Gewerkschaftschronik
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Anzahl gefundene Artikel: 12

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01.09.1976 Frankreich
Arbeitslosigkeit
Gewerkschaftliche Rundschau
Personen
Josef Hermann
Jugendarbeitslosigkeit
Volltext
Frankreichs Jugend ohne Arbeit. Das Problem der arbeitslosen Jugend stellt sich heute in vielen Industrieländern. In Frankreich hat dieses Problem besondere Aspekte. Jeder zweite Arbeitslose ist hier unter 25 Jahre alt. Wenn man die aus der Schule und den höheren Bildungsanstalten entlassenen jungen Menschen dazu zählt, gibt es gegenwärtig etwa 600‘000 junge Leute, die eine Arbeitsstelle suchen, zumeist einen ersten Posten. Die Hälfte unter ihnen ist beruflich nicht ausgebildet. Die berufliche Schulung geht auch in Frankreich verschiedene Wege. Sie kann in den Berufsschulen erfolgen und wird mit dem CAP (Certificat d'aptitude professionnel) abgeschlossen, einem Titel, der in deutscher Übersetzung heissen könnte: Zeugnis der beruflichen Eignung. Der in der Berufsschule Ausgebildete stellt bereits eine Mittelstufe zwischen dem Studenten und dem zu meist im Handwerksbetrieb ausgebildeten Lehrling. Diese Mittelstufe lässt übrigens das Ziel einer weiteren Schul- und Studienreform erkennen, die die berufliche Ausbildung aufgrund einer sorgfältig durchgeführten Berufsbildung ebenso obligatorisch erklären wird wie den Schulbesuch bis zum 16. Lebensjahr, der heute für alle gilt. Der Wille, zu diesem Ziel zu gelangen, ist beim Gesetzgeber vorhanden. Was fehlt, sind die Mittel, um diesen Willen in die Tat umzusetzen. Der andere Weg der Berufsschulung ist jener der Lehrlingsausbildung. Bestenfalls 10 Prozent der Schulentlassenen bekommen Lehrstellen. (…). Josef Hermann.
Gewerkschaftliche Rundschau, Heft 9, September 1976.
Gewerkschaftliche Rundschau > Frankreich. Jugendarbeitslosigkeit. Rundschau, Sept. 1976.
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01.11.1975 Frankreich
Frauen
Gewerkschaftliche Rundschau
Personen
Josef Hermann
Frauen
Sozialversicherungen
Volltext
Die Frau in der französischen Sozialversicherung. Acht Millionen Frauen stehen in Frankreich im Erwerbsleben, sie stellen 37,5 Prozent der aktiven Bevölkerung. In Paris sind mehr als 52 Prozent der Frauen berufstätig. Ihre Zahl ist in den letzten Jahren in der Industrie stabil geblieben, in der Landwirtschaft stark zurückgegangen und im tertiären Sektor bedeutend gestiegen. Untersuchungen, die im Auftrage der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft durchgeführt wurden, haben ergeben, dass jene Frauen, die einer Beschäftigung nachgehen, im allgemeinen über ein höheres Bildungsniveau verfügen als die anderen. Die Kinder, deren Mütter arbeiten, weisen bessere Studienergebnisse auf. In verschiedenen Berufsgruppen ist eine intensive Feminierung festzustellen. So vor allem im öffentlichen Gesundheitswesen und im Schulwesen, im Handel, bei den Banken und bei den freien Berufen. Wir finden heute in den wissenschaftlichen Karrieren neben 230‘000 Männern bereits mehr als 500‘00 Frauen, im Handel sitzen 660‘000 Frauen auf dem Platz eines Chefs und nur etwa 600‘000 Männer. Warum arbeitet die Frau in Frankreich? In der Regel handelt es sich darum, wenn sie verheiratet ist, das Einkommen des Mannes durch den eigenen Lohn zu erhöhen. Aber es geht eigentlich um mehr. Es geht um die Arbeitsleistung selbst. 87 Prozent der Frauen erklärten, sie wären mit ihrer beruflichen Aktivität zufrieden, trotz des relativ niedrigen Lohnes, trotzdem sie daneben auch noch den Haushalt zu versorgen haben. Der Kontakt mit den Menschen ist primordial. (…). Josef Hermann.
