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Anzahl gefundene Artikel: 11

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16.08.2019 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Briefträgerin
Die Briefträgerin & die Briefeinwürfe. Manchmal reicht ein Bild oder eine Erinnerung, und mitten im Sommer wird der Winter lebendig. Und umgekehrt. Oft verbunden mit einer Prise Längizyti. Jedenfalls ist es ein heisser Sommertag, als der Briefträgerin plötzlich ein eisiger Winterabend in den Sinn kommt: Sechs Uhr vielleicht war es da gewesen und sie irgendwo in der Stadt unterwegs. Längst lag Dunkelheit über allem. Da stiess sie auf einen alten, lange nicht gesehenen Bekannten, der auf einer kleinen Mauer sass. „Was tust du denn hier?“ fragte die Briefträgerin. „Ich warte auf die Person, die den Briefkasten leert“, antwortete der Bekannte und zeigte auf den gelben Kasten neben sich, der in der Postsprache Briefeinwurf heisst. Die Briefträgerin erfuhr, dass der Bekannte drei Briefe geschrieben und eingeworfen hatte, was er nun bereute. Abrechnungen mit der Mutter und den zwei Brüdern. „Ich glaube, vor allem der Brief an die Mutter ist zu happig“, sagte der Bekannte. „Ich sollte ihn besser nicht schicken. Sie sollte ihn besser nicht erhalten.“ Die Briefträgerin verkniff sich das Lachen nicht. Und sie dachte an den Zauberstab, der zu Hause am Postschlüsselbund hing. Der Schlüssel, mit dem sich alle Briefeinwürfe im Gebiet ihrer Zustellstelle öffnen lassen würden. Der kleine Schlüssel früher, der noch aussah, wie Schlüssel in alten Geschichten aussehen, hatte sogar in alle Briefeinwurfschlösser der Schweiz gepasst. „Sesam öffne dich!“, und alle Geheimnisse kämen ans Licht. Die Rechnungen, die Werbesendungen, die Geburtsanzeigen, die Liebesbriefe, die Todesanzeigen, die Abrechnungen. (…).  Katrin Bärtschi.
Work online, 16.8.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. Briefgeheimnis. Work online, 2019-09-16.
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28.06.2019 Bern
Frauenstreik
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Briefträger
Frauenstreik
Volltext
Die Briefträgerin & der Frauenstreik. Der 14. Juni 2019 ist Geschichte. Er ist Geschichte! Die Briefträgerin hatte in der Bude im Vorfeld nicht gross agitiert und diskutiert. Sie hatte den Ansteckknopf getragen, und sie hatte die Plakate mit der violetten Dreifaltigkeit aufgehängt. Und Flugblätter im Pausenraum verstreut. Am Montag danach hingen die Plakate noch. Und am Dienstag auch. Und auch bei Redaktionsschluss immer noch. Grad eso! Der Chef fragte die Briefträgerin: „Wie war’s am Freitag?“ Sie antwortete überrumpelt: „Es war genial!“ Und dann berichtete sie von barbusigen Amazonen auf dem Traktor, die sie leider nicht live gesehen habe. Nun war der Chef überrascht. „Grad eso?“ „Grad eso!“ lachte die Briefträgerin. Die Arbeit liess keinen Raum für weitere Gespräche. Später, auf dem Heimweg, gingen ihr noch viel mehr Impressionen durch den Kopf. 70’000 waren in der Stadt Bern gewesen. Junge, selbstbewusste Frauen und alte ebensolche, Bäuerinnen, Kirchenfrauen, Inländerinnen und Ausländerinnen, mit Papieren und ohne. Auch Verhüllte. „Uns braucht man nicht zu sehen, nur zu hören.“ So habe eine ihrer Parolen gelautet, erfuhr die Briefträgerin von anderen Kundgebungsteilnehmerinnen. Die Briefträgerin mag keine Kleidervorschriften, egal, von wem sie erlassen werden. Im Beruf mögen sie gelten, sie dienen der Kenntlichkeit und der Arbeitssicherheit. Aber sonst: „Kein offen getragenes Haar!“, „Keine Hosen im Sommer!“ – solche Sittlichkeitsvorschriften hat sie als Mädchen noch erlebt. (…). Katrin Bärtschi.
