenten. Da es sich um Durchschnittszahlen handelt, die nicht zwischen Geschlecht unterscheiden, kommen die Frauen in Tat und Wahrheit noch schlechter weg, denn in der Regel verdienen sie weniger als Männer. Die riesige Kluft zeigt sich  (…).  Ralph Hug.  Work online, 15.11.2019.
Personen > Hug Ralph. Pensionskassen. Renten. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Schweiz
Personen
Work
Patricia D Incau
Kündigungsschutz
Schwangerschaft
Volltext
Lydia Veyard* wird Mutter und dann entlassen. Doch sie wehrt sich: „Der Chef soll damit nicht einfach durchkommen“. Nach der Geburt ihres Kindes will Lydia Veyard (37) wieder Vollzeit arbeiten. Doch dann stellt der Chef sie auf die Strasse – und treibt die junge Familie fast in den Ruin. Als Lydia Veyard die Kündigung bekommt, ist sie mit ihrem kleinen Sohn auf einem Spaziergang. Es ist der letzte Tag ihres Mutterschaftsurlaubs. Ihr Chef erklärt ihr: Das Unternehmen sei in einer Schieflage, er müsse sie entlassen. Ein riesiger Schock. Heute sagt Veyard: „Ich war einfach fassungslos.“ Vor der Geburt sei ihr zugesichert worden, dass sie Vollzeit zurückkommen könne. Stattdessen wird ihr gekündigt, ihre Mutterschaftsvertretung kann aber bleiben.Noch am gleichen Tag fängt die junge Mutter an, Bewerbungen zu schreiben. Sie hat Angst. Denn sie ist Alleinverdienerin. „An meinem Einkommen hängt unsere ganze Existenz“ Doch dann zeigt sich, dass Veyards Chef einen Fehler gemacht hat. Er hätte sie nicht entlassen dürfen. Für Mütter gilt nämlich ein absoluter Kündigungsschutz bis 16 Wochen nach der Geburt. Veyards Entlassung ist damit ungültig. Das verschafft ihr zwar etwas Zeit, ihre Notlage lässt den Chef aber weiter kalt: Zwei Wochen nach der ersten Kündigung schickt er die zweite. Dieses Mal ist sie gültig. Als Veyard zurück in die Firma kommt, hat sie keinen eigenen Arbeitsplatz mehr. Ihr Pult ist bereits neu belegt. Und auch zu Sitzungen wird sie nicht mehr eingeladen. Als die Firma dann noch das Personal aufstockt, ist für Veyard klar: Ihr wurde nicht aus finanziellen Gründen gekündigt. Sondern weil (...). Patricia D'Incau.
Work online, 15.11.2019.
Personen > D’Incau Patricia. Kuendigungsschutz. Schwangerschaft. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Spanien
Gewerkschaften
Personen
Podemos
Work
Andreas Rieger
Gewerkschaftspolitik
Volltext
Spanien: Russisch Roulette. Die spanische Linke bot in den letzten Monaten ein Trauerspiel. Zwischen den Sozialisten und der linkeren Podemos gab es ein monatelanges Gezerre um Pöstchen und Positionen. Die Chefs, Pedro Sánchez und Pablo Iglesias, benahmen sich wie Hund und Katz. So peinlich, dass die Gewerkschaften beide Parteien auffordern mussten, endlich einen Pakt zu schliessen und die Probleme der Arbeitenden und Pensionierten anzupacken. Denn das erwarte auch ihre Wählerbasis. Aber vergebens: Sánchez rief stattdessen Neuwahlen aus, in der Hoffnung obenauszuschwingen. Da lupfte es Gewerkschaftsführer Unai Sordo von Comisiones Obreras den Hut. Das Vorgehen sei „unverantwortlich“ und die Neuwahlen „Russisch Roulette“. Er befürchtete, dass viele Wählerinnen und Wähler der Linken angewidert von diesen Politspielchen zu Hause bleiben würden. Das ist jetzt prompt geschehen. Sozialisten und Podemos haben mehrere Parlamentssitze verloren. Stark dazugewonnen haben dafür die Rechtsextremen. Immerhin bringt die Rechte im Parlament erneut keine Mehrheit zusammen, das gibt den Linken eine zweite Chance. Doch noch Hoffnung? In dieser Situation fordert die Gewerkschaft Comisiones Obreras erneut eine Regierung mit einer „sozialen Agenda“. Statt einer „Politik der kleinen Schrittchen“ brauche es richtige Reformen. Beim Arbeitsgesetz, bei den Renten, beim ökologischen Umbau. Und siehe da: Was Sánchez und Iglesias während Monaten nicht schafften, schafften sie jetzt in zwei Tagen: den Entwurf für ein gemeinsames Programm und eine gemeinsame Regierung. (…).  Andreas Rieger.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Rieger Andreas. Spanien. Gewerkschaften. Work online, 2019-11-15.
