Gewerkschaftschronik
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Anzahl gefundene Artikel: 107

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26.04.2019 Schweiz
Personen
Work
Oliver Fahrni
Marie-Josée Kuhn
Jean Ziegler
Gratulation
Volltext
Jean Ziegler zum 85. Geburtstag. Ein Ziegler ist ein Ziegler ist ein Ziegler. Seit 15 Jahren ist Jean Ziegler Work-Kolumnist. Zu seinem 85. Geburtstag erhält er jetzt ein Buch. Hier die Beiträge von Chefredaktorin Marie-Josée Kuhn und Work-Korrespondent Oliver Fahrni in voller Länge. Am anderen Ende der Leitung tönt Zieglers kehlige Stimme, dieses unverkennbar langgezogene: „Sälüüü!“, diese frankofizierte Thunerie. In der Selve-Stadt Thun kam Hans Ziegler schliesslich zur Welt. Und dort hat er viel gelernt: „Wenn die Selve-Arbeiter mit ihren Velos und Gamellen kamen und am Abend Frau Selve, die Alleinbesitzerin, mit dem Packard wegfuhr, da habe ich gespürt, dass etwas in dieser Stadt nicht klappt.“ Das war vor 72 Jahren. Dann zog es Ziegler aus der engen in die weite Welt hinaus. Der Fensteröffner. New York, Paris, Algier, Havanna, Berlin: Ziegler ist stets unterwegs. Und in seinen Auftritten, Interviews und Büchern zieht er uns mit: ins verdunkelte Klassenzimmer der Schule von La Higuera, einem kleinen Dorf in den kargen Bergen des südlichen Bolivien. Nach Deir Yassin, einem palästinensischen Dorf im Nordwesten von Jerusalem. Ins Café Les Deux Magots auf dem Boulevard Saint-Germain in Paris. In den Völkerbundpalast und ins Flugzeug von Ciudad de Guatemala nach Mexiko: „11’000 Meter über dem Dschungel von Chiapas.“ Jean Ziegler ist unser Fenster zur Welt. Ein Fensteröffner. Seit fünfzehn Jahren ist er auch der Fensteröffner von „Work. Mit seiner Kolumne ‚(…).
Marie-Josée Kuhn, Oliver Fahrni.
Work online, 26.4.2019.
Personen > Kuhn Marie-Josée. Jean Ziegler. Gratulation. Work online, 2019-04-26.
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29.03.2019 Schweiz
Personen
Work
Jean Ziegler
Demokratie
Volltext
Entfremdung. Wie in fast allen Schweizer Städten sind auch in Genf die Zahnarzttarife horrend. In das benachbarte Frankreich auszuweichen nützt nichts. Bis hinunter nach Lyon haben sich die Zahnärzte dem schweizerischen Tarifkartell angeschlossen. Fast ein Sechstel der Bevölkerung der Republik Genf kann sich keine Zahnbehandlung mehr leisten. Die Partei der Arbeit, die Sozialisten und die Gewerkschaften hatten daher eine kantonale Initiative lanciert. Ihr Ziel: die Schaffung einer öffentlichen Zahnarztversicherung. Am 10. Februar verwarf das Genfer Stimmvolk mit einem Mehr von 54,2 Prozent die Initiative. Die Genfer Zahnarztvereinigung hatte viele Millionen Franken investiert. Autobusse, Trams und Plakatwände waren zugekleistert mit so absurden Sprüchen wie: „Diese Versicherung zerstört die Qualität der Zahnmedizin“. Im Propagandagewitter. Die Entfremdung der abhängigen sozialen Klassen ist der grösste Sieg der herrschenden kapitalistischen Oligarchien. Entfremdung bedeutet: sich selber fremd werden. Die Menschen stimmen frei und unabhängig gegen ihre eigenen Interessen. Die Schweizerinnen und Schweizer sind ein politisch hochgebildetes Volk. Aber im Propagandagewitter der Oligarchie werden sie regelmässig zu entfremdeten Lakaiinnen und Lakaien. Nehmen wir die eidgenössischen Abstimmungen der letzten Jahre. Das Volk hat geheim und freiwillig gegen die Einführung eines Mindestlohns, gegen die Erhöhung der AHV-Renten, gegen eine öffentliche Krankenversicherung, gegen die Begrenzung der Managerlöhne und gegen die Einführung einer zusätzlichen Ferienwoche gestimmt. Wer die Massenmedien (…). Jean Ziegler.
Work online, 29.3.2019.
Personen > Ziegler Jean. Demokratie. Work online, 2019-03-29.
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15.03.2019 Frankreich
Schweiz
Personen
Work
Jean Ziegler
Gelbwesten
Polizei
Volltext
Waffen
Schweizer Waffen gegen Gelbwesten. Mittwoch, den 20. Februar 2019. Es ist ein strahlender Vorfrühlingstag. Ein Meer von Fahnen in Blau-Weiss-Rot bedeckt den riesigen Platz der Nationen vor dem Völkerbundpalast, dem europäischen Sitz der Vereinten Nationen. Tausende von Gelbwesten sind dem Ruf von Nicolas Mollier und seinen Freunden gefolgt. Jetzt drängen sie sich vor dem verbarrikadierten Eingangstor der Uno-Festung. Appell an Uno. Sie wollen vom Uno-Menschenrechtsrat empfangen werden und den 47 Botschafterinnen und Botschaftern von dem gewalttätigen Vorgehen der französischen Polizei gegen die Demonstrantinnen und Demonstranten während der vergangenen Monate berichten. Sie verlangen, dass die Uno gegen die Menschenrechtsverletzungen einschreite. Seit dem Beginn der «Samstagsdemonstrationen» am 17. November 2018 sind in ganz Frankreich viele Hunderte von Demonstrierenden von den „Anti-Aufruhr-Einheiten“ der Gendarmerie nationale verprügelt, mit Tränengas traktiert und mit Gummigeschossen verletzt worden, manche von ihnen schwer. Die Polizisten schiessen aus drei, vier Metern Entfernung mit Gummigeschossen auf die Demonstranten. Allein seit Jahresbeginn haben 18 Gelbwesten ein Auge verloren, vieren von ihnen wurde eine Hand abgerissen. (…). Jean Ziegler.
