Gewerkschaftschronik
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Anzahl gefundene Artikel: 423

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15.03.2019 Kleindöttingen
Pensionskasse
Personen
Stiftung Phoenix
Work
Ralph Hug
Konkurs
Stiftung Phoenix
Volltext
Die Aargauer Sammelstiftung Phoenix steht am Abgrund. Im Aargau platzt ein Pensionskassen-Skandal: Die Renten sind in Gefahr. Die Pensionskasse Phoenix aus Kleindöttingen AG steht vor dem Aus. Betroffen sind Arbeitnehmende aus der Industrie, aber auch aus dem Taxigewerbe. Die Sammelstiftung wurde 2012 vom Geschäftsmann Serge Aerne gegründet. Dabei scharte er Leute aus der Treuhandszene um sich. Mit Hilfe von Brokern und flotter Werbung akquirierte die Stiftung Firmen mit über dreitausend Versicherten. Im Prospekt heisst es: „Phoenix bringt Schwung in die berufliche Vorsorge.“ Aerne & Co. versprachen „angepasste Anlagestrategien“ sowie ein Vollversicherungsmodell „mit hundertprozentiger Zins- und Kapitalgarantie“. Doch schon im ersten Jahr gab es fragwürdige Geschäfte. Die Stiftung kaufte eine Liegenschaft im sanktgallischen Toggenburg von einer Firma, an der der Phoenix-Gründer selber beteiligt war. Das ist zwar nicht verboten. Aber bald musste der Immobilienwert nach unten korrigiert werden. Dasselbe geschah bei weiteren Immobiliendeals in Salez SG und Menziken AG. Phoenix hat eine Witwenrente um mehr als die Hälfte gestrichen. Krumme Geschäfte. Es folgten Verträge mit Beratungs- und Verwaltungsfirmen, an denen der Gründer ebenfalls beteiligt war. So flossen Gelder aus der Sammelstiftung ab, und es gab hohe Verwaltungskosten. Zu etlichen Geschäften existierten weder schriftliche Beschlüsse, ordentliche Protokolle noch Konkurrenzofferten, wie vom Gesetz gefordert. Interessenbindungen waren auch nicht offengelegt, und dem Grundbuchamt wurden Kaufverträge verschwiegen. (…). Ralph Hug.
Work onine, 15.3.2019.
Personen > Hug Ralph. Pensionskassen. Stiftung Phoenix. Work online, 2019-03-15.
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15.02.2019 Schweiz
Nationalbank
Personen
Work
Ralph Hug
Pensionskassen
Rente
Volltext
Nationalbank soll Minuszinsen auszahlen statt bunkern. Der Vorschlag des Gewerkschaftsbundes, wie man die sinkenden Pensionskassenrenten stoppen könnte, sorgt für Wirbel. Zwei hatten eine Idee: Wie wär’s, wenn man den Tresor der Nationalbank (SNB) anzapfen würde, um die ständig fallenden BVG-Renten aufzubessern? Denn mit ihren Negativzinsen setzt die SNB die Renten zusätzlich unter Druck. Soll sie also auch dafür geradestehen! Die zwei – das sind Daniel Lampart und Paul Rechsteiner, der Chefökonom und der Ex-Präsident des Gewerkschaftsbunds. Ihre Idee entstand, wie so viele in der Politik, im Zug nach Bern. Und zwar schon vor längerem. Nun steht sie in einem Forderungskatalog, den der Gewerkschaftsbund im Januar der Öffentlichkeit präsentierte. Aber nur als letzter Punkt in einer ganzen Palette von Massnahmen, um die Kaufkraft der Bevölkerung zu sichern. Niemand schenkte dem Beachtung. Lenkungsabgabe. Doch seit die „Sonntagszeitung“ eine grosse Story draus machte, schlägt das Wellen – im Bundeshaus, in der Nationalbank, in der Pensionskassenszene. Worum geht’s genau? Die SNB kassiert jedes Jahr zwei Milliarden Franken an Negativzinsen von - 0,75 Prozent. Das müssen Banken und Versicherungen zahlen, wenn sie Geld bei der SNB deponieren. Negativzinsen sollen den Franken weniger attraktiv machen und sind deshalb geldpolitisch nötig. Für Daniel Lampart sind solche Zinsen eine Art Lenkungsabgabe. Aber er findet es falsch, wenn diese Einnahmen bei der SNB (…). Ralph Hug.
Work online, 15.2.2019.
Personen > Hug Ralph. Nationalbank. Pensionskasse. Work online, 2019-02-15.
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15.02.2019 Schweiz
Personen
Work
Ralph Hug
Trotzkismus
Volltext
Das waren und wollten die Schweizer Trotzkisten. Sibir: Die wahre Revolution. Die Trotzkisten-Bewegung in der Schweiz war klein, aber einflussreich. Jetzt liegen ihre Memoiren und Dokumente vor. Er war der „eiskalte Revolutionär“. Aber nur in der Werbung. Der junge Ingenieur Hans Stierlin erfand 1944 den geräuschlosen Kühlschrank. Er gründete die Firma Sibir und begann, in Schlieren einen günstigen Kühlschrank fürs Volk zu produzieren. Das Gerät veränderte Tausende von Schweizer Haushalten. Eine echte Revolution. Doch die Umwälzung, die Stierlin eigentlich im Sinne hatte, blieb aus. Er war Trotzkist und glaubte an einen unbürokratischen Sozialismus. Heimliche Finanzierung. Stierlin war seit der Jugend ein Anhänger des russischen Revolutionärs Leo Trotzki, der die „permanente Revolution“ propagierte. Heimlich finanzierte Stierlin die Gruppierung „Marxistische Aktion Schweiz“. Geld gab er auch dem Publizisten Heinrich Buchbinder, einst der bekannteste Trotzkist im Land. Als Unternehmer lieb er aber im Hintergrund. In seiner Fabrik experimentierte er mit wirtschaftlichen Arbeitsbedingungen. Es gab Einheitslöhne und reduzierte Arbeitszeiten. So düpierte der linke Patron die rechte Metallgewerkschaft SMUV. Sibir gibt's immer noch, wenn au.ch nur noch als Handels- und Servicefirma. Ebenso lebt die trotzkistische Bewegung weiter, vor allem in der Westschweiz mit dem „Mouvement pour le socialisme“ oder bei einer jüngeren Generation mit der Zeitschrift „Der Funke“. (…). Ralph Hug.
Work online, 15.2.2019.
Personen > Hug Ralph. Trotzkismus Schweiz. Work online, 2019-02-15.
