Gewerkschaftschronik
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Anzahl gefundene Artikel: 3124

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26.06.2020 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Arbeit
Briefträgerin
Volltext
Die Briefträgerin & die Briefmenge. Die meisten Wörter unserer Sprache habe eine uralte Geschichte. Andere werden aufgrund neuer Gegebenheiten erst erfunden. Bei der Post zum Beispiel „Gangfolgesortierung“. Oder „Briefmengenrückgang“. Dieser ist mit der Coronakrise sprunghaft angestiegen. Betrug er in der Zeit davor durchschnittlich vier bis fünf Prozent pro Jahr, ist die Anzahl der verschickten Postsendungen in den vergangenen Monaten um fünfzehn Prozent gesunken. Um diesen Arbeitswegfall zu kompensieren und um die Kolleginnen und Kollegen von der Paketpost zu entlasten, stellen die Briefträgerinnen und Briefträger nun auch kleine Pakete zu. Letzte Meile. Als weitere Massnahme zur Arbeitsbeschaffung und Geschäftserweiterung wird seit längerem schon „die letzte Meile“ ausgebaut. „Meile“? Wieso „Meile“? – Weil es sich um einen aus dem Englischen abgeleiteten Logistikbegriff handelt, erfährt die Briefträgerin bei Wikipedia. Gemeint ist „der Teil des Transports zur Haustür des Kunden“ (und wohl auch der „Kundin“…). Manche altgedienten Kolleginnen und Kollegen schnödeten zu Beginn, als es hiess, die Post habe neue Dienstleistungen ausgeheckt. Die Briefträgerin aber hatte nie ein Problem damit, dass sie nun auch Brot liefert oder Gemüse, dass sie Kaffeekapseln abholt oder Altkleider. In manchen Zustellregionen liest das Zustellpersonal seit einiger Zeit die Stromzähler ab. Daran stört die Briefträgerin einzig der Gedanke, dass die bisherigen Ableser und Ableserinnen deshalb wohl ihre Arbeit verloren. (…).
Katrin Bärtschi.
Work, 26.6.2020.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. Arbeit. Work online, 2020-06-26.
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26.06.2020 Schweiz
Personen
Temporärarbeit
Work
Christian Egg
Entlassungen
Temporärarbeit
Volltext
Temporärbüros: Keine andere Branche schasst Mitarbeitende so eiskalt. Sozialamt einfach! Chauffeur Adil Nejem* gehört zur Corona-Risikogruppe. Er hat Anrecht, zu Hause zu bleiben und auf seinen Durchschnittslohn. Doch das Temporärbüro bezahlt nicht. Und er ist kein Einzelfall. Das Büro ist klein, höchstens acht Quadratmeter. Vier Leute arbeiten darin. Mehrmals pro Tag müssen Lastwagenchauffeure des Coop-Verteilzen¬trums im aargauischen Schafisheim dort vorbei. Dann wird es richtig eng. Chauffeur Adil Nejem sagt: „Manchmal sind wir vier Fahrer gleichzeitig, also acht Leute total. Dann stehen wir Schulter an Schulter.“ Auch Ende März war es so, auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie. Nejem erinnert sich: „Auf der Post musste ich einen Mindestabstand von zwei Metern einhalten, bei den Behörden konnte man nur noch anrufen, ihre Schalter waren geschlossen. Aber bei uns gab es nicht einmal Schutz¬masken.“
Für Nejem eine unhaltbare Situation. Denn nach zwei Herzinfarkten gehört der 57jährige zur Corona-Risikogruppe. Er schildert seinem Arzt die ¬Zustände. Der weist ihn an, zu Hause zu bleiben, und stellt ihm ein Arztzeugnis aus. Doch damit fangen die Probleme erst an. (…).
Christian Egg.
Work online, 26.6.2020.
Personen > Egg Christian. Temporaerarbeit. Entlassungen. Work online, 2020-06-26.
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26.06.2020 Schweiz
Arbeitslosigkeit
Armut
Personen
Work
Hans Baumann
Arbeitslosigkeit
Armut
Volltext
Arbeitslosigkeit und Armut in der „reichen Schweiz“. Arbeitslosigkeit und Armut sind Stichworte, die jetzt in der Coronakrise allgegenwärtig sind, auch in der Schweiz. Arbeitnehmende, die auf Kurzarbeit gesetzt oder entlassen werden, kommen wegen der Einkommenskürzung an oder sogar unter das Existenzminimum. Das gleiche gilt für eine grosse Zahl von Selbständigen, die in den letzten Monaten Verdienstausfälle in Kauf nehmen mussten. Über die Hälfte der Haushalte verfügen über weniger als 50’000 Franken Vermögen, ein Viertel der Bevölkerung besitzt gar nichts oder hat gar Schulden. Eine längere Periode mit Verdienstausfällen können die meisten nicht ohne Hilfe durchstehen, sie haben kaum Reserven.
Konstant hoch. Wie die Grafik zeigt, ist Arbeitslosigkeit und Armut kein neues Phänomen. Bereits in den letzten 10 Jahren, die nach der Finanzkrise eigentlich Jahre der Hochkonjunktur waren, ist die Erwerbslosigkeit konstant hoch geblieben. Noch 2018 war die Erwerbslosenquote mit 4,7 praktisch gleich hoch wie 2009; erst im letzten Jahr ging sie etwas zurück. Sehr ähnlich sieht es bei der Armutsquote der Erwerbstätigen aus, die seit 2010 etwa gleich blieb. Als arm gelten Erwerbstätige, die in einem Haushalt leben, der über weniger als die Hälfte des mittleren Einkommens verfügt, 2018 entsprach das bei einem Einpersonenhaushalt 2080, bei einem Vierpersonenhaushalt 4370 Franken. Kein Wunder, dass auch jener Teil der Bevölkerung, der auf Sozialhilfe angewiesen ist, in den letzten 10 Jahren nicht kleiner, sondern sogar grösser geworden ist. (…). 
Work online, 26.6.2020.
Personen > Baumann Hans. Arbeitslosigkeit. Work online, 2020-06-26.