Work online, 28.6.2019.
Personen > Baertschi Katrin, Brieftraegerin. Work online, 2019-06-28.
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14.06.2019 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Arbeit
Briefträger
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Die Briefträgerin & die Namen. Ein Vormittag im Bus. „Den kenne ich“, denkt die Briefträgerin und schaut in das Gesicht des stummen, allein sitzenden Fahrgasts mit der Weisswein¬flasche in der Hand. „Rosenweg 21, zweiter Kasten von links – aber wie heisst er schon wieder?“ Die Briefträgerin sieht den Hauszugang vor sich, die Kastenanlage, die Anordnung der Kästen. Sie weiss, dass er einen Stop-Kleber hat. Doch sein Name fällt ihr nicht ein. „Es ist der Mann, der selten Post bekommt und nie ein Wort redet.“ So wie mit ihm erging es ihr schon oft, doch gibt sie das ungern zu. Wer bekennt schon gern die eigene Vergesslichkeit. Kürzlich erst hatte sie einen ¬halben Nachmittag an den beiden frommen Schwestern herumstudiert, die zusammen am Rainweg 14 wohnen. Sich an die Namen zu erinnern kam ihr als Gehirntraining nützlich vor. Auch hier sah sie den Kasten blindlings vor sich, erinnerte sich an die zahllosen Sendungen von wohltätigen Organisationen und Bibelstundevereinen, die sie dort deponierte. Doch die Namen fand sie in ihrem Gedächtnis nicht. „Das darf doch nicht wahr sein!“ dachte die Briefträgerin und ärgerte sich ein bisschen. Dann kam ihr der Kaminfeger in den Sinn, der bei ihr im Einsatz war und seinen Chef am Telefon informierte: „Ich bin beim Schwedenofen an der Jura¬strasse…“. Halbautomatisch. Der Wortlose vom Rosenweg, die Bibelschwestern vom Rainweg. Da ist noch die LP-Sammlerin von der Tag (…). Katrin Bärtschi.
Work online, 14.6.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. Arbeit. Work online, 2019-06-14.
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31.05.2019 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Briefträger
Volltext
Werbung
Die Briefträgerin & die Stop-Kleber. Die Briefträgerin hat einen Stop-Kleber am Kasten. Den sieht die Post begreiflicherweise gerade bei ihren Mitarbeitenden nicht gern, bringt das Verteilen von Werbung doch viel Geld ein. Tatsächlich dachte die Briefträgerin in letzter Zeit öfter, sie sei eine eigentliche Werbeträgerin. Sie versuchte, den zuständigen Teamleader zu besänftigen, indem sie auf ihren Briefmarkenverbrauch hinwies. Damit kompensiere sie den durch den Stop-Kleber verursachten Schaden. Der Teamleader war mässig überzeugt. Die Post unterscheidet drei Arten unadressierter Sendungen: Die kommerzielle Werbung, die mit einem Stop-Kleber abgewehrt werden kann. Die nichtkommer¬zielle Werbung, zu der politische Propaganda etwa vor Wahlen und Abstimmungen und die Sammelaktionen von Non-Profit-Organisationen zählen. Sie wird in jeden Kasten deponiert, Stop-Kleber hin oder her. Und schliesslich amtliche Publikationen wie in Bern und Umgebung der Anzeiger, den alle Haushaltungen erhalten. Wer ihn nicht will, muss eine Verzichtserklärung hinterlegen. Für manche ist die Frage „Werbung ja oder nein?“ eine emotionale Angelegenheit. Blitz und Donner. Manche Leute haben einfach einen Stop-Kleber am Kasten. Andere geben dazu ein umweltschützerisches Bekenntnis ab. Sie wollen zum Beispiel den Regenwald retten. Wieder andere kleben einen Zettel hin, den sie mit zahlreichen Ausrufezeichen, stilisiertem Blitz und Donner oder ähnlichen Emblemen versehen. Für sie scheint die Frage „Werbung ja oder nein?“ eine sehr emotionale Angelegenheit zu sein. (…).  Katrin Bärtschi.