15.11.2019 Schweiz
Personen
Post
Work
Katrin Bärtschi
Briefträgerin
Informatik
Volltext
Die Briefträgerin & die Systembefriedigung. Es gibt solche Fehler und solche. Neulich war hier von Zustellfehlern die Rede. Diesmal ist die Angelegenheit komplexer, um nicht zu sagen unüberschaubar. Unabdingbar gewordenes Attribut der Zustellenden ist der Scanner. Ein tönender Schuss¬apparat. Der Scanner piepst. Oder schreit. Je nach Hörart. Schon wieder ein Fehlerpunkt für die Teamstatistik. Der Scanner enthält alle eingeschriebenen Sendungen eines Arbeitstages. Wenn nicht schon von den Sortiermaschinen in den grossen Sortierzentren, durch die jede „maschinenfähige“ Sendung läuft, werden die Barcodesendungen von den Briefträgerinnen und -trägern eingescannt. Mit dem Scanner wird jeder -Zustellschritt bestätigt und quittiert. Der Scanner weiss fast ¬alles. Er weiss vieles, was die Briefträgerin nicht weiss, nicht wissen kann, weil es hinter Algorithmen in der virtuellen Unsichtbarkeit versteckt ist. Der Scanner registriert und rapportiert. Vorausgesetzt, er funktioniert. Er liefert auch die Grundlagen für die regelmässig vom System ausgespuckten Fehlerlisten: falsch gescannte Sendungen, ungenügend eingescannte Nachsendungen und so weiter. Die Fehler lassen sich den Touren zuordnen und diese wiederum der Person, die sie am betreffenden Tag lief. Ein kurioser Schwank aus dem Alltag: Im Adressmanagement Post (AMP) sind alle Zustelladressen der Schweiz erfasst. Mittels Scanner sind sie à jour zu halten. Nun weiss die Briefträgerin: Herr Müller ist weggezogen, ohne Hinterlassen einer Nachsendeadresse. Der Briefkasten trägt nicht mehr seinen Namen, sondern einen (…).  Katrin Bärtschi.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. Datenverarbeitung. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Muttenz
MS Direct AG
Personen
Work
Christian Egg
Arbeitsbedingungen
MS Direct AG
Volltext
Ex-Mitarbeitende der Firma MS Direct packen aus: Schimmel, Schikane und schäbige Löhne. Die Skandalfirma MS Direct betreibt für Coop ein Callcenter in Muttenz BL. Dort herrschen gruusige Zustände – aber die Chefin garniert ein Traumsalär. „Der Job ist in Ordnung“, dachte Flavia Ripa zuerst. Vor knapp zwei Jahren fing die heute 24jährige Baselbieterin bei der Firma MS Direct an. Die betreibt in Muttenz BL ein Callcenter im Auftrag von Coop. Ob Fragen zur -Supercard oder Adressänderungen für die Coop-Zeitung: Kundendienstanfragen des Detailhändlers, ob per Telefon oder Mail, landen in Muttenz. Zwischen 60 und 90 Mitarbeitende kümmern sich darum. Bereits letztes Jahr hatte Work über Missstände in einem MS-Direct-Callcenter berichtet. Der Artikel schlug ein. Nicht weniger als neun MS-Direct-Geschädigte kommentierten auf der Work-Website. Work hat sie alle kontaktiert. Im Gespräch sagt Ripa, ihr Stundenlohn habe 24 Franken betragen. Zuerst konnte sie hundert Prozent arbeiten und kam so auf 4‘300 bis 4‘500 Franken im Monat. Aber plötzlich war Schluss damit. „Immer wieder schickte mich der Chef nach einer halben Stunde schon heim, es gebe zu wenig Arbeit.“ Von einem Monat auf den anderen sank ihr Monatslohn auf 2‘800, später sogar auf 1‘700 Franken. Davon konnte sie nicht leben. Und sie fühlte sich unfair behandelt: „Es waren immer die gleichen fünf oder sechs, die heimgeschickt wurden. Andere hätten gerne einen freien Nachmittag gehabt, mussten aber bleiben.“ Als sie den Chef darauf ansprach, schrie er sie an. Arbeit nur noch auf Abruf.  (…).  Christian Egg.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Egg Christian. MS Direct. Arbeitsbedingungen. Work online, 2019-11-15.
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15.11.2019 Schweiz
Nestlé
Personen
Work
Jean Ziegler
Privatisierung
Volltext
Wasser
Übernimmt Nestlé jetzt die Entwicklungspolitik? Der langjährige Nestlé-Präsident Peter Brabeck ist ein kluger und zudem recht sympathischer Mensch. Aber er bleibt ein beinharter Kapitalist. Seit Jahren führen er und sein Konzern einen millionenschweren Kreuzzug für die Privatisierung des Trinkwassers. Brabecks Argument: „Trinkwasser wird immer knapper. Deshalb muss sein Verbrauch eingeschränkt werden. Das kann nur gelingen, wenn das Trinkwasser einen Preis erhält. Wer Trinkwasser täglich kaufen muss, wird automatisch auf den Verbrauch achten.“ Mörderische Wasserprivatisierung. In einem Punkt hat Brabeck recht: Trinkwasser ist ein immer wertvoller werdendes Gut. Jeder dritte Mensch auf Erden ist schon heute gezwungen, verschmutztes Wasser zu trinken. Mit schlimmen Folgen: Mehr als 9‘000 Kinder unter zehn Jahren sterben pro Tag an unsauberem Trinkwasser und den dadurch verursachten Krankheiten. In verdrecktem Wasser verbreiten sich auch die Erreger der Cholera, die jetzt gerade in Jemen, im Südsudan und in Somalia wüteten. Der Uno-Menschenrechtsrat sagt, dass der Zugang zu sauberem Trinkwasser ein universelles, nicht verhandelbares Menschenrecht sei. Seinen Gebrauch von der Kaufkraft abhängig zu machen ist eine mörderische Strategie. Der Kampf zwischen den Wasserkonzernen und den Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten ist hart. Denn immer wieder verkaufen hochverschuldete Städte und Dörfer in Entwicklungsländern ihre Brunnen und Reservoire, ihre verrosteten Wasserleitungen und Kläranlagen beispielsweise an Nestlé, Bechtel oder Indosuez. Diese (…).  Jean Ziegler.