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26.06.2020 Schweiz
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Arbeitslosigkeit
Coronavirus
Volltext
Corona ist nicht schuld. Masken runter, Büros und Beizen auf – ist das Gröbste jetzt überstanden? Bestimmt nicht ökonomisch. Denn nach der Coronakrise fängt die Wirtschaftskrise erst richtig an. In der Schweiz ist die Zahl der Erwerbslosen trotz Kurzarbeit im Vergleich zum Vorjahr um fast 54 Prozent gestiegen. Das ist massiv. Und sie trifft vor allem die Über-55jährigen. SGB-Chefökonom Daniel Lampart hat’s untersucht und ist erschrocken. Doch das ist erst der Beginn: Sämtliche Daten sagen eine grosse Konkurs- und Entlassungswelle für den frühen Herbst voraus. Auch in der Schweiz. Denn die Coronakrise kaschiert eine tiefere Krise des Finanzkapitalismus, die seit 2008 regelmässig zu neuen und immer schärferen Ausbrüchen führt. Das zeigt Work-Autor Oliver Fahrni in seinem Erklärstück. Corona verstärkt den Wahnsinn nur.
Schweinesystem. von Überstanden ist auch das Virus. Gerade noch plante Portugal, mit dem Lockruf „Quasi-Corona-freies-Ferienland“ den Tourismus wieder anzukurbeln. Doch jetzt breitet sich Covid-19 aus wie der Wind. In den Armenvierteln rund um die Hauptstadt Lissabon, dort, wo vor allem schwarze Einwanderer aus den Ex-Kolonien hausen. Kein fliessendes Wasser, kein Geld für Desinfek¬tionsmittel, Wellblechhütten. Jetzt ist auch Lissabon zum Hotspot geworden. (…).
Marie-Josée Kuhn.
Work online, 26.6.2020.
http://www.textverzeichnisse.ch/Portals/7/Kuhn%20Marie-Jos%C3%A9e/Kuhn%20Marie-Jos%C3%A9e.%20Coronavirus.%20Wirtschaft.%20Work%20online,%202020-06-26.pdf
26.06.2020 Schweiz
Personen
Wirtschaft
Work
Oliver Fahrni
Volltext
Wirtschaftskrise
Nach der Coronakrise ist erst vor der Krise: Wirtschaft hat keinen On-off-Schalter. Die Coronakrise ist nicht Corona geschuldet, deshalb wird sie länger dauern. Der Ausweg sind höhere Löhne, mehr Investitionen und Steuern für die Reichen. Masken runter, Grenzen und Beizen auf – ist das Gröbste jetzt überstanden? Zuallererst: Reden wir nicht über das Coronavirus, denn trotz Riesengetöse wissen wir immer noch zu wenig. Sicher hingegen wissen wir: Die Wirtschaftskrise hat gerade erst richtig begonnen. Der britische Ökonom Torsten Bell formuliert es so: „Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen wie eine Rakete, aber runter kommt sie wie eine Daunenfeder.“ In der Schweiz ist die Zahl der Erwerbslosen trotz Kurzarbeit im Vergleich zum Vorjahr um fast 54 Prozent gestiegen (Zahlen Mai). In den USA und in der EU sind inzwischen so viele Arbeitende um ihre existentielle Sicherheit gebracht worden, dass die Krise politischen Sprengstoff produziert. Doch das ist erst der Anfang: Sämtliche Daten sagen eine grosse Konkurs- und Enlassungswelle für den frühen Herbst voraus. Auch in der Schweiz. Alles wieder wie vorher? Nie war eine Krise im modernen Kapitalismus so abrupt, so weltumspannend und so brutal. In kürzester Zeit haben viele Millionen Menschen Job und Brot verloren, noch mehr sind in sämtlichen Ländern in die Armut abgestürzt. Und nie haben sich Regierungen mit solcher Heftigkeit und weltweit koordiniert gegen eine Krise gestemmt: Sie haben Rettungspakete von mehr als 17 Billionen Dollar (15’000 Milliarden Franken) aufgelegt. elt. (…).
Oliver Fahrni.
Work online, 26.6.2020.
Personen > Fahrni Oliver. Wirtschaftskrise. Work online, 2020-06-26.
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12.06.2020 Schweiz
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Corrado Pardini
Biografien
Demission
Volltext
Unia-Industriechef Corrado Pardini (54): Rücktritt aus der Geschäftsleitung. Unia-Mann Corrado Pardini tritt aus sämtlichen Gremien der Gewerkschaft zurück und übernimmt neu ein Verwaltungsratsmandat bei der Post. Er war die Nummer 8826 in der Berner Druckmaschinenfabrik Wifag: Maschinenschlosse-Stift Corrado Pardini. Sein Vater wollte, dass er eine technische Lehre mache: „Industrie hat Zukunft“, sagte er. Damals, zwischen 1981 und 1985, begann das mit der Industrie und auch das mit den Gewerkschaften. Schon in der Stifti wurde Pardini Mitglied des SMUV, einer Vorgängerin der Unia. Aktives Mitglied. Zu aktiv für den bhäbigen SMUV: Als Pardini schon während der Lehre in den Betriebsrat gewählt wurde, fand der Sekretär, das gehe nicht. Ein Stift unterstehe nicht dem Gesamtarbeitsvertrag. Doch Pardini machte weiter, nicht mit der Maschinenschlosserei, aber bei den Gewerkschaften. Work verriet er einst: „Ich habe den Beruf zwar geliebt. Aber ich wollte keine Nummer bleiben“. Für den Werkplatz Schweiz. Also wurde Pardini Profi-Gewerkschafter. Erst bei der Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI) und dann, nach ihrer Fusion zur Unia, dort Seit 12 Jahren (und noch bis Ende Juli) sitzt er nun schon in der Geschäftsleitung der Gewerkschaft. Als Chef des Sektors Industrie. Diesen prägte Pardini entscheidend. Immer wieder wehrte er sich für den Werkplatz Schweiz und gegen die zunehmende Dominanz des Finanzplatzes. So auch im Work-Interview im Juli 2012: „Die Schweiz darf nicht ausschliesslich auf den Finanz- und den  (…).
Marie-Josée Kuhn.
Work, 12.6.2020.
Personen > Kuhn Marie.Joseé. Corrado Pardini. Demission. Work, 2029-06-12.