Work online, 15.3.2019.
Personen > Ziegler Jean. Gelbwesten. Polizei. Work online, 2019-03-15.
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01.03.2019 Schweiz
Finanzplatz Schweiz
Personen
Work
Jean Ziegler
Panama-Papers
Volltext
Straffreiheit für Verbrecher. Es war ein heisser Sommertag im Jahr 2016. Der Uno-Menschenrechtsrat tagte. Wie immer während dieser Sessionen jagte für mich Termin auf Termin und häufig vergesse ich fest abgemachte Treffen. Milena Costas, meine Assistentin, erreichte mich in der Bar du Serpent, im Erdgeschoss des Völkerbundpalasts. „Auf dich warten seit ein paar Stunden zwei Journalisten aus München. Du hast mit ihnen vor einem Monat ein Gespräch über die Steuerparadiese im globalen Finanzkapitalismus abgemacht.“ Ich sprang in ein Taxi und fuhr zu mir nach Russin GE. Im Wohnzimmer warteten geduldig und freundlich Frederik Obermeier und Bastian Obermayer, zwei Journalisten der „Süddeutschen Zeitung“. Die Panama-Papers. Die beiden Journalisten hatten aus anonymer Quelle Daten von über 270’000 Briefkastenfirmen in zahlreichen Steuerparadiesen der Karibik, Europas (auch der Schweiz) und Asiens erhalten. Die anonyme Quelle nannte sich „John Doe“. Sein Material kam aus der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack-Fonseca. Warum wandte sich „John Doe“ an die beiden Redaktoren der „Süddeutschen Zeitung“? Weil sie dem Internationalen Konsortium von Enthüllungsjournalisten (ICIJ) angehören. In diesem Netzwerk arbeiten rund 400 hochkompetente Journalistinnen und Journalisten aus 80 Ländern zusammen. Darunter auch Mitarbeitende des Recherchedesks des Zürcher „Tages-Anzeigers“. In den Panama-Papers entdeckten (…). Jean Ziegler.
Work online, 1.3.2019.
Personen > Ziegler Jean. Finanzplatz. Panama-Papers. Work online, 2019-03-01.
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18.01.2019 Schweiz
Personen
Work
Jean Ziegler
Gold
Volltext
Blutgold. Nahe bei der ostkongolesischen Stadt Kisangani brennen im Urwald Feuer am Ufer eines kleinen Flusses. Goldsucher bauen Staudämme und leiten das trübe Wasser kilometerweit um. Aus dem trockengelegten Flussbett holen sie Sand und Geröll, das sie durch Siebe schütteln. Die in den Sieben hängen bleibenden schweren ¬Brocken enthalten Gold. Sie werden auf einem Quecksilberbett ausgebreitet. Langsam löst sich das Gold vom Stein und verschmilzt mit dem Quecksilber. Aus dem Amalgam, das auf einem Rost über dem Feuer erhitzt wird, fällt Tropfen um Tropfen das Gold in Bakelitschüsseln. Viele Hundert Kilometer weiter im Norden, nahe der südsudanesischen Grenze, in Beni, sah ich eine andere Goldgewinnung. Hier werden Goldadern in hartem Fels abgebaut. Milizionäre behandeln die Arbeiter wie ihre Gefangenen und zwingen sie, ihnen das Gold zu lächerlichen Preisen abzutreten. Mutige Missionare oder Uno-Experten, die sich hin und wieder noch in dieser vom Krieg heimgesuchten Weltgegend sehen lassen, kämpfen gegen die Vermarktung dieses Blutgoldes. Sie wollen verhindern, dass sich die mörderischen Milizen weiter damit finanzieren. „Selbstkontrolle“. Die Schweiz beherbergt die Mehrzahl der grössten Raffinerien der Welt. Zwei Drittel des Goldhandels fliessen jährlich durch unser Land. Gemäss den Zollbehörden beliefen sich diese Goldlieferungen letztes Jahr auf 15 Milliarden Franken. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erliess 2017 einen Codex zur Kontrolle des Goldhandels. Dieser Codex schafft eine (…). Jean Ziegler.
Work online, 18.1.2019.
Personen > Ziegler Jean. Gold. Work online, 2019-01-18.
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16.11.2018 Saudiarabien
Personen
Work
Jean Ziegler
Volltext
Waffenexport
Die Spur der Stanser Waffenschieber. Ernesto Che Guevara, der argentinische Arzt und Kommandant der bolivianischen Befreiungsarmee, war mit den letzten 18 seiner Guerrilleros in der Quebrada del Yuro, einer engen Schlucht zwischen zwei Bergketten in Südbolivien, eingekesselt. Er wurde gefangen genommen und in das Schulhaus des Dorfes La Higuera gebracht. Dort erschoss ihn in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1967 der Unteroffizier Mario Terán. Mit einem Schweizer Sturmgewehr. Die Firma SIG Schaffhausen hatte es der Killertruppe des bolivianischen Diktators René Barrientos verkauft. Komplizen aus Stans. Die blutige Spur der Schweizer Waffenschieber zieht sich durch die Geschichte der Dritten Welt. Das vorläufig letzte Verbrechen der helvetischen Händler mit dem Tod ist Ende Oktober in Saudiarabien aufgeflogen. Beim Pilatus-Konzern in Stans NW bauen 2000 Angestellte Flugzeuge, die weltweit als Schulungsflugzeuge angepriesen werden. Die meisten von ihnen werden jedoch ausserhalb der Schweizer Grenze mit Bordkanonen und schweren Maschinengewehren zu Kampfflugzeugen umgerüstet. Die Arroganz der Pilatus-Bosse ist abgrundtief. Im Geschäftsbericht 2017 verkünden sie stolz, dass es ihnen gelungen sei, einen neuen sogenannten Supportvertrag mit der saudischen Luftwaffe abzuschliessen. Im Pilatus-Stützpunkt von Riad steige die Zahl der Mitarbeiter rasant, heisst es weiter. Ohne den Pilatus-Konzern könnte die saudische Luftwaffe ihren Krieg in Jemen nicht führen. (…).  Jean Ziegler.
Work online, 16.11.2018.