Work online, 15.11.2019.
Personen > Ziegler Jean. Nestle. DEZA. Work online, 2019-11-15.
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01.11.2019 Genf
Japan Tobbaco
Personen
Work
Jonas Komposch
Entlassungen
Japan Tobbaco
Volltext
Japan Tobacco International ist angeblich „bester Arbeitgeber“ in Genf. Aber: Jetzt schasst der Multi massig und billig. Japan Tobacco International glaubt, in Genf 268 Stellen abbauen und c:Ue Entlassenen mit einem lausigen Sozialplan abspeisen zu können. Doch der Konzern hat die Rechnung ohne seine Belegschaft gemacht. Gut 80 wütende Mitarbeitende von Japan Tobacco International (JTI) versammelten sich am Dienstag, 22. Oktober, vor dem Firmenhauptsitz in Genf. Ihr Zorn galt dem Zigarettenmulti, der jede vierte seiner rund 1‘100 Genfer BürostelIen streichen und nach Polen, Russland oder in die Philippinen auslagern will. Angekündigt hatte JTI diese „Transformation“, wie die Massenentlassung intern genannt wird, am 2. September. Sofort organisierten sich Hunderte der Mitarbeitenden, um mit einem Konsultationsverfahren möglichst viele Stellen zu retten. Auf dem Fuss folgte allerdings auch eine herbe Enttäuschung. Denn der florierende Konzern, den Schweizer Wirtschaftsmagazine schon mehrfach zum „Arbeitgeber des Jahres gekürt hatten, wollte der Belegschaft nur gerade zwei Wochen Bedenkzeit einräumen. Mickriger Sozialplan. Zudem hielt er bis 6 Tage vor dem Ablauf der Konsultationsfrist wichtige Dokumente zurück und verschwieg der Unia als zuständige Gewerkschaft die Namen der Entlassenen. Daher rief das Personal mit der Unia die kantonale Einigungsstelle an und erwirkte ein Schlichtungsverfahren. Doch am 8. Oktober scheiterte selbst dieses. Der Ball liegt deshalb wieder bei der Belegschaft. Sie fordert von JTI einen Sozialplan. der diesen Namen auch verdient. (…). Jonas Komposch.
Work online, 1.11.2019.
Personen > Komposch Jonas. Japan Tobacco. Entlassungen. Work online, 2019-11-‚01.
Ganzer Text
01.11.2019 EU
Personen
Work
Andreas Rieger
Flankiierende Massnahmen
Lohndumping
Volltext
Schweizer Lohnschutz: FAZ-Folter. Für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) sind die flankierenden Massnahmen (FlaM) der Schweiz „Folterinstrumente“. Was treibt das sonst staubtrockene Sprachrohr der deutschen Wirtschaft bloss zu diesem Wahnsinnsvergleich? Wer wird da laut FAZ eigentlich mit Elektroschocks und heissen Nadeln gefoltert? Es sind die süddeutschen Unternehmer, die in der Schweiz mit entsandten Arbeiterinnen und Arbeitern Aufträge ausführen wollen. Dafür müssen sie eine Kaution hinterlegen – wie Millionen Mieterinnen und Mieter auch. In Deutschland genauso wie in der Schweiz. Die Firmen müssen den Einsatz auch 8 Tage im voraus einplanen und anmelden. Und das soll unzumutbar sein, um mit einem Trupp von durchschnittlich fünf Arbeitern 3 bis 4 Wochen in der Schweiz zu bauen? Es ist lächerlich, diese paar Regeln als „Folterinstrumente“ zu bezeichnen. Und doch stehen sie im Zen¬trum des Angriffs deutscher Lobbyisten gegen den Schweizer Lohnschutz. Im Zentrum des Streites mit der EU. Dabei können die Schweizer FlaM so schlimm gar nicht sein. Eine Umfrage des baden-württembergischen Handwerktags zeigt nämlich: die Schweiz ist das Lieblingsland für deutsche Entsender. Über eine Milliarde Euro Umsatz bolzen sie hier. Die Regeln auf dem Schweizer Arbeitsmarkt sind offensichtlich nicht hinderlich. Aber ärgerlich. Jedenfalls für die, die sich nicht daran halten. Ein bisschen weh tun die Bussen schon, die deutsche Patrons immer mal wieder kassieren, weil sie die Entsenderegeln missachten. Und richtig weh tut, wenn sie deshalb sogar auf die schwarze Liste kommen und (…).  Andreas Rieger.
Work online, 111.2019.
Personen > Rieger Andreas. Dumpingloehne. Flankierende Massnahmen. Work online, 2019-11-01.