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12.06.2020 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Patricia D Incau
Arbeitsmarkt
Coronavirus
Volltext
Frauen & Corona: Als erste entlassen, als letzte wieder eingestellt. Die Krise ist weiblich. Die Rezession, in die wir jetzt rutschen, ist eine „Sie-Rezession“. Denn sie trifft die Frauen zuerst und mehrfach. Die Frauen führten durch die Coronakrise und garantierten die Grundversorgung für alle: Die Verkäuferinnen, die die leergefegten Regale einräumten. Die Pflegerinnen, die mit immer weniger Schutzmasken immer länger durchhielten. Und als die Schulschliessungen kamen, waren es die Mütter, die neben ihrer bezahlten Arbeit den Grossteil des Heimunterrichts stemmten. Jetzt kommt die Rezession. Und es sind weltweit mehrheitlich Frauen, die ihre Jobs verlieren. „Zweitverdienerinnen“-Modell. Die US-Tageszeitung „New York Times“ nennt die aktuelle Wirtschaftslage eine „Shecession“, eine „Sie-Rezession“. Also eine Rezession, die vor allem die Frauen trifft. Und diese ist in den USA schon brutale Realität. Von den 36,5 Millionen Menschen, die innert nur zweier Monate ihre Stellen verloren haben, sind 55 Prozent Frauen. Gastroangestellte, Kosmetikerinnen, Verkäuferinnen – sogar Pflegerinnen und Ärztinnen. Denn: Diese Krise trifft zuerst und am härtesten die Dienstleistungsbranchen. Und dort arbeiten vor allem Frauen. Auch in der Schweiz. Rund zwei Drittel der Detailhandelsangestellten sind weiblich, im Gastgewerbe sind es 56 Prozent. Und auch wenn die Kurzarbeit den Entlassungs-Tsunami (noch) etwas eingedämmt hat, zeigen die Statistiken klar: Die Krise trifft auch hier die typischen „Frauenbranchen“ am stärksten – und die Arbeitenden finanziell hart. Denn: (…).  Patricia D‘Incau.
Work online, 12.6.2020.
Personen > D’Incau Patricia. Frauen- Coronavirus. Work online, 2020-06-12.
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12.06.2020 USA
Personen
Rassismus
Work
Marie-Josée Kuhn
Rassismus
Volltext
Am Anfang ist immer Trump. Als der Mauerbauer, Sexprahler und Brandstifter, dieses ungesteuerte Geschoss, im Januar 2017 abging, marschierten in den Strassen von Washington bereits Zehntausende Frauen gegen ihn. Weil er das Rad zurückdrehen will. Auch jetzt wieder benützen er und seine Republikaner die Coronakrise, um das Recht auf Abtreibung in 11 Bundesstaaten einzuschränken. Weil Abtreibungen „nichtessentielle medizinische Eingriffe“ seien. Im Wissen, dass es für die Frauen später zu spät sein würde. Der Coronavirus hat die Ungleichheit zwischen Frau und Mann nicht nur in den USA vergrössert. Wie das Work-Dossier zeigt (Seiten 10 -11). Ist im November endlich Ende Trump? Amerika brennt. Pussyhat-Power, #MeToo-Bewegung und Frauenstreiks: Aus den Anti-Trump-Protesten wurde eine neue Frauenbewegung. Weltweit. Sie brachte am 14. Juni 2019 auch die Schweiz zum Beben. Jetzt, ein Jahr nach dem Frauenstreik, schaut Work zurück und nach vorne. Und lässt auch die Berner Slam-Poetin Sandra Künzi nochmals hart und heftig rocken (Seite 20). Mit ihrer Kolumne „Künzi streikt“ stimmte sie im Work ab Januar 2019 auf den Tag der Tage ein. Und wieder stehen die USA in Flammen: im lichterlohen Floyd-Protest. Der weisse Cop Derek Chauvin drückte dem gefesselten Schwarzen George Floyd sein Knie so lange gegen den Hals, bis er erstickte. Es geschah am helllichten Tag. Cornel West, einer der führenden afroamerikanischen Intellektuellen, nennt den Mord an Floyd einen „Lynchmord“. Er zieht eine direkte (…).
Marie-Josée Kuhn.
Work online, 12.6.2020.
Personen > Kughn Marie-Josée. USA. Rassismus. Work online, 2020-06-12.
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12.06.2020 Schweiz
Personen
Work
Sandra Künzi
Frauenstreik
Volltext
Im Dunkeln. Schagge, der Corona ist ein Zeichen. Jetzt müsst ihr streiken!» Moll sicher, grad als alle Schiss hatten vor der ersten Welle, dann ein Streik. Weisch wie? Schagge schafft in der Pflege, und 90 Prozent aller Pflegenden sind Frauen. Aber ebe. Fraue sind eifach zu nett. Die nützen eine ¬gesellschaftliche Notlage nicht aus, sondern machen brav ihre schlechtbezahlte Arbeit. Klar ich würd auch niemanden ersticken lassen, nur für -fairere Löhne, gerechte Arbeitsbedingungen und so … wobei …Im Corona-Krisenstab, hat’s genau zwei Frauen auf zwölf Männer. Dabei ist es doch eine systemrelevante Krise. Weil systemrelevant sind ja all die unterbezahlten Frauenberufe. Da frag ich mich schon, was der alte weisse Eidgenoss überlegt? Stab = Stäbe, oder was? Gleichstellungs-Gstabis dünkt mi. Ja klar, seit dem Streik sind historische 42 Prozent Frauen im Schweizer Parlament! Aber im Kanton Uri, nume Bischpil, hat’s keine Frau in der Regierung und nur 25 Prozent Frauen im Parlament. Von einem Kanton, der ernsthaft noch eine Busstation namens „Mohrenkopf“ führt (Erstfeld), kann man natürli nicht erwarten, dass er Frauen in der Regierung hat. Weisch, was ich denke? Die wollen einfach nicht. Drum bin i voll für Quote. Moll sicher. Saftiger Streik. Es isch wie bi dem Witz, wo einer was im Dunkeln verliert, aber unter der Laterne sucht, weil er dort mehr sieht. Quote heisst: Du darfst ab jetzt nur noch dort suchen, wo du es verloren hast. Ja, d  (…).
Sandra Künzi.
Work pnline, 12.6.2020.
Personen > Kuenzi Sandra. Frauenstreik. Work online, 2020-06-12.