Personen > Ziegler Jean. Waffen-Exporte. Saudiarabien. Work online, 2018-11-16.
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17.08.2018 Schweiz
Personen
Rüstungsindustrie
Work
Jean Ziegler
Rüstungsexporte
Volltext
Waffenexport
Schweizer Waffen für Massenmörder. Vom grossen französischen Philosophen Edgar Morin stammt der Satz: „Je höher das Konfliktpotential einer Region ist, desto grösser ist die Informationsdichte.“ Morins These bestätigt sich im Nahen Osten. Wohl keine andere Region wird so intensiv bearbeitet von Fernsehen, Radio oder Internetplattformen. Diese Staaten sind Schauplätze fürchterlicher internationaler Stellvertreterkriege, und jede dort wütende Macht kämpft gleichzeitig um die Informationshoheit. Neben den staatlichen Sendern aus Russland, Grossbritannien, Frankreich und China sind dabei auch von arabischen Kapitaleignern beherrschte Nachrichtensender zu nennen: Der mächtige Sender al-Jazeera, der Katar gehört; al-Arabiya, den das saudische Königshaus kontrolliert; schliesslich al-Mayadeen aus Libanon. Al-Mayadeen ist bei weitem der zuverlässigste und präziseste Informationslieferant. Er gehört einer Genossenschaft hochkarätiger Journalistinnen und Journalisten christlicher, sunnitischer, drusischer und schiitischer Provenienz. Viele von ihnen sind Mitglieder der äusserst lebendigen kommunistischen Partei Libanons. Dienstag, der 19. Juli 2018: Im Pressesaal des Genfer Völkerbundpalasts trat Moussa al-Assi, der dortige Bürochef von al-Mayadeen, vor die Mikrophone. Unter all den vielen beim europäischen Uno-Hauptsitz in Genf akkreditierten Journalistinnen und Journalisten gehört er zu den wenigen international wirklich einflussreichen Presseleuten. An diesem Tag veröffentlichte er eine (...). Jean Ziegler.
Work online, 17.8.2018.
Personen > Ziegler Jean. Waffen-Exporte. Work online, 2018-08-17.
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29.06.2018 Schweiz
Personen
Work
Jean Ziegler
Entschädigungen
Verdingkinder
Volltext
Verdingkinder: Dringlicher Appell von Jean Ziegler. „Verbrechen gegen die Menschlichkeit kennen keine Verjährung“. Am 31. März lief die Frist ab, um ein Entschädigungsgesuch zu stellen. Jetzt fordert Jean Ziegler eine Fristverlängerung. Der grosse deutsche Dichter und Aufklärer Johann Peter Hebel schrieb: „Merke: Es gibt Untaten, über welche kein Gras wächst.“ Der Umgang der Schweiz mit den Verdingkindern ist ein Musterbeispiel dafür. Den „fürsorgerischen Zwangsmassnahmen“ fielen im Laufe der Jahrzehnte über 300’000 Menschen zum Opfer. Auf Grundlage dieses Nazigesetzes konnten die Behörden bis 1981 Kinder ohne Gerichtsurteil aus ihrer Familie reissen und fremdplatzieren. Eine uneheliche Schwangerschaft konnte ausreichend sein. Die Opfer wurden zur „Nacherziehung“ in Heime und Strafanstalten verfrachtet oder Bauern als Zwangsarbeiter zur Verfügung gestellt. Sie wurden belästigt, geschlagen, vergewaltigt, sterilisiert, von jedem Bildungsweg ausgeschlossen. Man nannte sie „verwahrlost“, „arbeitsscheu“, „liederlich“ oder „asozial“. Es war ein Gesetz zum Schutz der herrschenden moralischen Ordnung und zur Ausgrenzung der wirtschaftlich ärmsten Menschen. Mit achtzehn Jahren entliess man sie aus der Hölle, meist in ein Leben der unsäglichen materiellen Armut, der seelischen Invalidität und der Hoffnungslosigkeit. Erniedrigung und psychische Zerstörung wurden noch befördert durch einen kaum je erwähnten Tatbestand: die Straflosigkeit der Täter. Praktisch kein pädophiler Priester, kein schlagender (…). Jean Ziegler.
Work online, 29.6.2018.
Personen > Ziegler Jean. Verdingkinder. Work online, 2018-06-29.
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27.04.2018 Schweiz
Personen
Work
Jean Ziegler
Verdingkinder
Volltext
Die Plünderung der Verdingkinder. Pierre Durand (Name geändert) wurde zusammen mit seinen sechs Geschwistern den Eltern entrissen. Sein Vater war ein bitterarmer Tagelöhner aus dem freiburgischen Broye, seine Mutter eine kränkelnde, nur teilweise arbeitsfähige Putzfrau. Die Fürsorge¬behörde der Gemeinde beschloss, die Kinder zu verdingen – bei Bauern in den Kantonen Bern und Freiburg. Die Polizei holte sie ab. Sie sahen ihre Eltern nie wieder. Die Hölle. Der vierjährige Pierre Durand wurde in das katholische Institut Marini in Montet FR eingeliefert. Er erlebte die Hölle. Was dort vielen Kindern dieser von Ordensleuten geführten "Erziehungsanstalt" zugestossen ist, hat eine Kommission untersucht, die der energische Freiburger Bischof Charles Morerod eingesetzt hatte: an Folter grenzende Schläge, sexuelle Misshandlungen, anhaltender Essensentzug. Das Bundesgesetz über die Entschädigung für Opfer der fürsorglichen Zwangsmassnahmen verlangt von den Gesuchstellenden dokumentierte Beweise für ihre "Opfereigenschaft". Dank der Untersuchungskommission von Bischof Morerod konnte Pierre Durand seine "Opfereigenschaft" schlüssig beweisen. Januar 2018: Pierre Durand erhält Bericht vom Bundesamt für Justiz in Bern. Sein Gesuch ist anerkannt. Ihm wird die gesetz¬liche Entschädigung von 25’000 Franken zugesprochen. Durand war ein Leben lang Hilfsarbeiter. Wie die allermeisten (…). Jean Ziegler.
Work online, 27.4.2018.
Personen > Ziegler Jean. Verdingkinder. Work online, 2018-04-27.