Work online, 31.5.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Werbung. Work online, 2019-05-31.
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26.04.2019 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Demonstrationen Bern
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Die Briefträgerin & die Klimademo. Kein Regen in Bern. Und seit Tagen trocknet die Bise die Erde aus. Alles hat Durst. Die Bäume, die Blumen. Blühen ist auch diesjahr ein Murks. In der Schweiz gingen am 6. April Zehntausende auf die Strassen, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Auf dem Helvetiaplatz waren mit einer Ausnahme junge Frauen am Mikrophon. Sie nennen die Hauptverantwortlichen für die Klimakatastrophe beim Namen: die Wirtschaft und die Banken der nördlichen Halbkugel. Logisch und unaggressiv folgern sie, dass dort etwas ändern müsse. System change not climate change. Auch die Profitgier als Antrieb für alles Handeln wird benannt. Und abgelehnt. Ein Giovanni erhält das Wort und ergreift es laut. Als ehemaliger Seemann brüllt er Abenteuer aus seinem Leben ins Publikum und rechnet vor, welche Dreckschleudern die Hochseefrachter seien. „Die Chinapäckli lassen grüssen“, denkt die Briefträgerin. „Oder kommen die auf dem Luftweg? Hans was Heiri.“ Giovanni schreit: „Gäbet mer äs F!“ – „F!“ – „Gäbet mer äs U!“ – „U!“ usw. Fuck…Dann wieder eine Frauenstimme: „Wir möchten nicht, dass ‚Fuck‘ zu einer Parole der Bewegung wird. Wir möchten nicht, dass die Sexua¬lität als Waffe gebraucht wird. Das geschieht schon zu oft, gerade im Krieg. Sexualität ist etwas Schönes.“ Die Briefträgerin staunt. Widersprüche. Die Rednerinnen machen sie zum Thema: „Man wirft uns vor, wir seien nicht konsequent. Ja, wir können nicht immer konsequent sein. Die aber, die das Geld und die Macht haben, tragen die Hauptverantwortung dafür, ob sich etwas ändert.“ Die Ziele sind klar, Widersprüche (…). Katrin Bärtschi.
Work online, 26.4.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Klima-Demo. Work online, 2019-04-26.
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12.04.2019 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Briefträger
Volltext
http://www.textverzeichnisse.ch/Textverzeichnisse/tabid/183/ctl/EditArticle/mDie Briefträgerin & Herr S. Herr S. sei gestorben. Die Briefträgerin erfährt es von einem Kollegen und merkt überrascht, dass sie dem alten Mann nachtrauert. Seiner Freundlichkeit und Aufmerksamkeit. Trotz dem SVP-Heftli, das sie ihm regelmässig bringen musste, trotz seinen faulen Sprüchen über die Frauen. Sprüche, die nie anzüglich waren, eher Ausdruck anhaltender Verwunderung über das andere Geschlecht. Der Kollege sagte, er habe es von der Nachbarin erfahren. Diese habe weiter gewusst, dass Herr S. keine Angehörigen habe. In solchen Situationen füllt sich manchmal der Briefkasten, bis die Wohnung geräumt ist. Erst einige Tage nachdem der Name vom Kasten verschwunden ist, wird er im Adressmanagement der Post als ¬inaktiv erfasst, und die Post wird retourniert. Manchmal erteilt eine Behörde einen befristeten Nachsendeauftrag. Was mit der Post von Herrn S. geschieht, weiss die Briefträgerin nicht. Sie ist nicht mehr auf der Tour, die seine ehemalige Wohnung bedient. Aber sie sprach mit P. einem andern Quartieroriginal. „Mister Spock ist tot?“ fragte P. „Wir nannten ihn so, wegen der Form seiner Ohren.“ Die Briefträgerin fragt sich schmunzelnd, ob Herr S. diesen Übernamen wohl kannte. Sie erfährt noch dies und das, P. ist ein freigebiger Erzähler. Ob es den Leuten bewusst ist, dass es jemanden gibt, der oder die einiges über ihr Leben weiss? Postgeheimnis. (…).