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05.06.2020 Italien
Faschismus
Work

Antifaschismus
Volltext
Sieg und mässige Veränderungen. Redaktion. Nach zwanzig Jahren faschistischer Diktatur In Italien und dem KriegseintrItt an der Seite Nazideutschlands kämpften von 1943 bis 45 viele Frauen* und Männer* als Partlsanlnnen gegen die Besatzungstruppen und Italienische FaschistIrinnen. Es ist ein aufopferungsvoller und verlustreicher Kampf mit der Hoffnung auf eine grundlegend veränderte Gesellschaft. Vor 75 Jahren, im Frühjahr 1945, geht der Kampf in seine letzte und entscheidende. Phase. Nach der Winterkrise nimmt die bewaffnete Resistenza den Kampf wieder auf. Dabei kann sie sich auf massive Hilfe verlassen: In nur drei· Monaten liefern alliierte Fallschirmabwürfe mehr leichte Waffen, Sprengstoff, Militärkleidung und Geld als in den gesamten 15 Monaten davor. Das Guerillahandwerk erlernt man nicht in wenigen Wochen, aber tagtäglich wachsen Ausstattungsgrad, Mitgliederzahl und Erfahrung der Einheiten. Bis April erlangen die Formationen die Stärke vom vorherigen Sommer zurück, sind aber viel besser gerüstet. Das seit jeher erstrebte Ziel ist ein allgemeiner Aufstand, zu oft schon für greifbar gehalten und dann doch wieder in die Ferne gerückt. Nun steht er endlich vor der Tür, der Krieg neigt sich wirklich dem Ende zu. Die Deutschen wissen das. Heimlich führen sie Kapitulationsverhandlungen, ohne ihre faschistischen Komplizen einzubeziehen. Die zusammengewürfelten, durch opportunistische Desertionen dezimierten Truppen der RSI CRepubblica Sociale Italiana, oft auch Republik von Salo genannt) wissen ebenfalls, dass die (…).

Vorwärts, 5.6.2020.
Vorwärts > Italien. Antifaschismus. Vorwaerts, 2020-06-05.
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29.05.2020 Schweiz
Frauen
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Coronavirus
Frauen
Volltext
Machen Frauen es besser? Führen Frauen in der Corona-Krise besser als Männer? Weil sie umsichtiger regieren? Und so sozialisiert sind, dass sie „ökonomisch, medizinisch und sozial vorausschauender“ sind als Männer? Das fragte kürzlich die britische Tageszeitung „The Guardian“. Und verglich die Zahl der Corona-Toten in verschiedenen Ländern. Und tatsächlich: In den vor¬bildlichsten Ländern mit bisher wenig Corona-Opfern regieren durchs Band Regierungs¬chefinnen. Allen voran Jacinda Ardern, die Premierministerin von Neuseeland. Sie reagierte früh und entschieden auf den Virus. Und wandte sich dann regelmässig mit „Bleiben Sie zu Hause und retten Sie Leben!“-Videobotschaften vom heimischen Sofa aus via Facebook an die Nation. Mahnte zu Vor- und Rücksicht und zur Solidarität. Sie hat sich damit viele Fans geschaffen. Aber auch Dänemark, Island, Taiwan, Norwegen und Finnland sind von Frauen regiert und schneiden bei der Corona-Bewältigung gut ab. Junge Frauen regieren die Länder mit den wenigsten Corona-Toten. America first. Anders die USA und Brasilien. Sie werden von Macho-Grossmäulern und Corona-Lügnern angeführt. Donald Trumps «America first» bewahrheitet sich jetzt ausgerechnet bei den Corona-Todesfällen. Die USA sind tragische Weltspitze, dicht vor Jair Bolsonaros Brasilien. Im grössten lateinamerikanischen Land verbreitet sich inzwischen nicht nur der Virus hemmungslos, sondern auch der Hunger. Wie die work-Reportage aus der grössten Stadt, São Paulo, eindrücklich zeigt. (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 29.5.2020.
Personen > Kugn Marie-Josée. Frauen. Coronavirus. Work online, 2020-05-29.
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29.05.2020 Nyon
Personen
Unia VD Kanton
Weight Watchers SA
Work
Ralph Hug
Konsultationsverfahren
Volltext
Weight Watchers SA
Nyon VD: Massenentlassung bei US-Diät-Konzern. Weight Watchers speckt ab – ohne Sozialplan. Das Abnehm-Unternehmen Weight Watchers steckt in der Krise. In der Schweiz sind 110 Jobs in Gefahr. Die Hiobsbotschaft kam vor drei Wochen an einer Videokonferenz. Der Schweizer Sitz von WW International – so heisst Weight Watchers heute – in Nyon VD gab eine massive Restrukturierung bekannt. 110 der insgesamt 174 Mitarbeitenden sollen den Job verlieren. Als Grund nannte der Konzern den Geschäftseinbruch wegen der Corona-Pandemie. Doch das scheint eher vorgeschoben. Es ist seit längerem bekannt, dass das US-Unternehmen mit 1,4 Milliarden Dollar Umsatz und 8200 Beschäftigten in dreissig Ländern in der Krise steckt. Müssen jetzt die Mitarbeitenden für ein jahrelanges Missmanagement bezahlen? Es trifft vor allem Frauen über 50, die Teilzeit als „Coach“ arbeiten. Oprah soll^s richten
Zu lange hatte sich das Unternehmen auf den Erfolgen von gestern ausgeruht. Es verlor immer mehr Kundinnen und Kunden, dies trotz verbrei¬teter Fettleibigkeit. Ein überholtes Image vom Abnehmen durch Diäten sowie die neue Konkurrenz im Internet durch Apps mit zeitgemässen Programmen zur Gewichtsreduktion liessen Weight Watchers zunehmend alt aussehen. Die Versäumnisse verbauten ihm den Zugang zum jüngeren Publikum. Coop schmiss die Weight-Watchers-Produkte bereits 2016n. (…).
Ralph Hug.
Work online, 29.5.2020.
Personen > Hug Ralph. Wight Watchers. Entlassungen. Work online, 2020-05-29.
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29.05.2020 Schweiz
Personen
Post
Work
Katrin Bärtschi
Post
Volltext
Die Briefträgerin und der Motor. Die neue Strategie der Post ist eine „Wachstumsstrategie“, in welcher der Service public gebührend berücksichtigt werden soll. Habe doch grad die Corona-Krise gezeigt, wie wichtig die Rolle der Post als Grundversorgerin sei und wie gut sie diesen Auftrag erfülle. Sagte der CEO an einer Online-Veranstaltung, zu der die Mitarbeitenden am Vorabend der Pressekonferenz eingeladen waren. Zwei Stunden „Live-Arena“, die auf Vertrauensbasis als Arbeitszeit angerechnet wurden. Auch das ist neu. Bisher musste das Zustellpersonal bei obligatorischen „Strategieanlässen“ meist die halbe Zeit als Freizeit drangeben. Die Briefträgerin loggte sich ein und erhielt Zugang zum Live-Stream. Zusammen mit zuletzt scheint’s siebentausend ¬anderen Mitarbeitenden, von denen viele sich mit Fragen und Bemerkungen aktiv beteiligten. Die ganze Konzernleitung war da, mehr oder weniger gemäss Corona-Abstand aufgereiht. Der Personalchefin, dem einzigen weiblichen Konzernleitungsmitglied, war als Geschlechtsgenossin die Leiterin des Funk¬tionsbereichs „Entwicklung und Innovation“ beigesellt. Nur der Konzernleiter trug Krawatte.