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19.01.2018 Schweiz
Personen
Work
Jean Ziegler
Verdingkinder
Volltext
Verdingkinder: Zerstörte Leben. Es war Frühherbst in den Freiburger Alpen. Nasser Schnee fiel auf die Passstrasse des Moléson. Der Velofahrer trat unbeirrt in die Pedale. Seit zwei Tagen war Clément Wieilly unterwegs. Er kam von Freiburg und wollte zum Völkerbundpalast in Genf. Dort tagte im September 2017 die 36. Session des Uno-Menschenrechtsrates. Im Rucksack trug Wieilly Hunderte von Hand geschriebene Briefe, die von unsäglichem Leid zeugten. Ein Beamter nahm auf der regengepeitschten Place des Nations die Dokumente in Empfang. Dass diese Briefe zu einer völkerrechtlichen Verurteilung der Schweizer Regierung führen könnten, ist so gut wie ausgeschlossen. Denn der Menschenrechtsrat arbeitet nach dem Subsidiaritätsprinzip: Wenn ein Mitgliedstaat in einer Deliktsache bereits tätig geworden ist, tut die Uno nichts mehr. Die Verdingkinder. 85’000 Jungen und Mädchen sind im Laufe von fünf Generationen ihren meist bitterarmen Eltern durch Schweizer Behörden entrissen und in kirchlichen Waisenhäusern oder in Erziehungsanstalten eingelocht worden. Sexuelle Gewalt, Schläge, Essensentzug, Hilflosigkeit, Verzweiflung und zerstörtes Leben waren in den meisten Fällen das Los der «Versorgten». Das fürchterliche Nazigesetz zur „administrativen Versorgung“ wurde erst 1981 aufgehoben. Als das Nazigesetz noch in Kraft war, sass ich im Nationalrat. Ich tat nichts. Ich schäme mich. Die Schweiz, mein Land, hat ein schreckliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Als dieses Nazigesetz noch in Kraft (…). Jean Ziegler.
Work online, 19.1.2018.
Personen > Ziegler Jean. Verdingkinder. Work, 2018-01-19.
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02.11.2017 Sowjetunion
Personen
Work
W. I. Lenin
Jean Ziegler
Oktoberrevolution
Volltext
Lenin. Fünf Milliardäre besitzen 80 Prozent aller in Frankreich erscheinenden Zeitschriften und Zeitungen. Zwei Drittel aller privaten Fernseh- und Radiosender werden ebenfalls von ihnen kontrolliert. Entsprechend ist dieser Tage die Berichterstattung über Lenin und die russische Oktoberrevolution vor 100 Jahren. So heisst es: „Lenin, der Erfinder des totalitären Staates“. Oder: „Wladimir Iljitsch Uljanow Lenin, der erfolgreichste Terrorist der Weltgeschichte“. Andere westeuropäische Medien stehen den französischen Diffamierungen nicht nach. So die „Rundschau“ des Schweizer Fernsehens. Am Mittwoch, dem 25. Oktober, sagte ihr Chefredaktor tiefsinnig in die Kamera: „Der Putsch wird bis heute verklärt.“ Zur Erinnerung. Was die Hellseher vom Zürcher Leutschenbach als „Putsch“ bezeichnen, war eine Revolution, die die Welt grundlegend und für immer verändert hat. Im Februar 1917 streikten in Petrograd Hunderttausende Arbeiterinnen und Soldaten gegen den mörderischen Krieg und das soziale Elend. Zar Nikolaus II. wurde gestürzt. Die Macht gehörte fortan einem Rat von Soldaten und Arbeitern, dem „Sowjet von Petrograd“. Lenins Leute, die „Bolschewiki“, waren in der Minderheit, hatten aber eine klare Strategie. Sie forderten einen sofortigen Waffenstillstand, die Enteignung der Grossunternehmen, eine Agrarreform und, wenn nötig, den Sturz der Regierung des Sozialdemokraten Alexander Kerenski. Am 25. Oktober besetzten die bolschewistischen Milizen die strategischen Gebäude, Kreuzungen und Brücken (…). Jean Ziegler.
Work, 2.11.2017.
Personen > Ziegler Jean. Lenin W. I. Work, 2017-11-02.
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29.09.2017 Schweiz
Banken
Personen
Work
Jean Ziegler
Bankgeheimnis
Volltext
Helvetische Blindheit. Bundespräsidentin Doris Leuthard ist eine kluge, elegante und sicher sehr kompetente Frau. Umso unverständlicher bleibt, was kürzlich im Berner Luxushotel Bellevue vorgefallen ist. Die Vereinigung der in der Schweiz – insbesondere bei der Uno in Genf – akkreditierten Journalistinnen und Journalisten aus dem Ausland lädt jedes Jahr den amtierenden Bundespräsidenten oder die Bundespräsidentin zu einem vertraulichen Mittagessen ein. Das prestigereiche Treffen ist von grosser politischer Bedeutung. Denn es erlaubt der Schweizer Regierung, ihre Aussenpolitik zu erklären. Und die Journalisten können jenseits der offiziellen Interviews heikle Punkte ansprechen. Über 1000 gesperrte Konten. Strahlend leuchtete die Sonne hinter den hohen Fensterfluren des „Bellevue“. Doris Leuthard lobte lang und breit das „Ende“ des Bankgeheimnisses, die Schweizer Gesetzgebung zur Geldwäscherei und die mittlerweile angeblich saubere Weste der Schweizer Banken. Da meldete sich ein mittelgrosser, blitzgescheiter junger Brasilianer zu Wort. Jamil Chade, Chef des Büros von „Estado de São Paulo“, der grössten und einflussreichsten lateinamerikanischen Zeitung, fragte: „Frau Präsidentin, wie kommt es denn, dass jetzt, wo wir reden, vom Bundesrat über tausend Konten ausländischer Klienten gesperrt sind, weil der Verdacht auf Geldwäscherei, Korruption und Terrorfinanzierung besteht?“ Die Frage fand Applaus im Saal. Jamil Chade liess nicht locker: „Anscheinend gibt es keinen internationalen Skandal, (…). Jean Ziegler.
Work, 29.9.2017.