Gewerkschaftliche Rundschau, Heft 11. November 1975.
Gewerkschaftliche Rundschau > Frankreich. Frauen. Sozialversicherung. Rundschau, Nov. 1975.
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01.10.1974 Frankreich
Frauen
Gewerkschaftliche Rundschau
Personen
Josef Hermann
Existenzgrundlage
Frauen
Volltext
Frankreichs Frauen im Rentenschatten. Ein Haushalt unter vieren wird in Frankreich von einer Witwe geführt. 300‘000 unter ihnen sind weniger als 50 Jahre alt. Die demographische Entwicklung, die Todeshäufigkeit der Männer, der Umstand dass die Menschen heute viel früher heiraten, bringen es mit sich, dass das Risiko der Frauen, ihre Männer frühzeitig zu verlieren, viel grösser geworden ist als es vor zwei Jahrzehnten noch war. Ist die Witwenschaft ein nationales Problem? Es ist auf jeden Fall ein soziales Problem und im Hinblick auf den Stress des modernen Lebens, den Unfällen an der Arbeitsstelle und im Verkehr, keine Fatalität mehr. Die Lebenserwartung betrug zu Beginn dieses Jahrhunderts 35 Jahre, sie hat sich heute auf 68 Jahre erhöht. Ein Ableben vor dieser Altersgrenze ist also nicht normal. Die Statistik aber berichtet, dass die Todeshäufigkeit der Männer in Frankreich um 30 Prozent höher ist als jene der Frauen und in der Altersgruppe zwischen 35 und 60 Jahren steigt die Differenz sogar auf mehr als 50 Prozent. Viele Frauen finden sich heute also relativ frühzeitig den grossen Schwierigkeiten gegenüber, die der frühzeitige Tod des Gatten mit sich bringt. Anderseits aber haben sich auch die Familienausgaben wesentlich erhöht. Um die Jahrhundertwende war ein Kind mit 12 Jahren wirtschaftlich unabhängig oder fast. Die Witwe wird aber nicht, wie es in früheren Zeiten selbstverständlich war, von der Familie unterstützt. (…). Josef Hermann.
Gewerkschaftliche Rundschau, Heft 10, Oktober 1974,
Personen > Hermann Josef. Frankreich. Frauen. Existenzgrundlage. Rundschau, Oktober 1974.
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01.02.1974 Frankreich
Gewerkschaftliche Rundschau
Pensionskasse
Personen
Josef Hermann
Pensionskasse
Volltext
Die Altersversicherung in Frankreich. Das Los der alten Menschen war in Frankreich lange Zeit vernachlässigt worden, man schob ihre Probleme zur Seite, sie waren nicht produktiv und daher für die Gesellschaft nicht von Interesse. Erst in der letzten Zeit haben verschiedene Massnahmen die Gesetzgebung zugunsten der Alten verbessert. Vor dem Gesetz des 31. Dezember 1971 konnten die Lohnempfänger, die dem allgemeinen Regime der Securité sociale angeschlossen sind und Beiträge 30 Jahre lang eingezahlt haben, im Alter von 60 Jahren eine Pension beanspruchen, die 20 Prozent des durchschnittlichen Lohnes der letzten zehn Jahre gleichkam. Dieser Prozentsatz erhöhte sich um 4 Prozent pro Jahr, so dass der Lohnempfänger mit erreichtem 65. Lebensjahr eine Pension von 40 Prozent des Durchschnittslohnes beanspruchen konnte. Der Anspruch auf Pension begann allerdings schon, wenn man mindestens 15 Jahre Beiträge zur Sozialversicherung geleistet hatte. Wer aber mehr als 30 Jahre eingezahlt hatte, der profitierte nicht davon. Das neue Gesetz sieht vor, dass nunmehr für die Berechnung der Pension bis zu 37,5 Beitragsjahre berücksichtigt werden können. Ein Arbeitnehmer, der so lange Beiträge geleistet hat, kann mit erreichtem 60. Lebensjahr eine Pension von 25 Prozent des Durchschnittslohnes beanspruchen. (…). Josef Hermann.