Die Folien sind in der Firmenfarbe eines Motorenölunternehmens gehalten. MIit System. Die Vision „Wir sind der Motor für eine moderne Schweiz“ löst die Parole „Einfach mit System“ ab. Lustig, dachte die Briefträgerin, dass die den Live-Gesprächen beigefügten Präsentationsfolien in der Firmenfarbe eines Motorenölunternehmens gehalten sind („Motorex – Oil of Switzerland“). (…). Katrin Bärtschi.
Work online, 29.5.2020.
Personen > Baertschi Katrin. Post. Work online, 2020-05-29.
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29.05.2020 Brasilien
Work

Coronavirus
Volltext
Brasilien hat hinter den USA am zweitmeisten Covid-Kranke. „Viele Menschen haben noch nicht mal Seife“
Der Corona-Virus breitet sich in Brasilien rasant aus. Doch für Präsident Jair Bolsonaro ist es noch immer eine „kleine Grippe“. Deshalb helfen sich die Leute in den Armenvierteln von São Paulo jetzt selbst.
Auch eine Tafel Schokolade sei eingepackt, sagt Andreia Barbosa und lacht. „Um das Leben in dieser schweren Zeit ein bisschen zu versüssen.“ Barbosa (36) glattgeföhnte Haare, zupackende Art, steht in einem Raum voller Kisten, irgendwo am Stadtrand von São Paulo, Brasilien. Und sagt: „Die Auswirkungen des Coronavirus sind in den Randgebieten dramatisch. Deshalb helfen wir.“ Barbosa ist Koordinatorin der Wohnungslosenbewegung MTST. Eigentlich kämpft die Bewegung mit Besetzungen gegen die massive Wohnungsnot in der Megametropole, in der 20 Millionen Menschen leben. Doch in der Corona-Krise hilft sie den Armen mit Essensspenden. „Komm, jetzt fahren wir los“, sagt Barbosa, schnappt sich eine Kiste und schleppt sie zu einem Auto. „Was wir machen, ist eine solidarische Revolution“, sagt sie, während der Wagen durch ein Labyrinth aus roten Backsteinhäusern düst. Nach nur wenigen Minuten kommt das Auto zum Stehen. Barbosa stapft eine enge Gasse hoch, bleibt vor einem schrägen Haus mit unverputzten Wänden stehen und klopft an die Holztür. Eine Frau mit türkisem T-Shirt macht die Tür auf. Aus dem Innern des kleinen Hauses dröhnt der Fernseher, Kinder toben durch das dunkle Wohnzimmer. Barbosa (…). 
Work online, 29.5.2020.
Work > Brasilien. Coromavirus. Work online, 2020-05-29.
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28.05.2020 Schweiz
Personen
Work
Clemens Studer
Coronavirus
Volltext
Lockerung der Corona-Massnahmen: Ab in die Badis, Zoos und Nachtclubs. Für Lohnabhängige bleibt's hart
Der Bundesrat hat massive - Lockerungen der Corona-Massnahmen beschlossen und beendet am 19. Juni die „ausserordentliche Lage“. Was heisst das konkret? Bisher steuerte der Bundesrat das Land durch die Corona-Krise. Gesundheitspolitisch und wirtschaftspolitisch. Möglich machten das die Kompetenzen, die er dank der „ausserordentlichen Lag“» hatte. Ab dem 19.Juni liegt wieder mehr Verantwortung beim Parlament. Und das hat gerade wirtschaftspolitisch einiges zu tun. Denn die wirtschaftlichen Folgen der Krise sind gerade für Klein- und Mittelverdienende dramatisch. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund hat deshalb eine ausführliche Analyse der Lage gemacht und die sich aus Sicht der Lohnabhängigen ergebenden Forderungen formuliert (nachzulesen hier: rebrand.lyj sgb-analyse): Zentral sind zum Beispiel die Ausbezahlungen von 100 Prozent Kurzarbeitsentschädigung. Die Verlängerung der Kurzarbeit auf 18 Monate. Der Verzicht auf staatliche Sparmassnahmen. Keine höhere Belastung der Normalverdienenden. Ab dem 2.Juni trifft sich das Parlament zur Sommersession. Dort wird sich rasch zeigen, wer die Interessen der Mehrheit vertritt. Die wichtigsten Eckpunkte der bundesrätlichen Lockerungen: (…).

Clemens Studer.
Work online, 28.5.2020.
Personen > Studer Clemens. Coronavirus. Ende. Work online, 2020-05-28.
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15.05.2020 Schweiz
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Coronavirus
Volltext
Corona-Hirn. Kaum hatte der Bundesrat grünes Licht für die Coiffeursalons gegeben, setzte er sich auch schon in mein Ohr: „Bim Coiffeur bini gsässe vor em Spiegel – luege dry!“ Ja, der Mani Matter. „Und gseh dert drinn e Spiegel wo ar Wand isch vis-à-vis.“ Und kaum gab der Bundesrat grünes Licht für die Wiederöffnung der Beizen, näselte er los im andern Ohr, der Peter Bichsel. „Das isch nümme mini Beiz!“ jammerte er. Logisch nicht, mit all diesen Corona-Massnahmen: mit diesen Stellwändchen, den maskierten Kellnern, all diesem Abstand und der Desinfiziererei. Bichsel sagt jetzt, mit den Hygienevorschriften verlören die Beizen sogar ihre Seele. Und schon buttert mir Jim Morrison seinen Alabama-Song ins Ohr: „Show me the way / to the next whiskey bar / oh, don’t ask why / oh, don’t ask why!“ Irgendwie schräg, aber wahr: Seit Corona führt sich mein Hirn auf wie eine Jukebox. Sorry, das ist jetzt kein Edito wie sonst. Ohrwürmer. Eine Assoziation genügt: und schon lassen sie es jazzen. Ay! Corona! (statt Ay! caramba!) Corona-Paloma. Paloma Ade! Und schon spielt mein rechtes Ohr aus der tiefsten Kindheit auf. Mireille Mathieu mit dem Bubikopf: „La Paloma, ade / wie die wogende See / so ist das Leben ein Kommen und Gehen / und wer kann es je verstehen?“ Ja, wer kann das bloss verstehen? Ich, ehrlich gesagt, grad nicht. Gerade in diesen Corona-Zeiten nicht. Wo die Zukunft ein unbekannter Planet. Und das Hier und Jetzt nur so über uns hereinrollt. Rockt und rollt. Und NeinNeinNein, Ohren! ich will kein „Rock (…).  Marie-Josée Kuhn.