Personen > Ziegler Jean. Bankgeheimnis. Work, 2017-09-29.
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11.05.2017 Schweiz
Nationalbank
Personen
Rüstungsindustrie
Work
Jean Ziegler
Nationalbank
Rüstungsexporte
Volltext
Das Geschäft mit dem Tod. Der massive Sandsteinbau aus dem Jahre 1912, Hauptsitz der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am Berner Bundesplatz, wird renoviert. Hohe Palisaden umgeben ihn. Kurz nach acht Uhr am Dienstag, dem 11. April, schrieb eine Frau mit roter Farbe auf die Palisade vor dem Haupteingang: „Geld für Waffen tötet.“ Minuten später waren bewaffnete Stadtpolizisten zur Stelle. Sie verhafteten die 85jährige Louise Schneider. Sie führten sie auf den Posten, liessen sie später wieder frei. „Sachbeschädigung» l“utete der Vorwurf gegenüber der mutigen Frau. „Beihilfe zum Massenmord“ heisst die Anklage von ihr und den übrigen Initiantinnen und Initianten der eidgenössischen Volksinitiative „Für ein Verbot von Kriegsgeschäften“. Im Initiativkomitee sind die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA), die SP, die Grünen und 40 weitere Organisationen der Zivilgesellschaft vertreten. Die schlimmsten Geschäfte, die die Nationalbank, manche Pensionskassen und die Grossbanken tätigen, sind die Finanzierung der Produktion von Kriegsmaterial. Profitschöpfung mit verbrannten, verstümmelten und ermordeten Menschen in Syrien, Afghanistan, dem Südsudan, Jemen oder dem Irak. Es ist höchste Zeit, diese Geschäfte zu verbieten. Konkret verlangt die Initiative: Nationalbank und Pensionskassen (für Grossbanken und Versicherungen soll die Eidgenossenschaft später selbst tätig werden) dürfen keine Aktien von Rüstungsfirmen mehr kaufen, auch nicht über Fonds. Wer Bomber oder Kampfdrohnen, Panzer oder Maschinengewehre herstellt, soll zukünftig keine Kredite oder Kapitalbeteiligungen (…). Jean Ziegler.
Work online, 11.5.2017.
Personen > Ziegler Jean. Rüstungsindustrie. Nationalbank. Work, 2017-05-11.
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16.03.2017 Schweiz
Personen
Work
Oliver Fahrni
Jean Ziegler
Biografien
Volltext
Wer ist Jean Ziegler? Eine Hommage. Der Weltdiplomat, Kapitalismuskritiker, erfolgreichste Schweizer Autor und Work-Kolumnist schreibt, die Menschheit stehe an einer historischen Bruchstelle. Die Sonne strahlte, sie trieb den Winter aus der grauen Calvinstadt. Ein eleganter Herr … So müsste ein Artikel über Jean Ziegler eigentlich beginnen. In seinen Texten sonnt’s, schneit’s, stürmt’s, und das ist mehr als eine Marotte: Er nimmt uns immer wieder mit, an unerwartete Orte, samt politischer Klimaansage und Wasserstandsmeldung. Jean Ziegler, bald 83, kam im märzsonnigen Genf also gerade vom Skifahren. Entspannter als auch schon. Dann war die fürchterliche Woche im Menschenrechtsrat der Uno, mit der Debatte über das Aktenzeichen A/HRC/34/5: Syrien. Ziegler ist Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Rates. Nach mehr als einem halben Jahrhundert Engagement für die „Verdammten dieser Erde“ ist er mit Gewalt, Hunger, Krieg und Tod hautnah bekannt. Die Welt, wie sie wirklich ist. Der Zorn. Doch nach den Berichten über Syrien war er erschüttert. Erschüttert und zornig. Darüber, was Diktatoren, Terrormilizen und Krieg dem Menschen und damit der ganzen Menschheit antun, zornig aber auch über die Lähmung der Uno, die er in „fürchterlichem Zustand“ sieht. Auf die er aber hofft und setzt und für die er in seinem neuesten Buch Wege zur Reform zeichnet. Und sei es nur, weil die Uno der einzige Ort ist, wo täglich um das Menschenrecht gerungen wird. Wir haben uns kurz an Aleppo erinnert, diese energische, so musikalisch sprechende syrische Stadt. Dann kam er ohne Umschweife auf denn kommenden Aufstand zu sprechen. (…). Oliver Fahrni.
Work, 16.3.2017.
Personen > Fahrni Oliver. Jean Ziegler. Biografie. Work, 2017-03-16.
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01.12.2016 Kuba
Personen
Work
Fidel Castro
Jean Ziegler
Nachruf
Volltext
¡Gracias, Comandante! Kuba-Kenner und Work-Kolumnist Jean Ziegler zum Tod von Fidel Castro. Viele Jahre lang fuhr ich regelmässig nach Kuba. Eingeladen von der Akademie der Wissenschaften oder von einem der zwei hochkarätigen Forschungsinstitute des Zentralkomitees, dem Europa-Institut und dem Institut für Afrikanische Studien. Fidel Castro, wie auch zahlreiche Frauen und Männer aus der revolutionären Avantgarde, habe ich dabei häufig getroffen. Die Begegnungen mit Fidel werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Mit einer Ausnahme erfolgten sie stets auf die gleiche Weise. Im Hotel Habana Libre, dem früheren Hilton, erhielt ich einen Anruf von einem der Assistenten Fidels. In den 1990er Jahren war das meist Felipe Pérez Roque, der spätere Aussenminister. Er sagte: ‚Compañero, heute abend solltest du im Zimmer bleiben.‘ Mitternächtliche Gespräche. Der Jeep kam meist gegen Mitternacht. Mit zwei, drei Genossen vom Sicherheitsdienst ging die Fahrt zu einem mir stets unbekannten Ort – einer Privatwohnung, einer Armeebaracke, einem anonymen Verwaltungstrakt – irgendwo in Havanna. Kaum sass ich Fidel gegenüber, bei schwarzem, duftendem Kaffee, fragte er mich: ‚?Wie geht es deinem Sohn? Warum ist er nicht mit dir gekommen?‘ Oder: ‚Was tut die Sozialistische Internationale?‘ Oder: ‚Wie kann man die Politik der französischen Genossen verstehen?‘ Fidel war immer von grosser, herzlicher Offenheit. Neugierig, ausserordentlich genau informiert über die europäische Linke, aber Diskussion (…). Jean Ziegler.