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01.02.2019 Genf
ABB
Personen
Work
Ralph Hug
ABB
Ausgliederung
Volltext
ABB wird zerlegt, Aktionäre machen Kasse. Der „Schlächter von Stockholm“. Bei ABB zittern Tausende um ihren Job. Der Konzern ist zum Opfer einer Heuschrecke geworden. Lange wehrte sich ABB-Chef Ulrich Spiesshofer gegen die Aufspaltung: Das sei falsch, bringe nichts und zerstöre nur Synergien. Jetzt aber verkauft er das Herzstück des Konzerns, das Geschäft mit den Stromnetzen, an Hitachi. Die Demontage des Schweizer Industrie-Flaggschiffs wird Tatsache. Spiesshofer sagt jetzt, man müsse mit der Zeit gehen und sich auf die „Industrie 4.0“ konzentrieren, das heisst, auf die Automatisierung. Er entpuppt sich damit als Wendehals. Und zeigt, dass das, was ein CEO verkündet, nur so lange gilt, als es seinen Kapitalgebern passt. Drei Leuten passte es nicht mehr: Lars Förberg (53): Der Schwede ist Chef des aggressiven Fonds Cevian Capital. Seine Devise heisst: Firmen aufkaufen, zerlegen und Kasse machen. Cevian hält gut 5 Prozent der ABB-Aktien. Förberg sitzt seit einem Jahr im ABB-Verwaltungsrat. Jacob Wallenberg (63): Der Chef aus der reichsten schwedischen Industriellenfamilie hält mit seiner Investor AB zehn Prozent der ABB-Aktien. Peter Voser (60): Der Verwaltungsratspräsident ist die graue Eminenz bei ABB. 2002 rettete er als Finanzchef das Unternehmen aus der Krise. Danach krempelte er den Ölriesen Shell um. Der Spitzname von Cevian lautet „Schlächter von Stockholm“. Diesem Ruf wird der Fonds auch bei ABB gerecht. Vor vier Jahren stieg Förberg mit Aktienkäufen ein. Sogleich forderte er die Aufspaltung. Der Konzern sei nicht rentabel genug. Dabei steigerte ABB noch 2017 den Gewinn auf 2,2 Milliarden Dollar, (…). Ralph Hug.
Work online, 1.2.2019.
Personen > Hug Ralph. ABB. Auslagerung. Work online, 2019-02-01.
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01.02.2019 Bellinzona
Industriewerke Bellinzon
Personen
Work
Ralph Hug
Industriewerk Bellinzona
Neubau
Volltext
SBB-Werk Bellinzona: Zehn Jahre nach Mega-Streik fühlen sich die Mitarbeiter betrogen. Und wieder kämpfen sie für ihre „Officine“. Jetzt ist das grosse SBB-Unterhaltswerk in Bellinzona schon wieder in Gefahr: es soll neu gebaut werden. Aber mit viel weniger und schlechteren Jobs. Das grosse Industrie- und Unterhaltswerk der SBB soll neu errichtet werden. Aber nicht in Bellinzona, wo es jetzt steht. Sondern in der Nachbargemeinde Arbedo-Campione auf der grünen Wiese. Dafür sprachen Bellinzona und der Kanton Tessin 120 Millionen Franken. Viel schwerer wiegt jedoch, dass es in der „modernsten Bahnwerkstätte Europas“ markant weniger Arbeitsplätze geben wird - nur noch gut 200 statt 400. Die Mitarbeitenden fühlen sich hintergangen. In einem grossen Streik vor zehn Jahren hatten sie die damaligen Schliessungspläne der SBB gestoppt und Zusicherungen für den Erhalt der Arbeitsplätze erreicht. Steter Abbau. Diese Niederlage hat SBB-Chef Andreas Meyer nicht vergessen: Nach dem Streik änderte er die Strategie. Statt eines Brutalo-Abbaus folgte ein steter Soft-Abbau. Bellinzona hatte auf einmal weniger Aufträge, die Auslastung der Anlage sank kontinuierlich. Unia-Sekretär und Grossrat Matteo Pronzini (Bewegung für den Sozialismus-Kommunistische Partei) kritisiert: „Die SBB haben den Betrieb gezielt geschwächt und damit seine Weiterentwicklung untergraben“. Schon dies sorgte unter den Mitarbeitenden für Unmut. Der Ärger wuchs noch an, als letztes Jahr das Neubauprojekt bekannt wurde. (…). Ralph Hug.
Work, 1.2.2019.
Personen > Hug Ralph. Industriewerke Bellinzona. Work, 2019-02-01.
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18.01.2019 Schweiz
Personen
Work
Ralph Hug
Rosa Luxemburg
Ermordung
Volltext
Der rechtsextreme Offizier Waldemar Pabst liess Luxemburg töten. Mörder-Chef lebte straflos in der Schweiz. Ein vergessener Skandal: Die Schweiz deckte jahrelang den Mörder von Rosa Luxemburg. Sie warfen die Leiche in den Berliner Landwehrkanal. Zwei Schergen der Garde-Kavallerie-Schützen-Division brachten die Sozialistin Rosa Luxemburg am 15. Januar 1919 brutal um. Der wahre Mörder war aber Waldemar Pabst, der Chef dieses Elite-Freikorps. Pabst hatte die Tötung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht veranlasst. Und zwar unter Billigung des damaligen Wehrministers Gustav Noske (SPD), genannt „Bluthund“. Nie wurde Pabst dafür zur Rechenschaft gezogen. Waldemar Pabst (1880-1970) gilt als Schlüsselfigur der deutschen Gegenrevolution. Er war Offizier, Waffenhändler und Strippenzieher im Rechtsextremismus. Vergeblich putschte er 1923 gegen die Weimarer Republik. Nach Hitlers Machtergreifung baute er seinen Einfluss aus. Für Hitler organisierte er den Import verbotener Rüstungsgüter. Unter anderem aus der Schweiz mit einer Tarnfirma namens Sfindex in Sarnen OW. Besonders scharf war Pabst auf hochpräzise Werkzeugmaschinen. Auch in der von Deutschen gegründeten Waffenfabrik Solothurn war er aktiv. Mächtig. Die Historikerin Doris Kachulle sagt: „Pabst war eine wichtige Scharnierfigur zwischen der deutschen und der Schweizer Kriegswirtschaft.“ Dass er unbehelligt blieb, hatte politische und wirtschaftliche Gründe. Pabst war mit der Schweizer Wirtschaftselite verbandelt. Er hatte auch beste Kontakte zu Schweizer Rechten, allen voran zu Eugen (…). Ralph Hug.
Work online, 18.1.2019.
Personen > Hug Ralph. Rosa Luxemburg. Ermordung. Work online, 2019-01-18.