Gewerkschaftliche Rundschau, Heft 2, Februar 1974.
Personen > Hermann Josef. Frankreich. Pensionskasse. Rundschau, Februar 1974.
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01.06.1972 Frankreich
Gesundheitsschutz
Gewerkschaftliche Rundschau
Personen
Josef Hermann
Arbeitsunfälle
Volltext
Zuviele Arbeitsunfälle in Frankreich. Die Sicherheit am Arbeitsplatz ist nicht nur eine soziale, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Sie ist ein wesentliches Element der Arbeitsbedingungen und der guten Betriebsführung, direkt integriert in die Technik der Produktion. Aber die Sicherheit am Arbeitsplatz hängt nicht nur von der Betriebsführung ab, sondern auch vom Arbeitenden selbst. Sie bedingt eine aktive Mitarbeit aller Beteiligten, die Beachtung der Vorschriften zur Unfallverhütung und ständige Recherchen, um die Unfallverhütung zu verbessern. Man registrierte in Frankreich 1969 zehn Todesfälle im Tag infolge Arbeitsunfall oder Berufskrankheit. Im Laufe des gleichen Jahres gab es insgesamt eine Million Arbeitsunfälle. Sie hatten bedeutende wirtschaftliche Konsequenzen: Es gingen während dieses Jahres derart 27 Millionen Arbeitsstunden verloren. Wenn die Kosten für jeden schweren Arbeitsunfall auf 12‘000 fFr. geschätzt werden, so macht das durchschnittlich eine Ausgabe von 5 Mia fFr. pro Jahr. Der Betrag verdoppelt sich, wenn man die indirekten Kosten, die durch den Produktionsausfall entstanden, dazu rechnet. Muss man annehmen, dass es sich dabei um einen „normalen“ Tribut an die Produktivität der industriellen Wirtschaft handelt? (…).
Joseph Hermann.
Gewerkschaftliche Rundschau, Heft 6, Juni 1972.
Gewerkschaftliche Rundschau > Frankreich. Arbeitsunfälle. Rundschau, Juni 1972.
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01.01.1972 Frankreich
Gewerkschaftliche Rundschau
Personen
Josef Hermann
Volltext
Wohnungsbau
Das Wohnungsproblem eines 50-Millionen-Volkes. Man sollte es nicht für möglich halten, aber die Tatsache ist da: Bei der letzten Bevölkerungszählung gab es 18,3 Millionen Franzosen, die in übervölkerten Wohnräumen lebten, unter ihnen wohnten 7,2 Millionen in stark übervölkerten Räumen, d.h. mit mehr als zwei Personen in einem Raum. In den letzten sechs Jahren haben 3 Millionen Franzosen einen Ausweg aus ihrem Wohnungsdilemma gefunden. Bei gleichbleibenden Gegebenheiten wird es Jahrzehnte dauern, bis die Wohnungskrise überwunden ist. Seit 1960 hat sich die Zahl jener, die in prekären Wohnverhältnissen leben (1‘300‘000), in Notquartieren oder möblierten Zimmern usw. nicht verändert. 5 Millionen Franzosen haben noch immer kein fliessendes Wasser in ihrer Wohnung und mehr als die Hälfte kein WC, vor allem auf dem Lande. Die Wohnungskrise hat ein derartiges Ausmass erreicht, dass ihre Lösung besonders energische Massnahmen erfordern würde. Vor allem auch deshalb, weil die Opfer dieser Krise die minderbemittelten Kreise der Bevölkerung sind, die nicht über die finanziellen Voraussetzungen für die Lösung ihres Wohnungsproblems verfügen. Im übrigen steht Frankreich, was den Wohnungsbau betrifft, in Europa an achter Stelle hinter der Bundesrepublik, Schweden und der Schweiz. Und nicht nur das allein. Der Anteil des Wohnungsbaus im Gesamtplan der staatlichen Investitionen ist, statt eine Erhöhung aufzuweisen, zurückgegangen. (…). Josef Hermann.