Ganzer Terxt
01.11.2019 Schweiz
Nationalratswahlen
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Corrado Pardini
Nationalratswahlen
Volltext
Abwahl von Corrado Pardini: Die Reaktionen von links bis rechts. „Kämpfer mit Gestaltungswillen. Acht Jahre kämpfte Corrado Pardini im Bundeshaus für die Sache der Arbeitnehmenden. Jetzt ist er nicht wieder gewählt. Das ist ein herber Verlust“, sagt Unia-Chefin Vania Alleva. Und nicht nur sie. Die schlechte Nachricht am späteren Abend des Wahlsonntags wirkte erst mal wie ein Schock: Unia-Industriechef Corrado Pardini hat seine Wiederwahl in den Nationalrat nicht geschafft. Dies als schweizweit bekannter, rührigeloquenter, linker Politiker und Gewerkschafter. Als Kämpfernatur. Dies, obwohl er persönlich ein besseres Resultat erzielte als noch 2015. Seine ehemalige Nationalratskollegin Susanne Leutenegger Oberholzer sagt: „Noch mag ich es kaum glauben“. Und sie ergänzt: „Seine Abwahl ist die Folge der SP-Verluste und der getrennten Berner SP-Listen.“ Pardinis Nichtwiederwahl ist hart. Für die Gewerkschaften, die ihren „führenden Industriegewerkschafter“ (Ex-SGB-Chef und SP-Ständerat Paul Rechsteiner) in Bundesbern verlieren. Sie gewinnen im Nationalrat zwar den neuen SGB-Chef Pierre-Yves Maillard dazu, die wiedergewählte VPOD-Chefin Katharina Prelicz-Huber sowie die grüne Tessiner Transfair-Gewerkschafterin Greta Gysin. Und wer weiss, vielleicht wird der Präsident des Walliser Gewerkschaftsbundes, Mathias Reynard, der auch für den Ständerat kandidiert, am 3. November noch ins Stöckli gewählt. Trotzdem: „Die Abwahl ist ein herber Verlust“, sagt Unia-Chefin Vania Alleva: „Corrado Pardini wird uns fehlen“. Er habe sich im Parlament „überzeugend“ für die  (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 1.11.2019
Personen > Kuhn Marie-Josée. Pardini Corrado. Nationalratswahlen. Work online, 2019-11-04.
Ganzer Text
01.11.2019 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Nationalratswahlen
Volltext
Neue Frauen. Neue Politik. Mit ihrem Song sang sie sich mitten ins Herz der Frauenbewegung: „Neue Männer braucht das Land!“ Keine Frauendisco, keine Frauendemo, an denen Ina Deter nicht losgeschmettert hätte: „Ich sprüh’s auf jede Wand: Neue Männer braucht das Land!“ Das war in den 1980ern. Und nun, Jahrzehnte später, können wir jubeln: Neue Frauen hat das Land! Und wie: Allein von rot-grüner Seite ziehen 19 neue Frauen ins Bundeshaus ein. Und es könnten noch mehr werden. Nach den zweiten Wahlgängen für den Ständerat: In Zürich, in Bern, in Basel-Land, in Genf und in der Waadt haben Frauen gute Chancen, den Sprung ins Stöckli zu schaffen. So, wie es in Neuenburg schon die 34jährige Grüne Céline Vara geschafft hat. Auf Anhieb! Die Überfliegerin flog schnell und hoch. Und wer weiss, vielleicht macht es ihr ihre Parteichefin Regula Rytz bald schon nach – und fliegt in den Bundesrat. Endlich weggefegt: die harte rechte Macho-Mehrheit! Und wie die neuen Nationalrätinnen strahlen! Fotos zum Küssen: Die Tessiner Gewerkschafterin Greta Gysin hebt vor lauter Juhu fast ab mit ihrem grünen Schirm. Und die Zürcherin Marionna Schlatter-Schmid muss sich regelrecht am Schämpis-Glas festhalten. Ein wunder¬bares Schauen! Und ein ganz anderes als in den letzten vier Jahren harter rechter Macho-Mehrheit im Bundeshaus. Endlich ist sie weggefegt. Und die Linke und die Gewerkschaften sind gestärkt, wie Work-Autor ¬Clemens Studer in seiner Wahl¬analyse zeigt. Dies trotz der bitteren Nicht-Wiederwahl von Unia-Industriechef Corrado Pardini. Gestärkt dank der Klima-bewegung. (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 1.11.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée Kuhn. Frauen. Nationalratswahlen. Work online, 2019-11-01.
Ganzer Text
01.11.2019 Schaffhausen
IWC Schaffhausen
Personen
Uhrenindustrie
Work
Christian Egg
IWC Schaffhausen
Löhne
Volltext
IWC: Uhrenarbeiterinnen und Uhrenarbeiter sind unzufrieden. „Jetzt muss etwas gehen bei den Löhnen!“ Daria Lucidi (31) und Mario Dunst (27) haben die Nase voll vom Geiz und Stress beim Luxusuhren-Label IWC. Und sie sind nicht alleine. Am Zürich Film Festival trug die Schauspielerin Cate Blanchett eine IWC-Uhr. Die „Portofino Automatic 34“ kostet zwischen 5‘300 und 19’900 Franken und gehört zu den günstigsten der Schaffhauser Traditionsmarke. Andere kosten bis zu einer Viertelmillion. Aber auch für die einfachste Portofino müsste IWC-Arbeiterin Daria Lucidi mehr als anderthalb Monatslöhne hinblättern. Gerade mal 3‘181 Franken brutto bekommt sie für ihr 70-Prozent-Pensum in der Qualitätsprüfung. Die Arbeit mache sie gern, sagt Lucidi: „Sie ist abwechslungsreich, und ich habe viele Freiheiten.“ Aber eben, der Lohn. Sie sagt: „Unsere Löhne liegen Welten entfernt von denen in anderen Industriebetrieben.“ Tom Moser * zum Beispiel. Er hat eine Vollzeitstelle, einen Lehrabschluss und mehrere Jahre Erfahrung. Trotzdem zahlt ihm IWC nur knapp 4‘500 Franken im Monat. Er sagt: „Hier in der Ostschweiz liegt der übliche Lohn bei meiner Qualifikation etwa bei 5‘500 Franken, im Kanton Zürich sogar bei über 6‘000 Franken.“ Der Uhrmacher Roger Blum* fügt hinzu: „Die Chefs sagen uns jeweils, wir könnten ja in Deutschland einkaufen gehen, dann reiche der Lohn länger.“ Und die Löhne stagnieren. Jannik Held von der Unia Zürich-Schaffhausen sagt: „Viele haben in den letzten Jahren gar keine Lohnerhöhung bekommen. Oder dann nur fünf Franken.“(…).