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18.01.2019 Schweiz
Baumeisterverband
Personen
Work
Ralph Hug
Landesmantelvertrag
Volltext
Das alles bringt der neue Landesmantelvertrag den Bauleuten: Mehr Lohn, mehr Kündigungsschutz und Rente mit 60 gesichert. Der entschlossene Protest der Bauleute hat sich gelohnt: Die Baumeister mussten ihre wahnwitzigen Forderungen fallenlassen. Anfang 2018 sah es böse aus. Die Baumeister waren drauf und dran, die wichtigste soziale Errungenschaft der Branche zu kippen: die Rente mit 60. Hätten die Bauleute sich nicht gewehrt, hätten sie plötzlich bis 62 oder noch länger arbeiten müssen. Oder sie hätten sich mit einer mickrigen Übergangsrente bis zum ordentlichen Pensionsalter schleppen müssen. Mehr im Portemonnaie. Doch dann machten Proteste. Demos und Streiks den Baumeistern Beine. Insgesamt gingen über 30‘000 Bauleute auf die Strasse. Jetzt ist die Frührente für alle gesichert. Mit einem leicht erhöhten Lohnabzug für die Bauarbeiter, der aber erst ab April fällig ist. Voraussichtlich dann wird der Bundesrat die geänderten Bestimmungen für allgemeinverbindlich erklären. Seit dem Januar bereits in Kraft ist der neue Landesmantelvertrag (LMV). Er gilt bis 2022. Und zwar mit höheren Löhnen für alle. Die Bauleute erhalten 80 Franken mehr Lohn und 2020 kommen nochmals 80 Franken mehr dazu. Unia-Bauchef Nico Lutz sagt: „Im Schnitt haben alle je 64 Franken und nächstes Jahr 66 Franken mehr im Portemonnaie.“ Dies ergibt sich, wenn man die Lohnerhöhung den Sanierungsbeitrag der Arbeitnehmenden an die Frühpensionierung sowie eine geringere Suva-Prämie gegeneinander aufrechnet. Bezogen auf die Teuerung, die 0,9 Prozent beträgt, resultiert Somit eine moderate Reallohnerhöhung. (…). Ralph Hug.
Work, 18.1.2019.
Personen > Hug Ralph. Landesmantelvertrag Bau. Work, 2019-01-18.
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18.01.2019 Schweiz
Personen
Rhätische Bahn
Tunnelbau
Work
Ralph Hug
Lohnnachzahlung
Rhätische Bahn
Volltext
Geprellte Albulatunnel-Bauer können aufatmen. Bauherrin Rhätische Bahn schiesst Geld vor. Jetzthaben die Tunnelbauer am Albula ihren Dezemberlohn doch noch erhalten. Dank dem Druck der Unia. Der Dezember 2017 war für die Tunnelbauer am Albula ein schwarzer Monat. Wenigstens für jene zwei Dutzend, die beim italienischen Baukonzern Condotte angestellt waren. Sie erhielten keinen Lohn. Condotte war finanziell ins Schlingern geraten. Der CEO stand wegen Verdachts auf mafiöse Praktiken unter Hausarrest (die Work-Recherche gibt's hier: rebrand.ly/condotte). Seither ist der Konzern unter staatlicher Zwangsverwaltung. Wegen der Tausende von Arbeitsplätzen kann es sich die Regierung in Rom nicht leisten, das Unternehmen pleitegehen zu lassen. Tauziehen. Ein Jahr später gibt es für die Tunnelbauer Grund zur Freude: Sie erhalten endlich den fehlenden Dezemberlohn. Dazwischen gab es ein monatelanges Tauziehen. Anke Gähme, Leiterin der Unia Ostschweiz-Graubünden, erzählt: „Niemand wollte für die unbezahlten Löhne aufkommen. Deshalb mussten wir ordentlich Druck machen“. Und das ging so: Condotte ist in einem Konsortium mit Walo und der österreichischen Porr am Bau des zweiten Albulatunnels der Rhätischen Bahn (RhB) beteiligt. Allerdings wollte das Konsortium nicht für den Schaden aufkommen. Trotz Solidarhaftung. Immerhin übernahmen die beiden Partner der Arbeitsgemeinschaft die Condotte-Leute. Es sind nämlich Spezialisten aus dem Veltlin, aber auch Fachkräfte aus Deutschland und Österreich, auf die nicht verzichtet werden kann. Ihr Job war gerettet. Mit Hilfe der (…). Ralph Hug.
Work, 18.1.2019.
Personen > Hug Ralph. Albula. Lohnnachzahlung. Work, 18.1.2019.
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14.12.2018 Schweiz
Baumeisterverband
Personen
Unia Schweiz
Ralph Hug
Baumeisterverband
Landesmantelvertrag
Volltext
Neuer Bau-Vertrag noch im alten Jahr: Geschafft? Für die Bauleute hat sich der intensive Kampf gelohnt: ein erneuerter Landesmantelvertrag, mehr Lohn und eine sichere Rente mit 60 – darauf haben sich die Verhandlungsdelegationen geeinigt. Die definitiven Entscheide fallen demnächst. Es brauchte noch eine Extra-Sitzung. Doch dann, in der 20. Verhandlungsrunde, war der Durchbruch da. Die Gewerkschaften und der Baumeisterverband einigten sich im Verhandlungsmarathon um Lohn, Rente und einen neuen Landesmantelvertrag (LMV) auf ein gemeinsames Resultat. Und so sieht es aus: Rente 60. Die wichtigste Errungenschaft der Bauleute bleibt erhalten. Und zwar ohne Abstriche: Es gibt keine Erhöhung des Rentenalters und auch keine Rentenkürzungen. Um die finanzielle Belastung durch die in Rente gehende Generation der Babyboomer aufzufangen, steigen die Beiträge der Arbeitnehmenden vorübergehend an: im 2019 um 0,5 Lohnprozent und im 2020 nochmals um 0,25 Lohnprozent. Der flexible Altersrücktritt (FAR) steht damit in Zukunft auf einer sicheren Grundlage. Landesmantelvertrag: Der LMV wird erneuert, mit einigen Verbesserungen für beide Seiten. So muss ein Patron ältere Bauarbeiter vor einer Entlassung zwingend anhören. Neu gilt der LMV auch bei Asbestsanierungen. Und künftig können die paritätischen Berufskommissionen die Arbeitnehmenden über geldwerte Verstösse von fehlbaren (…). Ralph Hug.
Work online, 14.12.2018.
Personen > Hug Ralph. Bauhauptgewerbe. LMV. Work online, 2018-12-14.