Work online, 15.5.2020.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Coronavirus. Beizen. Work online, 2020-05-15. 
Ganzer Text
15.05.2020 Schweiz
Personen
Work
Jonas Komposch
Coronaleugner
Demonstrationen Bern
Volltext
Rechtsextreme schielen auf „Corona-Demos“. Versuchslabor für Neonazis. Sie seien unpolitisch, sagen die Anti-Lockdown-Demonstrierenden und irren schwer. Denn Rechts und Ganzrechts beklatscht sie schon längst. Die „Corona-Rebellen“ glauben, sie kämpften gegen „den Mainstream“, „die Eliten“ und „das System“. Tatsächlich kommt ihre Forderung nach einer totalen Lockdown¬Aufhebung vielen Mächtigen gerade recht. Die Stossrichtung der Corona-Demos deckt sich mit der Haltung der dominierenden Rechtsparteien SVP und FDP. Denn das, was die Protestierenden jetzt lauthals fordern, hätten die beiden Parteien am liebsten schon vor Wochen gehabt: die Aufhebung der wirksamsten Schutzmassnahmen - Gesundheit hin oder her. Hauptsache die Dividenden fliessen. Doch all das wollen oder können die Teilnehmenden der Mahnwachen nicht begreifen. Sie behaupten, mit Politik nichts am Hut zu haben und weder links noch rechts zu sein. Und genau diese Beliebigkeit nutzen Leute aus, die durchaus politische Ambitionen haben: Rechtsradikale. Hitlergrus. Einer von ihnen ist der St. Galler Videoblogger Ignaz Bearth (36), einst Funktionär der Schweizer Neonazi-Partei PNOS. Er streamte am Samstag live vom Berner Bundesplatz und war ganz aus dem Häuschen. Denn er sah in den paar Hundert Versammelten den Anfang einer grossen Volksbewegung. Und zwar gerade deshalb, weil die Leute aus so verschiedenen Milieus stammten und sogar Rechtsextreme tolerierten. So berichtete die „Berner Zeitung“ von einem Mann, der vor dem Bundeshaus ungestört den Arm zum Hitlergruss erheben konnte. Bearth war daher euphorisch und (…). Jonas Komposch.
Work online,15.5.2020.
Personen > Komposch Jonas. Coronaleugner. Demonstration. Work online, 2020-05-15.
Ganzer Text
15.05.2020 Schweiz
Personen
Work
Jonas Komposch
Coronaleugner
Demonstrationen Bern
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„Corona-Rehellion“: Aluhüte aller Glaubensrichtungen vereinigen sich. Aufstand der Eingeschworenen. Der Lockdown ist keiner mehr. Doch ausgerechnet jetzt wittern Corona-Leugner und Verschwörungsgläubige Morgenluft. Und machen erneut moil. Zirkus und Spektakel sind nichts Ungewohntes auf dem Zürcher Sechseläutenplatz. Doch seit Anfang Mai spielen sich dort immer skurrilere Szenen ab. Zuletzt am vergangenen Samstag anlässlich der zweiten „Mahnwache“ gegen den Lockdown und die angebliche „Corona-Hysterie“: Junge Hippies mit Rastafrisuren pusten Seifenblasen in die Luft und singen Kumbaya. Kurlige Käuze hüpfen mit radikalen Christen und bekannten Esoterikerinnen händchenhaltend den Ringeltanz. Daneben ein wutbürgerlicher Rentner mit Schweizerfahne in angeregter Diskussion mit einer Frau, die sich ganz in weisses Tuch gehüllt hat und Blumen verteilt. Flyer streut dagegen ein Mittfünfziger, der extra aus dem Appenzellischen angereist ist. Seine Botschaft: Die Mobilfunktechnologie 5G sei schuld am Coronavirus. Konkurrenz hat er von Anhängeinnen der sogenannten Bill-Gates-Verschwörung. Sie besagt, der Microsoft-Gründer wolle mit Covid-19 die Weltbevölkerung dezimieren. Auch eine Vielzahl von langjährigen Impfgegnern weibelt um die Wette. Auf einem ihrer Kartonschilder steht: „Impfen macht frei“. In Anlehnung an „Arbeit macht frei“, der Torbogenaufschrift der Nazi-Konzentrationslager. Daran stösst sich hier niemand. Erst recht nicht jene Gruppe, die stumm und kreisförmig am Boden . (…). Jonas Komposch.
Work online, 15.5.2020.
Personen > Komposch Jonas. Coronaleugner-Demo. Work online, 2020-05-15.
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15.05.2020 EU
Schweiz
Initiativen Schweiz
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Andreas Rieger
Konzernverantwortungs-Initiative
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Konzernverantwortung: Stolpert Keller-Sutter? In der EU geht es mit der Regelung der internationalen Konzernverantwortung vorwärts. Also mit der Haftung von international tätigen Firmen, wenn sie Menschenrechtsverletzungen begehen oder verbindliche Umweltstandards missachten. Didier Reynders, ¬Justizminister der EU-Kommission, sagt: „Wir müssen jetzt handeln!“ Es brauche verbindliche Anforderungen für die Konzerne. Eine Studie über die bisherige Realität der Konzernverantwortung in den EU-Staaten hat gezeigt, dass unverbindliche Regeln und blosse Berichterstattung nichts bringen. Deshalb sagt Reynders: „Eine Regulierung ohne Sanktionen ist keine Regulierung.“ Wird die EU die Schweiz schon bald überholen? Französisches Modell? In Frankreich gibt es bereits seit zwei Jahren die bisher umfassendste Regulierung der internationalen Konzernverantwortung. Französische Unternehmer beklagen sich nun, sie würden härter angefasst als ihre Konkurrenten. Deshalb macht Frankreich zusammen mit anderen Ländern Druck für eine verschärfte EU-Regelung. Und Reynders will jetzt beim französischen Modell anknüpfen. Noch in diesem Jahr schickt er -einen Gesetzesentwurf in die Vernehmlassung, im nächsten Jahr sind Beratung und Verabschiedung in den EU-Institutionen vorgesehen. Das ist ein Meilenstein. Einer, über den absehbar Bundesrätin Karin Keller-Sutter stolpern wird. (…).