Gewerkschaftliche Rundschau, Heft 1, Januar 1972.
Gewerkschaftliche Rundschau > Frankreich. Wohnungsbau. Rundschau, Januar 1972.
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01.04.1971 Frankreich
Gewerkschaftliche Rundschau
Personen
Sozialversicherungen
Josef Hermann
Sozialversicherungen
Volltext
25 Jahre soziale Sicherheit in Frankreich. Am 19. Oktober 1945 wurde durch eine Verordnung der provisorischen Regierung der französischen Republik die Securité sociale geschaffen. Derart entstand der Rahmen einer Organisation, die mehr als 20 verschiedene obligatorische Versicherungssysteme, in denen die verschiedensten Berufsgruppen versichert waren, unter eine gemeinsame Leitung brachte. Die Sozialversicherung bestand auch bisher schon. Aber die Institutionen, die den Arbeiter gegen das soziale Risiko versicherten, waren disparat und nicht komplett. Die Unfallversicherung war einer Versicherungsgesellschaft ähnlich geführt, die Familienzulagen wurden von einem Fonds der Arbeitgeber bezahlt und als eine Ergänzung des Lohnes angesehen. Bei einem Arbeitsunfall trat die Verantwortung des Arbeitgebers in den Vordergrund. Nach dem Krieg drang die Ueberzeugung durch, dass der soziale Schutz alle Bevölkerungskreise zu umfassen hat, denn niemand ist vom Existenzrisiko ausgeschlossen. Von dieser Auffassung waren die Verordnungen von 1945 beeinflusst. Um die Unabhängigkeit der neuen Organisation zu sichern, wurde die finanzielle Beteiligung des Staates apriori abgelehnt. Die Finanzierung des Systems sollte durch Beiträge der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer erfolgen, die auf Grund der Lohnmasse errechnet werden sollten. (…). Josef Hermann. Paris.
Gewerkschaftliche Rundschau, Heft 4, April 1971.
Gewerkschaftliche Rundschau > Frankreich. Sozialversicherungen. Rundschau, April 1971.
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01.05.1970 Frankreich
Gewerkschaftliche Rundschau
Jugend
Personen
Josef Hermann
Jugend
Meinungsumfrage
Volltext
Frankreichs glückliche Jugend. Die französische Jugend ist zufrieden, sie ist glücklich und froh in der Gegenwart zu leben, sie vermisst wenig, es geht ihr gut. Wie, sie glauben das nicht? Sie denken an den Mai 1968, an die Revolte der Studenten, die fast eine Revolution war und den Fauteuil von General de Gaulle im Elysee ins Wanken brachte? Sie denken an die Hunderttausende von jungen Franzosen, die die Schule verlassen und die nicht wissen, was mit sich anfangen, die keine Lehrstellen bekommen und an die Türe der technischen Institute anklopfen und sie geschlossen finden, weil alles, alles überfüllt ist? Sie denken an die jungen Ehepaare, die zu Zehntausenden die ersten Jahre ihrer Ehe in Hotelzimmern oder bei den Schwiegereltern verbringen müssen, weil man sogar im sozialen Wohnungsbau für eine Zweizimmerwohnung eine Miete von 300 und 350 Francs im Monat verlangt und selbst so teure Wohnungen so selten zu finden sind, dass man gar nicht beginnt zu suchen. Sie denken ... nein, bitte, jetzt hören und lesen sie nur, wie es um die französische Jugend bestellt ist, und zwar nach der Erhebung eines Meinungsforschungsinstituts, die im Auftrag der französischen Wochenzeitung „Express“ durchgeführt wurde. Zunächst sei festgestellt, dass jene, die zwischen 15 und 29 Jahre alt sind und zur berühmten „Nouvelle vague“ gezählt werden, 21,5 Prozent der Bevölkerung stellen. In Ziffern ausgedrückt sind es 10,5 Millionen. Was denken sie? Was wollen sie? In dieser Jugend hat sich in den letzten zehn Jahren unzweifelhaft ein Wandel vollzogen. (…). Josef Hermann, Paris.