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14.12.2018 Schweiz
Personen
Work
Ralph Hug
Ausstellung
Fotos
Volltext
Ausstellung: Emil Acklins Fotos des Büezer-Alltags der 1920er Jahre. Mit der Leica in den Klassenkampf. Emil Acklin war Lehrer und wurde entlassen, weil er Kommunist war. Dann zückte er die Kamera und fotografierte Zürich von unten. Dank Emil Acklin (1889-1976) wissen wir, wie ein Büezerleben in den 1920er Jahren aussah. Acklin streifte mit der Leica in der Hand durch die Stadt Zürich und fotografierte Teerkocher, Kesselflicker, Weichenputzer, Schienenleger, Strassenwischer und Paketpöstler bei der Arbeit. Vor die Linse kamen ihm aber auch Bettler, Obdachlose und arme Leute auf der Schattenseite der Gesellschaft. Seine Fotos feiern die Werktätigen und klagen gleichzeitig die Reichen an, die es zulassen, dass es so viele Arme gibt. Acklin war Kommunist und glaubte an eine gerechte Ordnung. Das bekam ihm aber schlecht. Weil er an den Novemberkrawallen von 1917 gegen Krieg und Militarismus teilgenommen hatte, kam er für sieben Monate hinter Gitter. Seinen Job als Lehrer war er los. Und die Armee degradierte ihn, der einst sogar Oberleutnant gewesen war. Fortan musste er sich als Privat- und Musiklehrer durchschlagen. Da hatte er Zeit, 1.Mai-Demos, Streiks und Protestaktionen sowie das Leben der Arbeiterinnen und Arbeiter in Aussersihl und in der Altstadt zu fotografieren. Aber nicht einfach zum Spass. Acklin wollte das arbeitende Volk dokumentieren, nach Marx der Motor der Geschichte. Für ihn war die Fotografie ein Mittel des Klassenkampfs. Er sagte: „Wir nennen uns Arbeiterfotografen, (…). Ralph Hug.
Work, 14.12.2018.
Personen > Hug Ralph. Emil Acklin. Foto-Ausstellung. Work, 2018-12-14.
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01.12.2018 Schweiz
Mieter- und Mieterinnen-Verband
Personen
SBB
Ralph Hug
Liegenschaften
SBB
Volltext
Die SBB und ihre Goldgruben. Die SBB scheffelt Millionen mit Immobilien. Niklaus Scherr hat nachgerechnet. Die SBB ist zum zweitgrössten Immobilienkonzern der Schweiz herangewachsen. Sie macht das Geld mit Grundstücken, die sie einst für ein Butterbrot der Öffentlichkeit abgekauft hat. Den bisher grössten Profit zog sie aus der Zürcher Europaallee. Allein die UBS musste dort für ihr Grundstück im Baufeld C 199 Mio. Franken auf den Tisch legen: Das sind 26'930 Franken pro Quadratmeter. Die SBB-Vorgängerin Nordostbahn hatte für das Land vor 150 Jahren noch 10 Franken pro Quadratmeter bezahlt. Noch viel mehr holte die Bundesbahn im Baufeld G heraus. Dort stehen heute 46 superteure Eigentumswohnungen. Bei einem geschätzten Erlös von 95 Mio. Franken ergibt sich ein exorbitanter Quadratmeterpreis von 70'000 Franken. „Die Euopaallee ist die SBB-Goldgrube par excellence“, sagt Niklaus Scherf. Der ex-Geschäftsleiter des MV Zürich hat nachgerechnet. Und zwar gegen den Willen der SBB. Diese rückt, wenn überhaupt, nur höchst ungern Zahlen zu ihren Immobiliendeals heraus. Scherr hat jetzt seine umfangreiche Recherche in einem sehr erhellenden Bericht publiziert.* Dieser bestätigt die Kritik, dass die SBB auf Höchstrenditen aus ist. Dadurch entstehen vorwiegend teure Büros und Appartements. Nur unter Druck willigen die SBB-Manager ein, auch preisgünstige Wohnungen für die breite Bevölkerung zu bauen. Die Bahn verteidigt sich mit dem Argument, sie müsse mit den Gewinnen (…). Ralph Hug.
Mieter- und Mieterinnenverband, Nr. 6, Dezember 2018.
Personen > Hug Ralph. SBB. Liegenschaften. M+W, 2018-12-01.
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30.11.2018 Schweiz
Novartis
Personen
Work
Ralph Hug
Novartis
Stellenabbau
Volltext
Novartis-Manager wollen Ex-CEO Daniel Vasella beim Stellenstreichen noch toppen. Protest gegen Brutalo-Abbau. Novartis plant den Kahlschlag. Im Grossraum Basel sollen 2150 Stellen sollen verschwinden. Nur wegen des Profits. Doch es gäbe ein besseres Rezept. Das gefällt Novartis nicht. Letzte Woche machten 800 Personen auf dem Basler Theaterplatz ihrem Ärger über die Arroganz der Pharmakönige Luft: „Menschen vor Marge!“ hiess es auf Transparenten. Daniela Neves von der Unia geisselte den Konzern für seine brutalen Jobvernichtungspläne: „Sieben Milliarden Gewinn machen und zweitausend Leute auf die Strasse stellen – das geht nicht!“ Es war nicht die erste Demo gegen Novartis. Aber die erste, zu der alle drei Vertragsgewerkschaften Unia, Syna und Angestellte Schweiz gemeinsam aufgerufen hatten. Thomas Leuzinger, Kommunikationschef der Unia Nordwestschweiz, freut sich: „Das gab es noch nie.“ Der Brutalo-Abbau von 2‘150 Stellen sprengt alles Dagewesene. Brigitte Martig, Personalvertreterin bei Novartis und Unia-Mitglied, sagt: „Es ist der grösste für die Schweiz angekündigte Abbau seit der Gründung des Konzerns vor zwanzig Jahren.“ Der Hintergrund: VR-Präsident Jörg Reinhardt will weg von der Massenproduktion von Tabletten und hin zu höherwertigen Gen- und Zelltherapien. Damit lässt sich viel Geld machen. Zum Beispiel mit einem Krebsmittel gegen Leukämie. Es heisst Kymriah. Und eine einzige Behandlung kostet 475’000 Franken. Oder mit einem Mittel gegen schweren Muskelschwund, das nächstes Jahr auf den Markt kommen soll. Dafür will Novartis gar 4 Millionen Franken (!) verlangen. (…). Ralph Hug.
Work online, 30.11.2018.
Personen > Hug Ralph. Novartis. Stellenabbau. Work online, 2018-11-30.