Katrin Bärtschi.
Work online, 12.4.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. Work online, 2019-04-12.
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15.03.2019 Bern
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Arbeit
Briefträger
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Die Briefträgerin & der Affe im Fenster. „Verdammt!“ denkt die Briefträgerin. Ein Brief hat sich zwischen die andern im Kistli verkrochen. Einen A-Post-Brief, erst noch einen von Hand ¬adressierten und mit einer Marke beklebten, zur Zeit zuzustellen ist Ehrensache. Dem Zeitteufel zum Trotz. Der Weg ist schmal, die Briefträgerin kann das Fahrzeug nicht wenden. Zu Fuss trabt sie, den Brief in der Hand, zurück zum letzten Haus – und sieht im Fenster den Affen. Ganz klassisch hängt er an einem Ast, mit der linken Hand hält er sich fest, seine Rechte fasst eine Banane. Ein grosses Fensterfarbenbild! „Jetzt bin ich schon hundert Mal an diesem Haus vorübergeeilt und habe den Affen nie gesehen!“ denkt die Briefträgerin. „Wie bewege ich mich eigentlich durch meinen Arbeitstag? Gring abe u seckle?“ Dreimaster. Vielleicht hängt der Affe noch nicht lang in diesem Fenster. Doch er erinnert die Briefträgerin an ähnliche Gegebenheiten: Wie oft ging sie in der Freizeit durch das Quartier und bemerkte plötzlich hier einen verschnörkelten Balkon, dort entlang einer Häuserfassade einen schwindelerregenden Katzensteg, hier einen seltenen Strauch im Garten und dort eine Malerei unter einem Dach! „Dinge, die ich nie wahrnahm!“ denkt die Briefträgerin, „obwohl ich unzählige Male an ihnen vorübereilte.“ Oder hinter Gittern der alte Dreimaster, ein buntes Schiff, das sicher seit Ewigkeiten durch das verstaubte Kellerfenster segelt. Unbeachtet von den Briefträgerinnen und Briefträgern, die keine zwei Meter davon entfernt in Windeseile Ballast abwerfen. Er grinst. (…).
Kathrin Bärtschi.
Work online, 15.3.2019.
Personen > Baertschi Kathrin. Briefträgerin. Arbeit. Work online, 2019-03-15.