Gewerkschaftliche Rundschau, Heft 5, Mai 1970.
Gewerkschaftliche Rundschau > Frankreich. Jugend. Rundschau, Mai 1970.
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01.06.1968 Frankreich
Arbeitslosigkeit
Gewerkschaftliche Rundschau
Personen
Josef Hermann
Arbeitslosenunterstützung
Volltext
Arbeitslosenhilfe in Frankreich. Stagnation, Automation und Konkurrenz haben zu wesentlichen Strukturveränderungen in der französischen Wirtschaft geführt. Zehntausende von Klein- und Mittelbetrieben werden nach und nach ihre Tätigkeit einstellen müssen, weil sie nicht in der Lage sind, ihren Produktionsapparat zu modernisieren und zu konkurrenzfähigen Preisen zu produzieren. Die Zusammenlegung von Betrieben ist nicht immer ein gangbarer Weg. Die Situation hat zu einer Arbeitslosigkeit geführt, wie sie bisher in Frankreich unbekannt war. Der Ministerpräsident erklärte in einer Rede kürzlich, es sei wahrscheinlich, dass man gegenwärtig mit einer Arbeitslosenzahl von 450‘000 rechnen müsste. Genau kennt die Zahl vorläufig niemand. Denn da das Problem der Arbeitslosigkeit in Frankreich bisher unbekannt war, bekümmerte sich niemand darum, es statistisch zu erfassen, ja es gab bis vor kurzem nicht einmal eine normale Arbeitslosenunterstützung, die alle Arbeitslosen erfasst hätte. Wohl bestehen Arbeitsvermittlungsämter, aber sie gehören zu den unterentwickelten Einrichtungen der 5. Republik. Wer ging denn zur Arbeitsvermittlung, wenn er einen Posten suchte. Kaum jemand, denn die Arbeitsvermittlung vermittelte nichts. (…). Josef Hermann, Paris.
Gewerkschaftliche Rundschau, Heft 6, Juni 1968.
Gewerkschaftliche Rundschau > Frankreich. Arbeitslosigkeit. Rundschau, Juni 1968.
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01.03.1968 Frankreich
Frauen
Gewerkschaftliche Rundschau
Personen
Josef Hermann
Berufsbildung
Frauen
Volltext
Die Berufsbildung der Frau in Frankreich. Es ist noch gar nicht so lange her, seitdem Wirtschafter und Soziologen zur Auffassung gekommen sind, dass die Berufsbildung die wesentlichste Voraussetzung der sozialen und beruflichen Integration der Frau in unserer Gesellschaft ist. Aber die Berufsschulung ist nicht nur eine Sache des Staates, sie bedingt auch den Einsatz des Individuums. Wenn man verstehen will, warum die Mehrzahl der französischen Frauen, die einer Beschäftigung nachgehen, keine berufliche Qualifikation haben, die ihnen eine Promotion, einen beruflichen Aufstieg und eine weitere Entwicklung ermöglicht, dann darf man die Ursachen nicht nur auf der einen Seite suchen. Viele, ja die meisten Frauen sind in Frankreich durch ihre eigene Schuld beruflich schlecht vorbereitet, weil sie den leichtesten und kürzesten Weg wählten, weil sie ihre Ambition, wenn sie schon eine Berufsschulung ins Auge fassten, auf eine mittelmässige Qualifikation beschränkten und den nötigen Einsatz ablehnten, den eine eingehende berufliche Ausbildung bedingte. Die gleiche Tendenz ist bei den Mädchen festzustellen. Bei der Wahl von Lehrberufen wird zumeist jene Lehre bevorzugt, die kurz ist. Je länger eine Ausbildung dauert, desto weniger findet sie bei den Mädchen Anklang. (…). Josef Hermann, Paris.
Gewerkschaftliche Rundschau, Heft 1, März 1968.