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30.11.2018 Schweiz
Personen
Post
Work
Ralph Hug
Direktion
Post
Volltext
Der neue Postchef Roberto Cirillo kommt von französischem Skandalkonzern. Garantiert der Falsche. Ein Hors-sol-Manager aus London wird neuer Postchef. Unter ihm als Generaldirektor kam es im französischen Catering-Konzern Sodexo immer wieder zu Streiks. Hat uns da CVP-Mann Urs Schwaller ein faules Ei gelegt? Der Präsident des Post-Verwaltungsrats zauberte letzte Woche den Tessiner Roberto Cirillo (47) aus dem Hut. Cirillo who? Der Sohn italienischer Einwanderer, der im Tessin aufgewachsen ist, wird ab April 2019 neuer CEO und damit Chef von 60’000 Postangestellten. Er tritt die Nachfolge von Susanne Ruoff an. Sie musste wegen des Postauto-Skandals gehen. Schwaller pries den neuen Unbekannten in einer Medienmitteilung für seine internationalen Erfahrungen im Management. Eine Medienkonferenz hielt Schwaller offenbar nicht für nötig. Also glänzte Cirillo gleich zu Beginn durch Abwesenheit: kein Interview, kein Service public, nichts. Nur ein Foto und eine schöne Phrase: Cirillo wolle „gemeinsam mit den Mitarbeitenden ein Stück Schweizer Identität weiterentwickelt“. Alles für die Aktionäre. Schwaller präsentiert als obersten Postchef also einen Mann, der noch nie mit einem Service-public-Unternehmen zu tun hatte und keinen Fuss im Bundeshaus hat. Da reibt sich sogar die „Handelszeitung“ die Augen: «Entweder ist Cirillo ein unentdecktes Naturtalent. Oder Schwallers Ernennung endet in einem Desaster.» In Frankreich jedenfalls kam es unter Cirillos Führung immer wieder zu Streikaktionen. Cirillo war dort von 2007 bis 2014 bei Sodexo beschäftigt, ab 2009 als Generaldirektor für Frankreich. Sodexo ist ein (…). Ralph Hug.
Work online, 30.11.2018
Personen > Hug Ralph. Post. Direktion. Work online, 2018-11-30.
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30.11.2018 Schweiz
Personen
Work
Ralph Hug
Alexander J. Seiler
Nachruf
Volltext
Filmemacher Alexander J. Seiler ist tot. Pionier des sozial engagierten Films. Mit „Siamo Italiani“ setzte Alexander J. Seiler den italienischen Migrantinnen und Migranten in der Schweiz ein Denkmal. 1964 entstand der Dokumentarfilm. der Alexander J. Seiler berühmt machte. Er drehte ihn zusammen mit seiner Frau June Kovach und Kameramann Rob Gnant. Ein Werk. das gegen eine selbstzufriedene und fremdenfeindliche Schweiz gerichtet war. Noch heute aktuell. zeigt es Leben und Kultur von Leuten. die nach Max Frisch nur als Arbeitskräfte kamen. aber Menschen waren. Fast vierzig Jahre später holte Seiler die gleichen Leute wieder vor die Kamera. Er wollte wissen. was aus ihnen geworden war. „Septemberwind“ aus dem Jahr 2002 zeigt. wie er den Dingen auf den Grund gehen wollte. Simple Heroisierungen lehnte er ab. Unbeugsamer Linker. Mit dieser Haltung wurde „Xandi“, wie ihn die Freunde nannten, zu einer Ikone der kritischen Schweiz. Wie Peter Bichsel oder Niklaus Meienberg: ein trotziger. unbeugsamer Linker, der sich nie mit den Mächtigen arrangierte. Als seinen wichtigsten Film sah er „Die Früchte der Arbeit“ von 1977 an. Dies ist ein zweieinhalbstündiger Dokumentarfilm über die Geschichte der schweizerischen Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert. Erzählt anhand eines Bohrwerkarbeiters bei der BBC. Während andere noch brave Unterhaltungsfilme drehten. wurde Seiler zum Pionier des sozial engagierten Films. Stachel im Fleisch. Sein letztes Werk war „Geysir und Goliath“ aus dem Jahr 2010. (…). Ralph Hug.
Work, 30.11.2018.
Personen > Hug Ralph. Seiler Alexander J. Nachruf. Work, 2018-11-30.
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16.11.2018 Schweiz
Personen
SGB
Work
Barbara Gysi
Ralph Hug
Interview
Präsidium
SGB
Volltext
SGB-Präsidium: Das hat Kandidatin Barbara Gysi zu bieten. „Die Bewegung muss breiter werden“ Für Barbara Gysi ist die Gewerkschaftsbewegung zu einseitig aufgestellt und nur in gewissen Branchen stark. Etwa bei der Eisenbahn oder in der Industrie. Das möchte sie ändern, wenn sie gewählt wird. Work: Barbara Gysi, machen Sie bitte einen kurzen Werbespot in eigener Sache: Warum sollen Sie die Delegierten am SGB-Kongress wählen? Barbara Gysi: Weil ich mich mit aller Kraft für eine überzeugende Gewerkschaftspolitik für alle Lohnabhängigen in diesem Land einsetze. Ich will bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne erreichen. Sehr am Herzen liegt mir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ich bringe 25 Jahre politische und gewerkschaftliche Erfahrung mit und bin in Bundesbern sehr gut vernetzt. Das ist wichtig, weil es sich beim SGB-Präsidium ja auch um eine politische Aufgabe handelt. Und ich möchte die Leute in den politischen Prozess einbinden. Viele an der Basis sagten mir, dass sie dies in den letzten Jahren etwas vermisst hätten. Und natürlich hat für mich die Frauen- und Lohngleichheitsthematik einen wichtigen Stellenwert. Als Frau habe ich hier einen breiteren Blick, und ich kann diese Aufgabe besser wahrnehmen. In bisher gewerkschaftlich schlecht abgedeckten Bereichen wie der Pflege und der Care-Arbeit habe ich ein grosses Repertoire, das ich einsetzen kann. Was meinen Sie denn mit Repertoire? Ich bin ausgebildete Sozialpädagogin und habe im (…). Ralph Hug.
Work online, 16.11.2018.
Personen > Hug Ralph. Barbara Gysi. Interview. Work online, 2018-11-16.
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02.11.2018 Schweiz
Personen
Suva
Work
Ralph Hug
Prämien
Suva
Volltext
Unfallversicherer entlastet Firmen: Steilpass für mehr Lohn. Diese Suva-Millionen gehören uns! Die Suva entlastet die Firmen mit tieferen Unfallversicherungsprämien in Millionenhöhe. Jetzt fordert die Unia: Davon müssen auch die Arbeitnehmenden profitieren. Darüber reden sie nie. Doch nächstes Jahr sparen die Arbeitgeber glatte 220 Millionen Franken ein. Ohne einen Finger zu rühren. Und im darauffolgenden Jahr 2020 werden sie gleich nochmals in ähnlicher Höhe entlastet. Die Suva macht’s möglich. Die staatliche Unfallversicherung arbeitet so gut, dass sie im Geld schwimmt. Letztes Jahr erwirtschaftete sie eine hohe Rendite von 7,8 Prozent auf ihren Kapitalanlagen. Das Vermögen beträgt mittlerweile über 51 Milliarden Franken. Der Deckungsgrad stieg auf über 140 Prozent, die Reserven sind prallvoll. Nun kann man die Prämien senken. So geht überschüssiges Geld an die Versicherten zurück. Auch das ist ein Vorteil der nicht privaten Versicherung: das Geld fliesst zurück zu denen, die es auch einbezahlt haben, und nicht in die Taschen der Aktionärinnen und Aktionäre. Lohnbestandteil. Nächstes Jahr senkt die Suva die Prämien für die Berufsunfallversicherung (BUV) sowie für die Nichtberufsunfallversicherung (NBU) um 15 Prozent (siehe unten). Das ergibt einen stattlichen Betrag von 520 Millionen Franken, nämlich 220 Millionen Franken in der BUV und 300 Millionen Franken in der NBU. Felix Weber, Vorsitzender der Suva-Geschäftsleitung, sagt: „Mit der Reduktion entlasten wir den Werkplatz Schweiz.“ Weber spricht bewusst vom Werkplatz, da die Suva vor allem Beschäftigte im Baugewerbe und in der Industrie versichert. (…). Ralph Hug.