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01.03.2019 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Arbeitsbedingungen
Briefträger
Volltext
Die Briefträgerin & der Schnee. Tagsüber ist es jetzt wieder warm. Zu warm. Nach eiskalten frühen Morgen. Februar, es kann noch einmal schneien bis herab in die Niederungen, wo an schattigen Stellen noch die Reste vom letzten Mal liegen. Wäre heute früher, viel früher, würde alles einfach ein wenig länger dauern, wenn auf den Strassen Schnee liegt. „Wäre das Arbeitsleben gemütlich, würden wir in der Winterzauberwelt einen sicheren Schritt nach dem andern tun“, denkt die Briefträgerin. Aber heute ist nicht früher, und das Arbeitsleben war kaum je gemütlich. Der Briefträgerin brach der Angstschweiss aus, während ihr Fahrzeug neulich nasse Schneemassen pflügte. Nun immerhin auf drei Rädern. Zur Zeit des Zweiradrollers hatte die Furcht sich je nach Wettervorhersage bereits am Vorabend eingestellt. Kein Winter, in dem die Briefträgerin nicht mindestens einmal mit dem gelben Pferdchen auf die Schnauze fiel. Und doch schien sie als einzige das unsichere Terrain zu fürchten. Erst im Rückblick, vom sicheren Sattel des Elektro-Dreirades DXP aus, gestanden manche vergangene Ängste: „Endlich packt mich nicht mehr der Horror vor jeder Tour im Schnee.“ Dem DXP begegneten anfänglich viele Pöstlerinnen und Pöstler mit Skepsis: „Mit so einem Behindertenfahrzeug mag ich nicht durch die Gegend fahren.“ Doch ausnahmslos alle sagten nach der ersten Fahrt: „Den gebe ich nicht mehr her!“ Panik. In der Garderobe nach der Tour an jenem kürzlichen Schneematschmorgen. Manche hatten sich genervt, dass die Büez nicht wie sonst (…). Katrin Bärtschi.
Work online, 1.3.2019.
Personen > Bärtschi Katrin. Briefträgerin. Arbeitsbedingungen. Work online, 2019-03-01.
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15.02.2019 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Briefträger
Volltext
Die Briefträgerin & die Milchkästen. Die Milchkästen heissen heute nicht mehr Milchkästen. Nur ältere Pöstlerinnen und Pöstler nennen den Teil der Briefkästen, in den Pakete abgelegt werden können, heute noch so. Die Briefträgerin ist in einer Kleinstadt beziehungsweise einem Grossdorf aufgewachsen. Sie hat noch erlebt, wie der Milchmann jeden Morgen in aller Frühe mit dem VW-Bus durch die Quartiere fuhr und Offenmilch in die bereitgestellten Pintli füllte. In den Normbriefkästen von heute hätten die Alupinten von damals gar keinen Platz mehr. Ob die Kästen früher grösser waren? Nicht unbedingt, denn tatsächlich hat der Milchmann, so erinnert sich die Briefträgerin jetzt, das Chesseli ¬immer beim Hauseingang hingestellt. Die Milch wird längst nicht mehr zu den Häusern gebracht, auch nicht offen ausgeschenkt – und die Milchkästen heissen Ablagefächer und erfüllen andere ¬Zwecke. „Chinapäckli!“ Die Briefträgerin verträgt in der Stadt eigentlich keine Pakete. Dafür sind die Päckliträgerinnen und Päckliträger von PostLogistics da. Auf dem Land gibt es – wegen der Weitläufigkeiten – „gemischte“, meist Autotouren. In den Zeiten der Internet-Versandhäuser wie des chinesischen Alibaba und des US-amerikanischen Amazon werden nun aber auch die Briefträgerinnen und Briefträger in der Stadt vermehrt zu Päcklitragenden. Und obwohl zahlreiche „Chinapäckli“ kleiner als kleinste Briefe sind, passen ebenso viele andere nicht durch den Schlitz im Kasten. Überraschung. Ablageort ist in diesem Fall das Ablagefach. (: …). Katrin Bärtschi.