Andreas Rieger.
Work online, 15.5.2020.
Personen > Rieger Andreas. EU. Konzernverantwortungs-Initiative. Work, 2020-05-2215.
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15.05.2020 Schweiz
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Work
Jean Ziegler
Coronavirus
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Die Welt danach. Montag, 23. März: Der elegante Privatbankier Emmanuel Macron, seit dem Mai 2017 Präsident der Französischen Republik, hält am Fernsehen eine überraschende Rede: „Wir sind im Krieg!“ Macron wiederholt den Satz fünf Mal in zwanzig Minuten. Der Krieg gegen das mörderische Coronavirus in Europa und auf der ganzen Welt ist längst nicht gewonnen. Nehmen wir Frankreich. Jeden Abend geben die Sprecherinnen und Sprecher der Tagesschau die Opferzahlen durch. Bisher starben schon mehr als 25’000 Menschen (Stand: 13. Mai). Neoliberale Gesundheitspolitik. Die schleichende Privatisierung der öffentlichen Gesundheitsfürsorge und die neoliberale Sparpolitik sind in den meisten Staaten ¬verantwortlich für das Massaker. Im letzten Jahr streikten in Frankreich während fünf Wochen die Ärztinnen und Ärzte, die Krankenschwestern und Logistikangestellten der Intensivstationen in den Spitälern gegen ihre völlig ungenügenden Saläre. Ein diplomierter Pfleger in Paris verdient ‚1400 Euro im Monat, Assistenzärztinnen kaum viel mehr. Damit kann im urbanen Milieu niemand vernünftig überleben. Aber Macron verweigerte jegliche Lohnerhöhung. Die neoliberale Gesundheitspolitik produzierte schlimme Folgen: Massenweise fehlen Betten und Apparate zur künstlichen Beatmung in den Intensivstationen. (Deutschland, Belgien, Luxemburg und die Schweiz nahmen glück¬licherweise schwerkranke französische Corona-Patienten auf.) Lebenssichernde Medikamente mussten erst aus Indien  (…). Jean Ziegler.
Work online, 15.5.2020.
Personen > Ziegler Jean. Coronavirus. Work online, 2020-05-15.
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15.05.2020 Schweiz
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Post
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Katrin Bärtschi
Coronavirus
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Die Briefträgerin & die Risikoprämie. Am Anfang war die Petition vom 25. März, von der Gewerkschaft Syndicom lanciert und „von Tausenden von euch“ unterzeichnet: „Alle, die an der Front arbeiten, sollen eine Corona- Risikoprämie erhalten.“ Es folgten zwei Informationsschreiben. In einem teilte die Gewerkschaft freudig mit: „Euer Engagement hat sich gelohnt. All jene, die in der Zustellung, der Sortierung oder am Schalter gearbeitet haben, erhalten einen Bonus von 500 Franken respektive 250 bei einem Beschäftigungsgrad von weniger als 50 Prozent. Syndicom hat diese Prämie für alle Postangestellten gefordert (…). Die monetäre Entschädigung ist in dieser Zeit ein Zeichen.“„Der Presto-Kollege erhält keine Prämie.“Vergessen. Im Brief von der Post vom 20. April – im vertraulichen Du gehalten – wird die Gewerkschaft mit keinem Wort erwähnt. Die Post erscheint als Urheberin der Wohltat, und so wird es auch vom Teamchef kommuniziert. Als die Briefträgerin spöttisch nachfragt, gibt er aber ohne Zögern zu: „Ja, die Gewerkschaft steckt dahinter.“ So als wäre diese Nebensächlichkeit kaum der Rede wert. Die Post und die Gewerkschaft … „Man merkt dem Postsektor von Syndicom halt an, dass er früher ein Personalverband gewesen ist“, bemerkte einmal eine kämpferische Gewerkschafterin. Während Thomas Baur, Konzernleitungsmitglied, vor ein paar Jahren froh in der Personalzeitung verkündete, einer seiner grössten Erfolge als ehemaliger Leiter PostMail sei gewesen, dass heute nicht mehr für jede Entscheidung die Gewerkschaft konsultiert werden müsse. Das Vertrauen der Belegschaft in(…). Katrin Bärtschi.
Work online, 15.5.2020.
Personen > Baertschi Katrin. Coronavirus. Praemie. Work online, 2020-05-15.
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30.04.2020 Schweiz
USA
Personen
Work
Marie-Josée Kuhn
Coronavirus
Präsident
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Klassenunterschiede. Jetzt haben wir weltweit wieder zwei Corona-Spezialisten mehr. Der eine ist Herr Doktor Donald Trump, der von sich sagt, er habe eine Begabung für medizinisches Wissen. Und der es „interessant“ fände, wenn man Menschen direkt Des¬infektionsmittel spritzen würde gegen Corona. Und der andere ist eine Spezialistin: Frau Doktor Magdalena Martullo-Blocher. Die sich selber zur maskierten Expertin kürt, wegen „ihrer Erfahrungen und Kontakte“. Und jetzt den sofortigen Exit aus dem Lockdown fordert. Weil: Jeder Todesfall sei zwar „tragisch“, aber nicht wirklich zu vermeiden. Trump & Martullo: zwei Führungspersönlichkeiten, die über Leichen gehen. Grotesk und toxisch zugleich. „Seuchensozialismus“. Corona hat die Blocher-Partei auf dem linken Fuss erwischt. Ganze drei Wochen lang blieb sie stumm. Jetzt kommt sie aus der Versenkung raus und dreht im Roten. Ein typischer Fall von „Hurrlibueb“-Politik, weist Work nach. Die SVP schiesst scharf gegen den Bundesrat und seine Corona-Politik. Behauptet, die Corona-Krise sei ausgeblieben. Behauptet, der Lockdown habe die Wirtschaft zugrunde gerichtet. Und fordert: „Stopp Lockdown jetzt!“. Work hat die SVP-Behauptungen an der Realität gemessen. Punkt für Punkt. Und kommt zum Schluss: Was die Partei wirklich will, ist weniger Sozialstaat in der Krise. Oder wie es der hartrechte NZZ-Chefredaktor Eric Gujer auszu¬drücken pflegt: weniger „Seuchensozialismus“. Und damit mehr Arbeitslose, mehr Konkurse und mehr Tote. Mehr von dem, was in der Corona-Krise gerade kläglich versagt: der Markt. Work-Autor Ralph Hug zeigt das Versagen des Kapitalismus e? (…). Marie-Josée Kuhn.