Work online, 1.12.2016.
Personen > Ziegler Jean. Fidel Castro. Nachruf. Work online, 2016-12-01.
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21.11.2016 Schweiz
Banken
Personen
Work
Jean Ziegler
Banken
Geldwäscherei
Volltext
Die ewige Straffreiheit der Banker. Donnerstag, 3. November, in Paris. Gegen Mitternacht. Ich gehe auf dem vom Regen durchnässten Trottoir des Boulevard St-Germain. Auf der Höhe des Cafés Les Deux Magots. Plötzlich ertönt hinter mir eine Stimme: „Ziegler, come vai?“ Ich drehe mich um. Vor mir steht Fernando Henrique Cardoso, der ehemalige Präsident von Brasilien. Fremder Freund. Meine Beziehungen zu ihm sind vielfältig und widersprüchlich. Anfang der 1970er Jahre lebte er mit seiner Frau Ruth im Exil in Paris. Die seit 1964 in Brasília herrschenden Militärs hatten ihn vertrieben. Der weltbekannte Sozialwissenschafter war Gastprofessor der Universität Paris-Vincennes. Ich sass als unbekannter junger Soziologe in seinen Seminarien. März 2002: Im Präsidentenpalast von Brasília empfängt mich Fernando Henrique. Er ist seit 1995 Staatspräsident, ich ein kleiner Sonderberichterstatter der Uno für das Recht auf Nahrung. Der Bericht meiner Brasilienmission sollte verheerend für seine Regierung ausfallen: 32 Prozent der fast 200 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer waren trotz bescheidenen Reformen immer noch permanent schwerst unterernährt. Lange Zeit hielt mich Cardoso für einen „Verräter“. Doch die nächtliche Zufallsbegegnung in Paris war herzlich und für mich hochinteressant. Ein riesiger Korruptionsskandal erschüttert Brasilien seit fast drei Jahren: der Skandal Petrobas. Die mächtige staatliche Erdölgesellschaft wurde von Angehörigen der politischen Elite systematisch geplündert. Mit aktiver Hilfe von Schweizer Banken. Gegenwärtig sind in Brasilien 62 Prozesse im Gang, in denen es auch um Schweizer Bankinstitute geht. (…). Jean Ziegler.
Work online, 21.11.2016.
Personen > Ziegler Jean. Banken. Geldwäscherei. Work online, 2016.-11-21.
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19.10.2016 Schweiz
Abstimmungen Schweiz
Personen
Work
Jean Ziegler
Abstimmung
Klassenbewusstsein
Volltext
Die Entfremdung. Die Schweizerinnen und Schweizer sind keine Schafsköpfe. Im Gegenteil: Sie sind wahrscheinlich das politisch höchstgebildete Volk in Europa. Auf meiner Weltrangliste kommen sie gleich hinter Kuba. Und trotzdem stimmen sie bei freien, geheimen Volksabstimmungen mit schöner Regelmässigkeit gegen ihre ureigensten Interessen. Die eigenen Interessen. Beispiele aus den Volksabstimmungen der letzten 36 Monate: Die zusätzliche Ferienwoche wurde abgelehnt. Das Volk stimmte gegen die Begrenzung der astronomischen Managergehälter (1:12-Initiative). Ein gesetzlicher Mindestlohn von 4000 Franken fiel am 18. Mai 2014 mit 77 Prozent der Stimmen durch. Eine einheitliche nationale Krankenkasse hätte die Beiträge um durchschnittlich 30 Prozent gesenkt. Sie wurde haushoch verworfen. Ebenso eine minimale Erhöhung der ungenügenden AHV-Renten. Und am 9. Februar 2014 beschloss das Volk in einem Anfall krankhafter Fremdenfeindlichkeit faktisch die Abschaffung der mit der EU ausgehandelten Personenfreizügigkeit. Die Entfremdung des Kollektivbewusstseins ist wohl der grösste Sieg der Oligarchie des globalisierten Finanzkapitals. So auch bei uns. Karl Marx hat den Begriff der Entfremdung geprägt. Der deutsche Philosoph Theodor Adorno braucht einen anderen Begriff: die Entäusserung. Er bedeutet, sich freiwillig von seiner eigenen Substanz, seinen eigenen Interessen» zu trennen. Das Individuum verliert seine Einzigartigkeit und damit das Bewusstsein der eigenen (…). Jean Ziegler.
Work, 19.10.2016.
Personen > Ziegler Jean. Abstimmungen. Wok, 2016-10-19.
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02.06.2016 GE Kanton
Personen
Service public
Work
Jean Ziegler
Managerlöhne
Service public
Volltext
Die Abzocker. La Plaine GE ist ein Dorf am äussersten Westrand der Schweiz. Unter der letzten Brücke verlässt die Rhone unser Land. La Plaine hat seinen festen Platz in der Weltliteratur. Friedrich Dürrenmatt absolvierte dort seinen Aktivdienst und trank im Café Les Platanes seinen täglichen Liter Rotwein, Marke Gamay. Nachzulesen in seinem Essay- Band „Stoffe IV“. Vergangene Woche haben die Abzocker der Schweizer Post die Filiale von La Plaine geschlossen. Nicht profitabel, heisst die Begründung. Zuvor haben sie bereits die Post im benachbarten Russin dichtgemacht. Und jetzt stehen die Weinbauern, ihre Frauen und Kinder in der Stadt Meyrin vor den schwach besetzten Schaltern Schlange. Zu wenig profitabel Die Pro-Service-public-Initiative ist ein Lichtblick. Endlich wird die Misere beim Namen genannt: die schleichende Liquidation der öffentlichen Dienste, die weder die Gewerkschaften noch die SP aufzuhalten vermochten. Der Genfer Hauptbahnhof Cornavin wurde 2014 für 110 Millionen Franken renoviert. Es gibt keine einzige Bank, auf der wartende Menschen absitzen könnten. Dafür fnf Restaurants und Cafés. Alle s¨ündhaft teuer. Begründung: Profitmaximierung. In den Vorortgemeinden Russin, Satigny, La Plaine oder Vernier wurden Bahnhöfe geschlossen. Zu wenig profitabel. Dass man einmal nach den Interessen derjenigen fragen könnte, die die Bahn benutzen, kommt den Abzockern nicht in den Sinn. Urs Schaeppi, Chef der Swisscom, kassiert 1,8 Millionen Franken Jahresgehalt. SBB-Chef Andreas Meyer erhält 1,05 Millionen plus Spesen. Auch seinem Verwaltungsratspräsidenten Ulrich Gygi geht es mit einer Million und ein (…). Jean Ziegler.