Work online, 2.11.2018.
Personen > Hug Ralph. Suva. Prämien. Work online, 2018-11-02.
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02.11.2018 Schweiz
Personen
Suva
Work
Ralph Hug
Prämien
Suva
Volltext
Unfallversicherer entlastet Firmen: Steilpass für mehr Lohn. Diese Suva-Millionen gehören uns! Die Suva entlastet die Firmen mit tieferen Unfallversicherungsprämien in Millionenhöhe. Jetzt fordert die Unia: Davon müssen auch die Arbeitnehmenden profitieren. Darüber reden sie nie. Doch nächstes Jahr sparen die Arbeitgeber glatte 220 Millionen Franken ein. Ohne einen Finger zu rühren. Und im darauffolgenden Jahr 2020 werden sie gleich nochmals in ähnlicher Höhe entlastet. Die Suva macht’s möglich. Die staatliche Unfallversicherung arbeitet so gut, dass sie im Geld schwimmt. Letztes Jahr erwirtschaftete sie eine hohe Rendite von 7,8 Prozent auf ihren Kapitalanlagen. Das Vermögen beträgt mittlerweile über 51 Milliarden Franken. Der Deckungsgrad stieg auf über 140 Prozent, die Reserven sind prallvoll. Nun kann man die Prämien senken. So geht überschüssiges Geld an die Versicherten zurück. Auch das ist ein Vorteil der nicht privaten Versicherung: das Geld fliesst zurück zu denen, die es auch einbezahlt haben, und nicht in die Taschen der Aktionärinnen und Aktionäre. Lohnbestandteil. Nächstes Jahr senkt die Suva die Prämien für die Berufsunfallversicherung (BUV) sowie für die Nichtberufsunfallversicherung (NBU) um 15 Prozent (siehe unten). Das ergibt einen stattlichen Betrag von 520 Millionen Franken, nämlich 220 Millionen Franken in der BUV und 300 Millionen Franken in der NBU. Felix Weber, Vorsitzender der Suva-Geschäftsleitung, sagt: „Mit der Reduktion entlasten wir den Werkplatz Schweiz.“ Weber spricht bewusst vom Werkplatz, da die Suva vor allem Beschäftigte im Baugewerbe und in der Industrie versichert. (…). Ralph Hug.
Work online, 2.11.2018.
Personen > Hug Ralph. Suva. Prämien. Work online, 2018-11-02.
Ganzer Text
02.11.2018 Schweiz
Generalstreik
Personen
Work
Ralph Hug
Generalstreik
Juso
Volltext
Ohne kämpferische Jusos hätte der Generalstreik anders ausgesehen. Die „Jungburschen“ machten Dampf. Die kampfbereiten Jusos verliehen dem Landesstreik Durchschlagskraft. Ein Wink im Chefbüro genügte. und die Fabrik ging zu. Johann Högger, der Präsident der Arbeiterunion Rorschach SG. drohte nämlich: Wenn der Betrieb nicht sofort eingestellt werde. so könne man „wegen der Jungburschen da draussen“ für nichts. garantieren. Die Feldmühle, Rorschachs grösster Industriebetrieb. schloss sofort die Tore. Der Chef befürchtete kaputte Scheiben. die ihm niemand ersetzen würde. Diese Episode mit der Jungburschen-Drohung ist bezeichnend. Mit „Jungburschen“ war die sozialistische Jugend gemeint. Die damaligen Jusos waren revolutionär, antimilitaristisch und zum Teil auch anarchistisch gesinnt. Ihnen ging der Ruf als aktionsbereite Truppe voraus, für die die Überwindung des Kapitalismus nicht bloss Theorie war. Ihr Chef war der spätere Kommunist Willi Münzenberg, ein genialer Propagandist. Münzenberg war aus Deutschland in die Schweiz gekommen. baute in der Weimarer Republik einen linken Medienkonzern auf und geriet dann mit den Stalinisten in Konflikt. Im jungsozialistischen Organ „Freie Jugend“ verdammte er den Kapitalismus und rief zum „Krieg gegen den Krieg“ auf. Z’Frässe vüre. Waren die Jungburschen bei Demos dabei. so konnte sich die Polizei auf „Äkschen“ einstellen. So auch in Biel. Dort spitzte sich im Streikjahr 1918 der Groll der Bevölkerung zu. Und die Jungburschen ergriffen die Initiative. Im Juni 1918 organisierten sie eine Demo vor dem Bieler Rathaus. Man verlangte mehr Lohn (…). Ralph Hug.
Work, 2.11.2018.
Personen > Hug Ralph. Generalstreik. Juso. Work, 2018-11-02.
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02.11.2018 Schweiz
Generalstreik
Personen
Work
Ralph Hug
Falschmeldungen
Generalstreik
Publikation
Volltext
Neues Standardwerk. Bollwerk gege FakeNews. Jetzt ist er da, der neue Klassiker, kiloschwer und schön aufgemacht: „Der Landesstreik. Die Schweiz im November 1918“. 50 Jahre mussten wir warten. Die Studie „Der Landesstreik 1918“ von Willi Gautschi aus dem Jahr 1968 war das Referenzbuch zum Thema. Seither gab es keine neue Gesamtdarstellung dieses epochalen Ereignisses. Diese Lücke schliesst das soeben erschienene Werk der Historiker Roman Rossfeld, Christian Koller und der Historikerin Brigitte Studer. Zusammen mit 15 Autorinnen und Autoren bohren sie in die Tiefe und analysieren den Streik und seine Folgen bis in die Gegenwart. Gautschi machte damals Schluss mit der Mär vom bolschewistischen Umsturz. Das neue Standardwerk ruckt jetzt noch weit stärker die vielfältigen sozialen und politischen Ursachen des Landesstreiks ins Licht. Überraschend. Da ist zum Beispiel der Hunger in der Bevölkerung und die prekäre Versorgung mit Kohle und Milch, aber auch die Wohnkrise in Mn Städten und die fatale Grippe-Epidemie. Bisher unbeleuchtete Aspekte kommen hinzu: das Engagement von Frauen im Streik, die Revolutionsängste des Bürgertums oder die Streikabwehr der Arbeitgeber. Wie die rachsüchtige Militärjustiz urteilte und welche Rolle die paramilitärischen Bürgerwehren spielten - das alles wird transparent. Es gibt auch überraschende Recherchen. Woher stammt die Vorstellung. dass Lenins Agenten den Landesstreik angezettelt hätten? Es waren radikalisierte russische Emigranten. die in den Gazetten von Lausanne und Genf unermüdlich Fake News verbreiteten. Sie hatten vor der Oktoberrevolution (…). Ralph Hug.