Work online, 30.4.2020.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Donald Trump. Work online, 2020-04-30.
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30.04.2020 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Briefträgerin
Coronavirus
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Die Briefträgerin & das Flattern. Manche Arbeitstage fangen ganz passabel an. Der erste Tag nach den langen Ferien war so einer, das frühe Aufstehen war gar nicht schlimm. Und dann durch den kahlen Bahnhof, auf den Zug und beim Betreten des „Stollens“ ein fast heimatliches Gefühl. Nicht besonders viel Post, dabei dafür aussergewöhnlich viele persönliche Briefe und die Coop- und Migros-Zeitungen gleichzeitig. Die Zeitungen waren nicht dick, sie enthielten keine Werbeeinlagen, was einen Vor- und einen Nachteil hatte: Angenehm war, dass die Bünde nicht allzu schwer wurden. Eher unangenehm, dass die Zeitungen in der Hand schlampten, sie zeitvorgabegerecht durch die Schlitze zu befördern erforderte Geschick und Übung. Netto &brutto. An jenem Morgen waren auch eine Netto- und eine Bruttowerbung an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Nettowerbung ist kommerzielle Werbung, die nur in Kästen ohne Stopkleber versenkt wird. Die Bruttowerbung geht an alle Haushaltungen, sie stammt von gemeinnützigen oder politischen Organisationen. Auch die Bruttowerbung bestand an jenem Dienstag aus einer dünnen Zeitung. Die Briefträgerin eilte wie üblich durch die Gegend. Eine kalte, böige Bise blätterte in den Zeitungen. Und liess sie in den Händen flattern, was das Einwerfen zusätzlich erschwerte. So verging die Zeit. Corona war kaum ein Thema. Die Strassen waren leerer als sonst, die Briefträgerin unterschrieb selber für die Empfängerinnen und Empfänger der eingeschriebenen Post. Das war’s. Auf dem Weg zurück in die Basis kaufte sie ein Sandwich, weil die Kantine geschlossen war. (…). Katrin Bärtschi.
Work online, 30.4.2020.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. Coronavirus. Work online, 2020-04-30.
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30.04.2020 Nigeria
Personen
Work
Jean Ziegler
Coronavirus
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Die Katastrophe in Afrika. Abba Kyari war ein temperamentvoller, beleibter, nicht unsympathischer Mann aus dem islamischen Norden von Nigeria. Er gehörte zum Volk der Fulani. Der 67jährige war einer der einflussreichsten Männer des Landes. Sein Freund Muhammadu Buhari ist Staatspräsident in Abuja. Er machte Kyari zu seinem Kabinettschef. An einem schönen Märzmorgen flog Kyari ¬im Präsidentenflugzeug nach London. Er wollte sich dort in einer Privatklinik auf den Coronavirus testen lassen. Doch die britischen Behörden verweigerten dem Präsidentenflugzeug das Landerecht. Unterstützt ¬von Buhari, provozierte Kyari einen wüsten diplomatischen Konflikt. Als die britische Presse seine sündhaft teure private Gesundheitsfürsorge kritisierte, antwortete er: Er sei nach London geflogen, um das überlastete nigerianische Gesundheitssystem nicht noch mehr zu belasten. Nach der Rückkehr in sein Land wurde die Corona-Infektion bei ihm festgestellt. Er starb am 17. April. Anstatt sich um das zerrüttete Gesundheitssystem im eigenen Land zu kümmern, lassen sich afrikanische Potentaten in Europa pflegen. Gesundheitstourismus. Der Konflikt um das Landerecht der Maschine Kyaris ist exemplarisch: Anstatt sich um das völlig zerrüttete Gesundheitssystem im eigenen Land zu kümmern, lassen sich afrikanische Potentaten in Europa oder in den Vereinigten Staaten pflegen. Auch Schweizer Spitäler profitieren glänzend von diesen Touristinnen und Touristen. (…).
Jean Ziegler.
Work online, 30.4.2020.
Personen > Ziegler Jean. Coronavirus. Nigeria. Work online, 2020-04-30.
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30.04.2020 Domat/Ems
Ems-Chemie
Personen
Work
Ralph Hug
Coronavirus
Ems-Chemie
Entlassungen
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Ems-Chemie: Chefin Martullo-Blocher will partout keine Kurzarbeit. Entlassungen und Dividenden. Bei Martullo-Blochers Ems-Chemie gibt’s keine Kurzarbeit. Dafür Entlassungen für die Angestellten und Dividenden für die Aktionäre. Die Corona-Krise bremst auch die Ems-Chemie AG. Der Umsatz des Unternehmens ist seit Jahresbeginn um 18 Prozent eingebrochen, es winkt weniger Gewinn. Autoritär steuert Martullo den Laden durch die Krise. Oberstes Prinzip: teure Arbeitsausfälle durch Corona-Kranke verhindern. Bereits im März liess sie in der Werkskantine rote Linien markieren, verordnete Schutzmasken und zwang die Mitarbeitenden, bei Ferienanträgen auch das Land anzugeben, wo sie den Urlaub verbringen. Das ist Rabiat. Um jeden Preis will Martullo Anträge für Kurzarbeit vermeiden. Stattdessen müssen Jahresarbeitszeitmodelle zur Bewältigung der Flaute herhalten. Und Entlassungen. So liess Martullo langjährige und ältere Mitarbeitende in der Ems-Tochter Eftec in Romanshorn auf die Strasse setzen. Dies enthüllte die WOZ. Ein Betroffener war in Thailand in den Ferien gewesen und hätte bei der Rückkehr für zwei Wochen in Quarantäne gehen müssen. Diese wären ihm als Minusstunden angerechnet worden. Doch noch während der Quarantäne wurde er per sofort freigestellt. Aus „wirtschaftlichen Gründen“ Anscheinend mussten in Ems auch Temporäre gehen. (…).
Ralph Hug.
Work online, 30.4.2020.
Personen > Hug Ralph. Ems-Chemie AG. Coronavirus. Work online, 30. April 2020.
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