Jean Ziegler. Work online, 2.6.2016.
Personen > Ziegler Jean. Service public. Abzockerei. Word online, 2016-06-02.
Ganzer Text
21.04.2016 Schweiz
Personen
Work
Jean Ziegler
Interview
Offshoring
Panama-Papers
Volltext
„Wie kann ein Finanzminister nur so einen Blödsinn erzählen!“ Fluchtgeld-Experte Jean Ziegler über Offshore-Staaten und Bundesrat Ueli Maurer. Flucht- und Schwarzgeldparadiese wie Panama seien verantwortlich für Hunderttausende Tote pro Jahr, sagt Jean Ziegler. Das müsse die Schweiz endlich begreifen. Allen voran der Finanzminister. Work: Jean Ziegler, Finanzminister Ueli Maurer verteidigt Schwarzgeldinseln für Superreiche. Verstehen Sie das? Jean Ziegler: Ich kenne Bundesrat Ueli Maurer vom Nationalrat. Er ist kein SVP-Parteibüffel, sondern ein sympathischer, relativ toleranter Mensch. Was er aber zu den Panama-Papers sagt, ist total absurd. Dass ein Finanzminister zum Steuerbetrug durch die Reichen aufruft, ist grotesk und dazu noch brandgefährlich. Weil eine solche Aussage ein Grundprinzip des Rechtsstaates verletzt, nämlich die Gleichheit aller vor dem Steuergesetz. Ich kann mir nicht erklären, wie ein Finanzminister einen solchen Blödsinn erzählen kann. Warum sind denn Steueroasen wie Panama so schlimm? Panama, die Bahamas und Bermudas, die britischen Virgin Islands, die Caymans und was es da sonst noch gibt, sind Räuberhöhlen. Viele Vergehen und Verbrechen stehen in Zusammenhang mit solchen Schwarzgeld- oder Offshore-Staaten. Nicht nur die Steuerhinterziehung. So viel kriminelle Energie pro Quadratmeter wie in Panama gibt es sonst nirgendwo. Praktisch alle Transaktionen mit (…).
Work online, 21.4.2016.
Work > Offshoring. Interview mit Jean Ziegler. Work online, 2016-04-21.
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21.04.2016 Schweiz
Personen
Work
Helmut Hubacher
Jean Ziegler
Gratulation
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Ein kritischer Freund. Der französische Adlige und Autor François de La Rochefoucauld schrieb dem Dichter Jean de La Fontaine: „Monsieur, es ist eine Ehre und eine Freude, Ihr Zeitgenosse zu sein.“ Das war im 17. Jahrhundert. Der Satz kommt mir in den Sinn, wenn ich an den ehemaligen SP-Präsidenten Helmut Hubacher denke, der am 15. April neunzig Jahre alt geworden ist. Es ist eine Ehre, einer Bewegung anzugehören, die so stark von Hubacher geprägt worden ist. Und es ist eine Freude, diesen ausserordentlichen Menschen zum oft ziemlich kritischen Freund zu haben. Mutig und klug. Ich erinnere mich immer wieder an eine Szene. Helmut Hubacher und ich sassen ganz hinten im Nationalratssaal, als Rudolf Friedrich, ein kalter Krieger und eine Koryphäe des Zürcher Freisinns, am Rednerpult wütete. Es war eine Abendsitzung, und Friedrich, ein hagerer, trauriger Mensch mit welken Gesichtszügen, beschimpfte Hubacher aufs übelste. Er diffamierte ihn als gekauftes Subjekt, das sich aus Eitelkeit von Stalinisten hofieren lasse. Ich konnte mich kaum mehr auf dem Stuhl halten, so sehr ärgerte ich mich. „Jetzt gibst du dem gopferdeckel zurück“, sagt ich Helmut. Aber er blieb ruhig. „Friedrich ist ein armer Siech, ohne Familie, einsam, es geht ihm so schon schlecht genug.“ Das war typisch für Hubacher. Er ist ein gutmütiger Mensch, mutig und gut. Er war ein grossartiger Parteipräsident. Erstens, weil er die SP über so viele Jahre geduldig und mit grosser Klugheit führte. Zweitens, weil er mit seiner Persönlichkeit die Partei (…). Jean Ziegler.
Work online, 21.4.2016.
Personen > Ziegler Jean. Helmut Hubacher. Work online, 2016-04-21.
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17.12.2015 Saudiarabien
Personen
Rüstung
Work
Jean Ziegler
Rüstungsexporte
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Helvetische Doppelmoral. Wenn Peter Splinter und seine Exzellenz Faisal Bin Hassan Trad sich in den breiten Gängen des Genfer Völkerbundpalastes begegnen, herrscht Eiszeit. Splinter ist ein quicklebendiger, blitzgescheiter ehemaliger kanadischer Diplomat, der heute das äusserst einflussreiche Büro von Amnesty International in Genf leitet. Bin Hassan Trad ist ebenfalls ein kluger Mann. Der korpulente Bonvivant gleicht einem selbstzufriedenen, sympathischen Bauern aus dem Emmental. Seine Feste sind legendär. Er amtiert als saudiarabischer Botschafter bei den Vereinten Nationen. Im Jahr 2016 sollte Saudiarabien die prestigereiche Präsidentschaft des Menschenrechtsrates übernehmen. So hatte es die Mehrheit der Uno-Mitglieder gewollt. Peter Splinter ging in die Luft. Amnesty International mobilisierte weltweit ihren Einfluss. Das Argument: Saudiarabien praktiziert die Scharia, die vermeintlichen Dieben die Hände abhackt. Frauen, die des Ehebruchs angeklagt sind, werden gesteinigt. Kritische Journalisten werden öffentlich ausgepeitscht. Gefangene werden routinemässig gefoltert. Die Weltpresse, die internationale Zivilgesellschaft gaben Splinter recht. Auch die Schweiz. Die Präsidentschaft des Menschenrechtsrates geht nun an Südkorea. Das helvetische Regierungssystem ist seltsam. Der aufrechten Haltung der Schweizer Diplomatie widerspricht diametral die Politik des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). (…). Jean Ziegler.