Work, 2.11.2018.
Personen > Hug Ralph. Generalstreik. Publikation. Work, 2018-11-02.
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02.11.2018 Schweiz
Generalstreik
Personen
Work
Ralph Hug
Armee-Einsätze
Generalstreik
Reaktion
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Der Landesstreik: Die Mutter aller Streiks. Suppenküchen, Handgranaten und ein dreifacher Mord. Das hatte die Schweiz noch nie erlebt: Plötzlich herrschte Aufruhr im ganzen Land. Die drei Streiktage im November 1918 veränderten die Schweiz. Für immer. Es war an einem Dienstag. einem grauen Novembertag: 250‘000 Frauen und Männer legten ihre Arbeit nieder. Und stiessen in den Strassen auf die Armee. Am dritten Streiktag erschossen Soldaten im solothurnischen Grenchen die drei Arbeiter Marius Noirjean (17). Fritz Scholl . (21) und Hermann Lanz (29). Von hinten und aus nächster Nähe. Schliesslich blies die Streikführung die Aktion ab. weil ein Bürgerkrieg drohte. War der Landesstreik nun eine Niederlage für die Arbeiterbewegung? Oder doch ein Sieg? Beides. sagt Adrian Zimmermann. Der Historiker spricht von „Geschlagenen. die siegten“. Zu Recht. denn ein Teil der Streikforderungen wurde bald erfüllt. andere erst später. Und so kam es zu diesem ersten Generalstreik in der Schweiz. der sich 2018 zum hundertsten Mal jährt: 1. Hunger und Elend: Während des Ersten iiI Weltkriegs (1914-1918) ging es mit der Versorgung bergab. Kartoffeln und Kohle wurden knapp. Der Brotpreis verdoppelte sich innert weniger Jahre. Während die Löhne stagnierten, stieg die Teuerung unerbittlich an. Wer ins Militär musste. bekam keinen Ausgleich für den Lohnausfall. Tausende Familien drohten zu verarmen. viele litten Hunger. Die Historikerin Maria Meier hat die prekäre Lage im Sommer 1918 am Beispiel von Basel untersucht. Die Stadt musste Suppenküchen einrichten. schnell waren sie überfüllt. Kinder waren unterernährt. (…). Ralph Hug.
Work, 2.11.2018.
Personen > Hug Ralph. Generalstreik. Reaktion. Work, 2018-11-02.
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02.11.2018 Schweiz
Baumeisterverband
Personen
Unia Schweiz
Work
Ralph Hug
Arbeitszeit
Baumeisterverband
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Sogar Baufirma kritisiert: „SBV zu ideologisch“. Auch unter den Baumeistern wächst der Ärger über die weltfremde Politik ihrer Funktionäre. Die Neuenburger Baufirma Facchinetti SA hält nichts von der Forderung des Baumeisterverbands (SBV) nach mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit. Diese sei „ideologisch“. kritisiert sie in einem Brief an ihre Vorarbeiter. Der Brief liegt Work vor. Direktor Claude Conrad: „Wir unterstützen diese Forderung nicht. Die heutige Flexibilität genügt bei weitem.“ Klarer könnte man es nicht sagen. Das Dokument beweist, dass längst nicht alle Firmen die weltfremde Politik ihrer Verbandsspitze gutheissen. Besonders, wenn sie zu solch mächtigen Protesten auf den Baustellen führt. In den letzten Tagen gingen Tausende erboste Bauarbeiter in der Westschweiz und im Tessin auf die Strasse. Sie wollen keinen 12-Stunden-Tag, und sie wollen auch kein Lohndumping durch ausländische „Praktikanten“, bei denen kein Mindestlohn mehr gelten soll, wie das der SBV absurderweise vorschlägt. In den nächsten Tagen rollt die Protestwelle der Bauarbeiter weiter. Aktionen in der Deutschschweiz stehen auf dem Programm. Die Wut über die Baumeister und ihren erpresserischen Kurs in den Verhandlungen zum Landesmantelvertrag ist riesig. Im Wallis war es das erste Mal seitvielen Jahren, dass Bauleute den Pickel weglegten. Dabei liegt eine Einigung in Griffweite. Die Sanierung der Frührente mit 60 ist eigentlich unter Dach. Dank Entgegenkommen der Gewerkschaften: Die Bauleute übernehmen (…). Ralph Hug.
Work, 2.11.2018.
Personen > Hug Ralph. Baumeisterverband. Work, 2018-11-02.
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19.10.2018 Schweiz
Baumeisterverband
Personen
Work
Ralph Hug
Bauarbeiter
Protest-Kundgebung
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Die Protestwelle rollt an. Baubüezer haben die Nase voll. Angriff auf die Rente 60, Angriff auf die Mindestlöhne, Angriff auf den Gesundheitsschutz: Der Baumeisterverband ist ausser Rand und Band. Jetzt haben die Bauleute genug. Bellinzona und Genf machten den Anfang. Dort gingen in den letzten Tagen insgesamt 5‘500 Bauarbeiter auf die Strasse. Aus Protest gegen den Starrsinn der Funktionäre vom Baumeisterverband SBV. Die Deutschschweiz wird folgen ab dem 1. November. Denn die Büezer sind wütend. An einer Versammlung der Mitarbeitenden des Baukonzerns Marti in Zürich sagte einer: „Ohne Streik läuft sowieso nichts.“ Er bekam viel Applaus. Keine Lohnerhöhung, aber noch länger arbeiten – das ärgert die Bauleute masslos. Ähnlich war die Stimmung auch an Versammlungen der Implenia-Mitarbeitenden sowie auf der Grossbaustelle The Circle beim Flughafen Kloten. Polemik statt Sachkunde. Die Büezer haben die Nase voll von den Attacken der Baumeister auf ihre wohlverdiente Frühpensionierung mit 60, auf ihre Löhne und auf ihre Gesundheit. Und auch von der Hinhaltetaktik des SBV. Am Verhandlungstisch um die Vertragserneuerung zaubern die Baumeistervertreter ständig neue und immer absurdere Forderungen aus dem Hut. Polemik scheint wichtiger als Sachkunde. Der neueste Blindgänger: Chef Gian-Luca Lardi und Direktor Benedikt Koch werfen den Gewerkschaften in einem offenen Brief –„Sozialmissbrauch“ vor. Das machte ¬sofort Schlagzeilen. Dabei hatte die Unia lediglich auf die Möglichkeit der Schlechtwetterentschädigung hingewiesen. Denn der LMV sieht (…). Ralph Hug.