Work online, 15.2.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Brieftraegerin. Work online, 2019-02-15-
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01.02.2019 Schweiz
Personen
Post
Work
Katrin Bärtschi
Briefträger
Direktion
Post
Volltext
Die Briefträgerin & McKinsey. Der Post-Verwaltungsrat hat einen neuen Chef gewählt. Nicht den Mann, auf den sich die „NZZ am Sonntag“ bereits kurz nach dem Abgang der Chefin so freute: „Aufräumer Thomas Baur wird schon als künftiger Post-Chef gehandelt.“ Nein, es ist ein gewisser Roberto ¬Cirillo. Ein Mann, dessen Namen die Briefträgerin nie zuvor gehört hatte. Er lebt in London, vorher in Paris. Derzeit leitet er einen britischen Chemieriesen, vorher einen internationalen Spitalkonzern. Bald wird er sich also einen Schweizer Service-public-Betrieb vornehmen. Der „Sonntagsblick“ kommentiert: „Einer, der einmal für die ultrakapitalistische Unternehmensberatungsfirma McKinsey tätig war.“ McKinsey löst im Kopf der Briefträgerin Wortketten aus: „eiserner Besen“, „stählerner Kamm“, „verschlanken“, „sanieren“, „gesundschrumpfen“. Ist da eigentlich jemand krank, fragt sich die Briefträgerin, und wenn ja, wer? Die Briefträgerin fürchtet die Zukunft. Ihr Spielraum, die Arbeit eigenständig zu gestalten, ist in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden. Die Sortiermaschine in Härkingen gibt viel vor und stiehlt den Zustellerinnen und Zustellern die Büez. Rationalisierungstechniken nehmen dem Arbeitsalltag Lebendigkeit und Farbe. Wie wird es weitergehen? Die Chefwahl des Post-Verwaltungsrates löste nirgendwo grosse Aufregung aus. Und es blieb sonderbar still seither. Auch betriebsintern. Jedenfalls in dem Teil des Betriebs, den die Briefträgerin mitbekommt. Kein Thema im Pausenraum. Die Briefträgerin hat es noch nie verstanden: Die Schlagzeilen zur Post mögen noch so fett sein, wir reden über Sport, (…). Katrin Bärtschi.
Work online, 1.2.2019.
Personen > Baertschi Katrin. Post. Brieftraegerin. Work, 2019-02-01.
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18.01.2019 Schweiz
Personen
Work
Katrin Bärtschi
Briefträger
Volltext
Die Briefträgerin und die Betreibungen. Post vom Betreibungsamt ist unangenehme Post. Die Briefträgerin stellt lieber Liebesbriefe zu und am allerliebsten die von Kinderhand adressierten Briefe mit farbigen, unförmigen, verkehrt gemalten Buchstaben. Betreibungsurkunden werden offen zugestellt. Am Anfang ihrer Postlaufbahn fragte die Briefträgerin an vorgesetzter Stelle, ob dies unter dem Gesichtspunkt des Datenschutzes überhaupt zulässig sei. Das sei es wohl, vermutete die vorgesetzte Stelle. Zweck der offenen Zustellung sei es, den Empfängerinnen und Empfängern die Bedeutung der Sendung klarzumachen, und vielleicht auch, sie zu blamieren. Wobei Briefträgerinnen und Briefträger eine gewisse Diskretion einhalten sollten. Trotzdem verkünden einige bereits an der Gegensprechanlage: „Die Post. Ich habe eine Betreibungsurkunde für Sie!“ Betreibungsurkunden dürfen seit einiger Zeit nur noch an Familienmitglieder (ab zwölf Jahren) und an Konkubinatspartnerinnen und -partner ausgehändigt werden. Nicht aber an andere Mitbewohnerinnen. Also fragte die Briefträgerin wieder die vorgesetzte Stelle an: „Muss ich im Zweifelsfall fragen, ob Empfänger und Adressatin miteinander ins Bett gehen?“ Der vorgesetzten Stelle ist dieser Punkt auch unangenehm. Sie frage jeweils, ob es sich um den Partner, die Partnerin handle. Für manche ist der Erhalt von Betreibungsurkunden anscheinend nicht unangenehm. Sie nehmen das Papier entgegen, als erhielten sie eine erfreuliche Nachricht. Gar mit der Pose des (…).
Katrin Bärtschi ist Briefträgerin in Bern, Gewerkschafterin – und neu: auch Work-Kolumnistin.
Work online, 18.1.2019.
Personen > Bärtschi Katrin. Briefträgerin. Work online, 2019-01-18.
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