Christian Egg.
Work online, 1.11.2019.
Personen > Egg Christian. IWC Schaffhausen. Loehne. Work online, 2019-11-01.
Ganzer Text
01.11.2019 Deutschland
Personen
Work
Christian Egg
Arbeitsbedingungen
Betriebsräte
Velokurier
Volltext
Soziologe Heiner Heiland hat die Essenskurier-Szene erforscht. „In Köln und Hamburg gibt’s jetzt Kurier-Betriebsräte“. Sie sind immer alleine unterwegs und doch gut vernetzt: Essenskuriere. Der Soziologe Heiner Heiland hat ihre Jobs in mehreren deutschen Städten untersucht.Work: Heiner Heiland, viele Essenskurierinnen und -kuriere haben eine Matur oder gar studiert. Wie erklären Sie sich das? Heiner Heiland: Viele arbeiten nicht Vollzeit. Die Kurierfahrten sind nur ein finanzielles Standbein – wenn auch ein prekäres. Sie sind eigentlich Musikerinnen oder Tänzer, verdienen dort aber noch weniger. Oder sie sind Studierende. Ist das durchgehend so? Nein, die soziale Zusammensetzung der sogenannten Rider unterscheidet sich von Stadt zu Stadt. In Berlin sind es viele aus Italien oder Spanien, und die sind meistens gut ausgebildet. Sie sind im Zuge der Eurokrise nach Deutschland gekommen, konnten aber nicht gut Deutsch. Und das ist ein Job, den sie machen können. Es scheint sich aber zu wandeln. Mehr und mehr Leute kommen etwa aus Bangladesh oder Pakistan, also den klassischen Einwanderungsländern für Niedriglohn-Jobs. In Frankfurt hatten diese Fahrerinnen und Fahrer dann auch ihre eigenen Chatgruppen, um sich auszutauschen. Hat Sie das überrascht? Ja, sehr. Auch die Gewerkschaften gingen lange davon aus, dass die Branche schwer zu organisieren sei, weil die Mitarbeitenden ja immer alleine unterwegs seien. Tatsächlich hatten aber 61 Prozent der Befragten häufig oder sehr häufig Kontakt zu (…).
Christian Egg.
Work online, 1.11.2019.
Personen > Egg Christian. Velokuriiere. Arbeitsbedingungen. Work online, 2019-11-01.
Ganzer Text
01.11.2019 Chile
Mowag GmbH
Personen
Work
Jonas Komposch
Gewalt
Mowag GmbH
Volltext
Mit Thurgauer Panzern und Schaffhauser Gewehren: Chiles Präsident bodigt sein Volk mit Schweizer Hilfe. Millionen demonstrieren in Chile gegen das rechte Regime von Sebastián Piñera. Der Staatschef antwortet mit der Armee. Und die schiesst, wie schon während der Pinochet-Diktatur, mit Schweizer Waffen.Es war eine Statistik des Grauens, die das chilenische Nationale Institut der Menschenrechte (INDH) am vergangenen Sonntag präsentierte. Seit Beginn der Massenproteste gegen die rechte Regierung von Präsident Sebastián Piñera verzeichnete das Institut: 3‘192 Verhaftete, 1092 Hospitalisierte, 546 Angeschossene, 126 Augenverletzungen, 17 Fälle von sexualisierter Folter, 19 Tote – davon mindestens 5 Erschossene – sowie zwei verschwundene Personen. Diese Bilanz geht auf das Konto der chilenischen Staatsgewalt. Auf Geheiss des Milliardärs Piñera geht sie mit äusserster Brutalität auf das protestierende Volk los. „Wir sind im Krieg gegen einen mächtigen Feind“, tönte der Präsident entsprechend im Fernsehen. Während die Polizei mehrheitlich mit Gummiknüppeln, Wasserwerfern und Tränengas hantierte, rollte die Armee auf Panzern heran. Und zwar auf solchen des Typs „Piranha“ – eine Entwicklung des Kreuzlinger Rüstungsbetriebs Mowag. Verschanzt hinter diesen Fahrzeugen schossen die Soldaten in die Menge. Mit ¬Maschinengewehren, Schrotflinten und dem Sturmgewehr SG 540. Auch dieses ist eine helvetische Entwicklung. Die Schweizerische Industriegesellschaft (SIG) aus Neuhausen am Rheinfall stellte es erstmals im Jahr 1977 her. Allerdings sind die aktuell zum Einsatz kommenden (…). Jonas Komposch.
Work online, 1.11.2019.
Personen > Komposch Jonas. Chile. Gewalt. Work online, 2019-11-01.