Work online, 19.10.2018.
Personen > Hug Ralph. Bauarbeiter. Protestaktionen. Work online, 2018-10-1919.
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19.10.2018 Schweiz
Europäischer Gerichtshof
Personen
Work
Ralph Hug
Asbest
Prozess
Publikation
Volltext
SVP-Selbstbestimmungsinitiative will Menschenrechte abschaffen. Das Vermächtnis von Asbest-Opfer Hans Moor. Monteur Hans Moor starb an Asbest. Doch erst der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg gab seiner Familie recht. Ein neues Buch erzählt die Geschichte der erfolgreichen Klagen. Niemand kannte die Dampfturbinen so gut wie Hans Moor, Servicetechniker bei ABB. Wusste man irgendwo auf der Welt nicht mehr weiter, so rief man ihn an. Selbst mitten in der Nacht. Dann fragte Moor jeweils: „Mach den Deckel auf - was steht da für eine Nummer drauf?“ Moor hatte alle Turbinenpläne im Kopf und wusste bald, welches Ventil zu lösen war, damit die Turbine wieder lief. Das ging so bis 2005 - als Hans Moor im Alter von 57 Jahren starb. Er hatte jahrelang bei der Arbeit Asbeststaub eingeatmet. Erst später wurde ihm bewusst, wie gefährlich das gewesen war. Zu spät. Moors Diagnose hiess „bösartiges Lungenkarzinom, ausgelöst durch Asbest“. Es folgten Notaufnahmen, Operationen, Chemotherapie. Und immer wieder heftige Schmerzen. Zuletzt war der Krebs stärker. Kurz vor seinem Tod verfasste Moor noch die eigene Todesanzeige. Und seiner Frau Renate nahm er das Versprechen ab, die Klage weiterzuziehen. Gemeinsam mit seinem Anwalt David Husmann hatte er den Konzern Alstom (Nachfolger von ABB) verklagt: Dieser habe ihn und seine Arbeitskollegen nicht über das gefährliche Asbest informiert. Deshalb forderte Moor eine Entschädigung. SUVA verweigert sich. Doch alle Gerichte wiesen die Klage ab. Der Fall sei verjährt. Entscheidend für die Frist könne nur der Ausbruch (…). Ralph Hug.
Work, 19.10.2018.
Personen > Hug Ralph. Asbest. Publikation. Work, 2018-10-19.
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01.10.2018 Schweiz
Generalstreik
Personen
Ralph Hug
Generalstreik
Volltext
Vor hundert Jahren kam es zum bisher einzigen Landesstreik in der Schweiz. Zu seinen Ursachen zählte auch die akute Wohnkrise. Vier Matratzen pro Zimmer. Diese drei Tage veränderten die Schweiz: Vom 11. bis 14. November 1918 legten 250'000 Werktätige aus Protest gegen die allgemeine Misere die Arbeit nieder. Das Militär beendete den Streik, der in einen Bürgerkrieg auszuarten drohte. Die vermeintliche Niederlage entpuppte sich für die Protestierenden im Nachhinein jedoch als Sieg. Reformen wie der Achtstunden-Tag oder das Proporzwahlrecht, das die bürgerliche Dominanz im Parlament beendete, brachten klare Fortschritte. Andere Sozialreformen wie die AHV oder das Frauenstimmrecht liessen länger auf sich warten. Die Historikerinnen und Historiker sind sich einig: Dieser Streik war ein Schlüsselereignis der modernen Schweiz. Bisher wenig beachtet wurde, dass die Wohnkrise in den Städten eine wichtige Ursache der damaligen Unrast war. Viele Mietende gerieten nach Kriegsausbruch 1914 in Not. Die Männer, die Militärdienst leisteten, erhielten damals noch keinen Erwerbsersatz. So wurde das Geld für die Miete knapp oder fehlte ganz. Es kam zu Kündigungen, ganzen Familien drohte Obdachlosigkeit. Wegen der kriegsbedingten Inflation explodierten die Mieten. Profiteure strichen hohe Gewinne ein, selbst für Bruchbuden und feuchte Zimmer ohne Licht. In den Städten herrschte Wohnungsmangel, weil man es versäumt hatte, rechtzeitig günstige Wohnungen zu bauen. Der Bundesrat wollte (…).  Ralph Hug.
Mieten+Wohnen, Oktober 2018, Nr. 5.
Personen > Hug Ralph. Generalstreik. Wohnungsbau. Mieten+Wohnen, 2018-10-01.
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31.08.2018 Schweiz
Generalstreik
Personen
Work
Angelica Balabanoff
Ralph Hug
Biografien
Volltext
Angelica Balabanoff mischte im Landesstreik die Schweiz auf. Rebellin, Sozialistin, Feministin. Kaum jemand erinnert sich heute noch an sie: doch Lenins Weggefährtin Angelica Balabanoff war für das Schweizer Bürgertum ein brandrotes Tuch. Zunächst war sie bloss ein „Fräulein“. Dann eine „Anarchistin“, später eine „berühmte Agitatorin“ und schliesslich eine „gefährliche Bolschewistin“. Diese Bezeichnungen widerspiegeln die Karriere von Angelica Balabanoff (1878 bis 1965). Für das Schweizer Bürgertum war sie Staatsfeindin Nummer eins. Im Landesstreik 1918 erreichte die Wut gegen die Russin ihren Höhepunkt. Kurz danach musste Balabanoff die Schweiz verlassen: Ausweisung! Sie habe „mit ihren Umtrieben die Sicherheit des Landes gefährdet“. So der Bundesrat in seinem Beschluss vom 12. November 1918. 14 Tage reichten. Balabanoff war aber nur gerade zwei Wochen in der Schweiz. Im Oktober traf sie mit dem Zug in Zürich ein. In der ¬Tasche einen Diplomatenpass des Roten Kreuzes. Ordentlich meldete sie sich beim Kreisbüro an. Sofort hefteten sich Geheimagenten an ihre Fersen. Die Schlapphüte überwachten sie rund um die Uhr. Im Hotel Central, wo sie ¬logierte, wimmelte es von Spitzeln. Und von Provokateuren. Mehrmals baten sie Unbekannte um Geld: „Ich habe gehört, Sie seien so grosszügig…“. Solche Schnorrereien waren Fallen. Sie sollten den ¬Beweis erbringen, dass die Russin mit einer Menge Geld in die Schweiz gekommen war. Geld für die Revolution. Natürlich fiel Balabanoff nicht (…). Ralph Hug.
Work online, 31.8.2018.
Personen > Hug Ralph. Angelica Balabanoff. Porträt. Work online, 2018-08-31.
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