Gewerkschaftliche Rundschau > Frankreich. Frauen. Berufsbildung. Rundschau, März 1968.
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01.01.1968 Frankreich
Gewerkschaftliche Rundschau
Personen
Sozialversicherungen
Josef Hermann
Medikamente
Volltext
Die Reform der französischen Sozialversicherung. Unter den wichtigen Sozialproblemen Frankreichs steht die Reorganisation der Sozialversicherung an erster Stelle. Es steht fest, dass sich dieses grösste Unternehmen Frankreichs, das einen Umsatz von etwa 40 Milliarden Francs realisiert und an dem 9 Franzosen unter 10 interessiert sind, in wachsenden Schwierigkeiten befindet. Die Sécurité sociale wird in diesem Jahr ein Defizit von 3,5 Milliarden Francs aufweisen und es sollte bis 1970 bei gleichbleibender Entwicklung bis auf 8 Milliarden ansteigen. Die ausserordentlichen Vollmachten, die das französische Parlament der Regierung zubilligte, gibt dieser die Möglichkeit, die notwendig erscheinenden Reformen rasch mittels Dekreten zu realisieren. Um dem Kostenanstieg einen Halt zu gebieten, wird zunächst geplant, den sogenannten „Ticket moderateur“ zu erhöhen. Es ist ja bekannt, dass in Frankreich bisher 80 Prozent der Arzt- und Medikamentenkosten, die die Versicherten zunächst aus eigener Tasche auslegen, von der Sozialversicherung rückerstattet werden. 20 Prozent der Kosten muss also der Versicherte selbst bezahlen. Diese Selbstbeteiligung wurde seinerzeit eingeführt, um der Verschwendung von Medikamenten entgegenzutreten. Das Ziel wurde freilich nicht erreicht. (…). Josef Hermann, Paris.
Gewerkschaftliche Rundschau, Heft 1, Januar 1968.
Personen > Hermann Josef. Frankreich. Sozialversicherungen. Rundschau, Januar 1968.
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01.06.1967 Frankreich
Arbeitslosigkeit
Gewerkschaftliche Rundschau
Personen
Josef Hermann
Arbeitslosigkeit
Volltext
Arbeitslosigkeit in Frankreich. In den letzten Jahren hörte man auch in Frankreich immer wieder, dass der Mangel an Arbeitskräften eine stärkere wirtschaftliche Expansion verhindere. Man wartete mit Ungeduld auf die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegsjahre, von dem Standpunkt ausgehend, dass nur ein Überangebot auf dem Arbeitsmarkt die Ausweitung der Konjunktur ermögliche. Heute gehört die Vollbeschäftigung, die die französische Wirtschaft in den letzten 20 Jahren auszeichnete, der Vergangenheit an. Zum erstenmal wird die Arbeitslosigkeit in Frankreich zu einem Problem. Auf dem Arbeitsmarkt ist eine fühlbare Entspannung und eine Zunahme der verfügbaren Arbeitskräfte eingetreten, trotzdem die Industrie einen wenn auch langsamen, aber steten Produktionsanstieg verzeichnet. Das Sozialministerium teilte mit, dass Ende November 166‘000 Gesuche um die Vermittlung eines Arbeitsplatzes nicht befriedigt werden konnten. Vor einem Jahr waren es 151‘000. Nun sagen diese Zahlen eigentlich nicht alles. Vor allem deshalb, weil die Arbeitsvermittlungsämter in Frankreich zu den stark unterentwickelten Einrichtungen gehören. Sie vermitteln alles in allem etwa 8 Prozent der Arbeitsstellen. Etwa die Hälfte der Menschen, wahrscheinlich aber mehr, die eine Arbeitsstelle suchen, wenden sich nicht an diese Ämter, weil es zumeist Zeitverlust und verlorene Mühe ist und weil vielen diese Einrichtung unbekannt blieb. (…). Josef Hermann, Paris.
Gewerkschaftliche Rundschau, Heft 6, Juni 1967.
Gewerkschaftliche Rundschau > Frankreich. Arbeitslosigkeit. Rundschau, Juni 1967.
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