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01.11.2019 Schweiz
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Patricia D Incau
Ernst Köhli
Fotos
Publikation
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Der Fotograf, der zu den Büezern linste. Nur durch einen Zufall landeten nicht alle Fotos von Ernst Koehli im Altpapier. Ein überaus glücklicher Zufall. Die Aktfotos und die Pflanzenbilder hatte Frau Koehli schon entsorgt. Und auch den Rest des Fotoarchivs ihres Mannes wollte die Witwe 1984 ins Altpapier geben. Wäre zu dieser Zeit nicht der Zürcher Grafiker Raymond Naef an einem kleinen Schaukasten vorbeigekommen, in dem er eine Handvoll Bilder von Ernst Koehli entdeckte: Aufnahmen vom Kreis 4, Zürichs Arbeiterquartier. Bilder, die Naef für ein Ausstellungsprojekt haben wollte. Einen Anruf und einen Besuch bei Frau Koehli später trug er sie kistenweise nach Hause. Damit rettete Naef nicht nur Koehlis gesamtes Fotoarchiv. Sondern auch einen Teil der Schweizer Arbeitergeschichte. Arbeiter gegen Bankster. „etzt erscheint der umfassende Bildband: Er heisst „Chronist der sozialen Schweiz“ und zeigt Koehlis Werk zwischen 1933 und 1953. Eine Zeit, geprägt von der geistigen Landesverteidigung. Aber auch von einer bewegten Arbeiterschaft, Streiks und Protesten. Fotograf Koehli begleitet die Arbeiter zuerst auf eigene Faust. 1933, als 20jähriger und noch ¬etwas wackelig unterwegs, schiesst er in Zürich, Winterthur und St. Gallen seine ersten Demo-Bilder. Als Begleiter einer grossen Bus-Protestfahrt mit über 900 Chauffeuren, die für geregelte Arbeits- und Ruhezeiten protestieren. Aber auch als Zeuge einer Demonstration gegen den rechten Finanzminister und früheren Banker Jean-Marie Musy, der die Löhne von Staatsangestellten um 15 Prozent kürzen will. (…). Patricia D'Incau.
Work online, 1.11.2019.
Personen > D’Incau Patricia. Koehli Ernst. Fotograf. Work online, 2019-11-01.
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01.11.2019 Schweiz
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Katrin Bärtschi
Dagenschutz
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Die Briefträgerin & das AMP. Früher hat die Briefträgerin bei der Volkszählung die Auskunft verweigert. Heute sammelt sie Daten. AMP heisst „Adressmanagement Post“. Die Post erfasst jeden an einem Briefkasten in der Schweiz angeschriebenen Namen. Manchmal auch solche, die nicht angeschrieben sind. Bei c/o-Adressen. Die Post weiss, wer mit wem wohnt. Die Post weiss, wer mit wem nicht mehr wohnt. Die Post weiss, wo jemand früher wohnte, wo jetzt und wo in Zukunft, Nachsendeauftrag vorausgesetzt. Ist die Post auch über die Krankenkassenabrechnungen aller Leute, deren Zahlungsverkehr nicht elektronisch läuft, im Bild? Druckt und versendet sie doch als „Geschäftskundenlösung“ die Rechnungen im Auftrag von Firmen, die dafür bezahlen. Die systematische Erfassung aller Nutzniessenden der Post gibt es, seit die gigantischen Maschinen in den Briefverteilzentren möglichst viele Daten zur möglichst flächendeckenden Sortierung der Sendungen benötigen. Früher schrieben die Botinnen und Boten alle Nachsendeadressen in rote Büchlein. Auch nach Jahr und Tag noch konnte deshalb wichtige Post von Hand umadressiert und nachgeschickt werden. Die roten Büchlein sind vernichtet. Nach Ablauf eines Jahres kennt heute nur noch das System die neue Adresse einer Person. Zum System haben nicht alle Zugang. Wer aber hat Zugang? Wie steht es mit dem Datenschutz? Nicht auszuschliessen, dass das AMP lückenloser ist als die offiziellen Register der Gemeinden. Denn nicht alle Leute, die an einem Briefkasten angeschrieben sind, sind offiziell gemeldet. (…).  Katrin Bärtschi.
Work online, 1.11.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. Datenschutz. Work online, 2019-11-01.
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01.11.2019 Schweiz
Initiativen Schweiz
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Jean Ziegler
Konzernverantwortungs-Initiative
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Die Sabotage der Konzern-Mogule. Freitagmittag, 18. Oktober. Das Telefon läutet. Die Stimme von Malik Özden klingt verzweifelt: „Wir haben verloren“, sagt er. Malik leitet das Programm für Menschenrechte beim „Centre Europe-Tiers Monde“ in Genf. Zugleich organisiert er die Koalition der sozialen Bewegungen und Nichtregierungsorganisationen, die eine Uno-Konvention zur Respektierung der Menschenrechte durch die multinationalen Konzerne durchsetzen wollen. Die Initiative des Südens. Gemäss einer Statistik der Weltbank haben 2018 die 500 grössten Multis 52,8 Prozent des in dem Jahr produzierten Reichtums kontrolliert. Diese Konzerne haben eine Macht, wie sie nie ein Kaiser, ein König oder ein Papst in der Geschichte je gehabt hat. Im Uno-Menschenrechtsrat halten die Staaten der südlichen Hemisphäre eine Zweidrittelmehrheit. Gegen die USA, die Europäische Union und auch gegen die Schweiz setzten sie 2014 eine Resolution durch, welche die Uno beauftragte, eine internationale Konvention auszuarbeiten, mit der die Konzerne unter Strafandrohung verpflichtet werden sollen, die Menschenrechte einzuhalten. Für Klagen von Opfern soll der Gerichtsstand im Heimatland der Konzerne gelten. Seitdem bemühte sich eine Arbeitsgruppe von Uno-Mitgliedstaaten und zivilgesellschaftlichen Organisationen um die Ausarbeitung dieser Konvention. Soeben ist im Genfer Völkerbundpalast die fünfte Session dieser Arbeitsgruppe zu Ende gegangen. Mit einem verheerenden Resultat: Die Verhandlungen sind blockiert. Verantwortlich dafür ist die Präsidentschaft der Arbeitsgruppe, die jeden diplomatischen Fortschritt verhindert. (…). Jean Ziegler.
Work online, 1.11.2019.
Personen > Ziegler Jean. Konzernverantwortungs-Initiative. Work online, 2019-11-01.
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01.11.2019 Schweiz
Initiativen Schweiz
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Jean Ziegler
Konzernverantwortungs-Initiative
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Die Sabotage der Konzern-Mogule. Freitagmittag, 18. Oktober. Das Telefon läutet. Die Stimme von Malik Özden klingt verzweifelt: „Wir haben verloren“, sagt er. Malik leitet das Programm für Menschenrechte beim „Centre Europe-Tiers Monde“ in Genf. Zugleich organisiert er die Koalition der sozialen Bewegungen und Nichtregierungsorganisationen, die eine Uno-Konvention zur Respektierung der Menschenrechte durch die multinationalen Konzerne durchsetzen wollen. Die Initiative des Südens. Gemäss einer Statistik der Weltbank haben 2018 die 500 grössten Multis 52,8 Prozent des in dem Jahr produzierten Reichtums kontrolliert. Diese Konzerne haben eine Macht, wie sie nie ein Kaiser, ein König oder ein Papst in der Geschichte je gehabt hat. Im Uno-Menschenrechtsrat halten die Staaten der südlichen Hemisphäre eine Zweidrittelmehrheit. Gegen die USA, die Europäische Union und auch gegen die Schweiz setzten sie 2014 eine Resolution durch, welche die Uno beauftragte, eine internationale Konvention auszuarbeiten, mit der die Konzerne unter Strafandrohung verpflichtet werden sollen, die Menschenrechte einzuhalten. Für Klagen von Opfern soll der Gerichtsstand im Heimatland der Konzerne gelten. Seitdem bemühte sich eine Arbeitsgruppe von Uno-Mitgliedstaaten und zivilgesellschaftlichen Organisationen um die Ausarbeitung dieser Konvention. Soeben ist im Genfer Völkerbundpalast die fünfte Session dieser Arbeitsgruppe zu Ende gegangen. Mit einem verheerenden Resultat: Die Verhandlungen sind blockiert. Verantwortlich dafür ist die Präsidentschaft der Arbeitsgruppe, die jeden diplomatischen Fortschritt verhindert. (…). Jean Ziegler.
Work online, 1.11.2019.
Personen > Ziegler Jean. Konzernverantwortungs-Initiative. Work online, 2019-11-01.
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18.10.2019 Schweiz
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Work
Marie-Josée Kuhn
Klimawandel
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Avanti popolo! Die Debatte ist eröffnet I. In der letzten Ausgabe präsentierte Work exklusiv den grossen ökosozialen Klima-Umbauplan in 19 Schautafeln. Er zeigt ganz konkret auf, technisch und politisch, dass eine CO2-neutrale Schweiz möglich ist. Und zwar nicht erst ab 2050, wie das der Bundesrat will. Sondern schon ab 2030. Mit dieser Pionierleistung haben wir der Klimadebatte Schub verliehen. Das zeigen auch die engagierten Reaktionen unserer Leserinnen und Leser. Und wir befeuern sie in dieser Nummer noch, indem wir Rot-Grün in den Klima-Schwitzkasten nehmen. Pünktlich zum Wahlwochenende stellen wir Grünen-Chefin Regula Rytz und SP-Chef Christian Levrat 10 heisse Fragen zum ökosozialen Umbau der Schweiz, den die Grünen etwas schneller haben möchten als die Roten. Die CO2-Netto-Null fordert Rytz ab 2030. Levrat „so bald wie möglich, aber allerspätestens 2050“. Die Debatte ist eröffnet II. Die Klimakrise ist untrennbar mit der sozialen Frage verbunden. Das sagt nun auch ganz offiziell die Klimabewegung. Weil die Ausbeutung des Menschen und die Ausbeutung der Erde in ein und derselben auspresserischen Wirtschaftslogik betrieben werde. „System Change, not Climate Change!“ heisst denn auch einer ihrer pointiertesten Slogans: Kapitalismusschmelze statt Gletscherschmelze. Und dafür hätten die Klimabewegten nun gerne die Unterstützung der Gewerkschaften. Für einen gemeinsamen Massenstreik am 15. Mai 2020. Schliesslich trifft die Klimakrise zuerst die Lohnarbeitenden: (…).  Marie-Josée Kuhn.
Work online, 18.10.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Klimawandel. Work online, 2019-10-18.
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18.10.2019 Schweiz
Venezuela
Personen
Work
Jean Ziegler
Boykott
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Ignazio Cassis: Aufwachen! Kürzlich läutete bei mir in Russin GE an einem Sonntagabend das Telefon. Am Apparat Felix Peña Ramos, der venezolanische Botschafter beim Uno-Menschenrechtsrat. „Compañero Professor, ich muss Sie unbedingt sprechen…nein, nicht am Telefon, sondern direkt, persönlich.“Die Unterwerfung des Bundesrats unter Trumps Sanktionen ist skandalös – und für Genf höchstgefährlich.Schweizer Boykott Venezuelas. Zwei Tage später trafen wir uns mittags in einer diskreten Ecke des Cafés Le Lyrique. Peña zog einen Brief der UBS aus einer Mappe. Die Grossbank teilte der venezolanischen Botschaft mit, dass sie ab sofort keine Zahlungsanweisungen mehr von venezolanischen Behörden ausführen werde. Die Löhne, die Miete und die sonstigen Ausgaben der Mission Venezuelas am europäischen Uno-Sitz in Genf können damit nicht mehr aus Caracas überwiesen werden. Ich riet zum Wechsel zur Postbank, die im Besitz der Eidgenossenschaft ist. Doch auch sie lehnte ab. Wenig später traf ich den venezolanischen Aussenminister Jorge Arreaza. Seine Frage: „Wie kann eure Regierung eine solche Verletzung des Völkerrechts stillschweigend hinnehmen?“ Arreaza hat recht: Die Wiener Verträge, welche die Beziehungen zwischen dem Gastland Schweiz und der Uno regeln, verpflichten unser Land, „befriedigende“ Arbeitsbedingungen für die in Genf akkreditierten Missionen zu garantieren. (…).
Jean Ziegler.
Work online, 18.10.2019.
Personen > Ziegler Jean. Venezuela. Boykott. Work online, 2019-10-18.
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18.10.2019 Kurdistan
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Work
Patricia D Incau
Armee-Einsätze
Völkerrecht
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Völkerrechtswidriger Angriffskrieg der Türkei gegen kurdische Gebiete. Wirtschaft und Bundesrat sehen nur das Geschäft. Die Schweizer Industrie ist mit der Türkei dick im Geschäft. Sie lieferte und liefert Bosporus-Diktator Recep Tayyip Erdog an Maschinen, Chemie – und Waffen. Während türkische Bomben in Nordsyrien Hunderte Menschen töten, Kinder verstümmeln und Spitäler zerstören, macht sich Economie¬suisse-Mann Jan Atteslander Sorgen ums Geschäft. Am 13. Oktober forderte er im „Tages-Anzeiger“: Die Schweiz soll mit der Türkei im Dialog bleiben. Und meinte damit: Der Bundesrat soll jetzt das Freihandelsabkommen mit der Türkei ratifizieren. Dieses hatten die beiden Länder letztes Jahr neu ausgehandelt. Der Gewerkschaftsbund und linke Parteien lehnen es ab. Und fordern griffige Massnahmen zum Schutz der Menschenrechte. Bis 2017 versorgte die Schweiz die Türkei mit Bomben, Torpedos, Raketen, Flugkörpern & Co. Maschinen, Pharma, Waffen. Diese Kritik wird jetzt wieder laut. Schliesslich verletzt die Türkei mit dem Angriffskrieg in Syrien das Völkerrecht. Doch für die Schweizer Wirtschaft ist das offenbar kein Problem. Sie ist der Türkei nämlich schon jetzt eine wichtige Stütze: 2017 investierte sie dort 2,6 Milliarden Franken und belegte damit Platz acht der wichtigsten ausländischen Financiers. Zuletzt betrieben die Türkei und die Schweiz Handel im Wert von rund 5,2 Milliarden Franken. (…).  Patricia D'Incau.
Work online, 18.10.2019.
Personen > D’Incau Patricia. Kurdistand. Tuerkei. Work online, 2019-10-18.
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18.10.2019 Martigny
Adatis SA
Personen
Work
Christian Egg
Adatis SA
Mindestlöhne
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Wallis: Autozulieferer Adatis zahlt Monatslöhne von 2‘670 Franken netto. Arbeitsbedingungen wie aus anderen Zeiten. Die Autozuliefererfirma Adatis bezahlt lausige Löhne. Die Unia macht das publik, Adatis antwortet prompt mit einem Strauss von Klagen. Gerade mal 3‘000 Franken brutto für eine Vollzeitstelle. Ergibt netto 2‘670 Franken. Ausserdem kein 13. Monatslohn und nur vier Wochen Ferien. Zu diesen Bedingungen müssen 15 Mitarbeitende im Wallis Plasticteile für die Autoindustrie herstellen. Vor allem Frauen sind von den Tieflöhnen betroffen. Ihr Arbeitgeber ist die Firma Adatis. Fürs Ansiedeln der Fabrik mit 60 Arbeitsplätzen erhielt sie vor knapp 20 Jahren Steuererleichterungen von der Gemeinde Martingy und vom Kanton. Schon im April machte die Unia diese Löhne publik (Work berichtete). Nichts passierte. Deshalb informierte die Unia den deutschen Industriekonzern Bosch. Er ist einer der wichtigsten Abnehmer von Adatis. Jetzt reagiert Adatis. Aber nicht etwa mit besseren Löhnen. Sondern mit einer Strafklage gegen die Unia. Gleich einen ganzen Strauss von Strafartikeln präsentieren die Firmenjuristen: Ehrverletzung, Verleumdung. unlauterer Wettbewerb. Nötigung. Blaise Carron von der Unia Wallis musste deswegen kürzlich bei der . Polizei antraben. Er kann über das Vorgehen der Firma nur den Kopf schütteln: „Wer solche Löhne zahlt. hätte doch Besseres zu tun, als zu klagen.“ Mundtot machen lässt er sich sowieso nicht. Im Gegenteil: Er kritisiert den Druckversuch der Firma umgehend in einem weiteren Mediencommuniqué. (…). Christian Egg.
Work, 18.10.2019.
Personen > Egg Christian. Adatis SA. Arbeitsbedingungen. Work, 2019-10-18.
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