Work online, 17.12.2015.
Personen > Ziegler Jean. Saudiarabien. Rüstungsexporte. Work, 17.12.2015.
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04.12.2015 Schweiz
Nationalrat
Personen
Work
Ueli Mäder
Jean Ziegler
Nationalrat
Verwaltungsrat
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Das gelähmte Parlament. Der Basler Soziologe Ueli Mäder und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben dieser Tage ein ausserordentlich wichtiges, kluges und mutiges Buch veröffentlicht. Sein Titel: „Macht.ch. Geld und Macht in der Schweiz“. Auf Seite 118 beginnt das Kapitel: „Wer vertritt wen oder was?“. Es ist eine Pflichtlektüre für all, die die jüngste Aggression mehrerer Krankenkassenmogule gegen die Zwangsversicherten unseres Landes verstehen wollen. In schöner Regelmässigkeit werden jeden November die bereits horrenden Krankenkassenprämien für das kommende Jahr massiv erhöht. Für Familien mit mittlerem Einkommen sind diese Beiträge in vielen Fällen eine fast untragbare Plünderung. Die gesetzlich verordnete Kontrolle durch Parlament und Bundesrat versagt. Der äusserst kompetente Bundesrat Alain Berset wird regelmässig überstimmt durch die reaktionäre bürgerliche Mehrheit der Regierung und des Parlaments. Welchen Grund hat dieser permanente Skandal? Unser Parlament ist kolonisiert. Die Mehrzahl der bürgerlichen Parlamentarierinnen und Parlamentarier sitzt in einem oder gleich in mehreren privaten Verwaltungsräten und wird dafür äusserst gut dotiert. Das Milizparlament kennt keine Einschränkungen bei der Wahl der Haupt- oder Nebenjobs. Trotzdem stimmt jede Volksvertreterin und jeder Volksvertreter angeblich nur nach ihrem beziehungsweise seinem Gewissen ab. Handlanger. (…). Jean Ziegler.
Work, 4.12.2015.
Personen > Ziegler Jean. Nationalrat. Verwaltungsräte. Work, 4.12.2015.
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22.10.2015 Brasilien
Banken
Personen
Work
Jean Ziegler
Erdöl
Geldwäscherei
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Ewige Straflosigkeit. Cristina Tardáguila ist eine junge, elegante Frau. Sie ist die Starreporterin der grössten Tageszeitung Lateinamerikas, der in Rio de Janeiro erscheinenden „O Globo“. Cristina ist hochkompetent und eine unerbittliche Recherchierjournalistin. Nur leider kennt sie die internationalen Zeitzonen nicht. Vergangenen Montag, zwei Uhr nachts in der Schweiz, früher Abend in Rio: Das Telefon klingelt in meinem Schlafzimmer in Russin GE. Am Apparat Cristina. „Guten Tag, wie geht es Ihnen, mein Herr?“ Ich knurre zurück: „Cristina, lass mich schlafen. Es ist zwei Uhr nachts!“ Ich lege den Hörer auf. Wenige Minuten später wieder Cristina: „Ich brauche unbedingt eine Auskunft, es geht um die Rolle der Schweizer Banken im Petrobras-Skandal…“. Petrobras ist weltweit der viertgrösste Erdölkonzern. Er gehört dem Staat Brasilien. Minister, Abgeordnete und hohe Beamte haben den Konzern über die Jahre um Hunderte von Millionen Dollar geplündert. Es ist der grösste Korruptionsskandal in der Geschichte des Landes. Die Popularitätswerte von Staatschefin Dilma Rousseff liegen derzeit unter 10 Prozent. Das Land steckt tief in der Krise: Im letzten Jahr ist die Wirtschaft um drei Prozent eingebrochen. Jetzt folgt Streik auf Streik, Massendemonstration auf Massendemonstration. Und wie könnte es anders sein: Das gestohlene Geld liegt auch in der Schweiz. Schlaue Schweizer Banquiers schleusten es nach Zürich und Genf. Sérgio Moro, der Generalstaatsanwalt des brasilianischen Bundesstaates Paraná, leitet die fünf Kontinente umspannenden (…). Jean Ziegler.
Work online, 22.10.2015.
Personen > Ziegler Jean. Banken. Geldwäscherei. Work online, 22.10.2015.
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22.10.2015 Brasilien
Erdölindustrie
Personen
Work
Jean Ziegler
Erdölindustrie
Geldwäscherei
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Ewige Straflosigkeit. Cristina Tardáguila ist eine junge, elegante Frau. Sie ist die Starreporterin der grössten Tageszeitung Lateinamerikas, der in Rio de Janeiro erscheinenden „O Globo“. Cristina ist hochkompetent und eine unerbittliche Recherchierjournalistin. Nur leider kennt sie die internationalen Zeitzonen nicht. Vergangenen Montag, zwei Uhr nachts in der Schweiz, früher Abend in Rio: Das Telefon klingelt in meinem Schlafzimmer in Russin GE. Am Apparat Cristina. „Guten Tag, wie geht es Ihnen, mein Herr?“ Ich knurre zurück: „Cristina, lass mich schlafen. Es ist zwei Uhr nachts!“ Ich lege den Hörer auf. Wenige Minuten später wieder Cristina: „Ich brauche unbedingt eine Auskunft, es geht um die Rolle der Schweizer Banken im Petrobras-Skandal…“. Petrobras ist weltweit der viertgrösste Erdölkonzern. Er gehört dem Staat Brasilien. Minister, Abgeordnete und hohe Beamte haben den Konzern über die Jahre um Hunderte von Millionen Dollar geplündert. Es ist der grösste Korruptionsskandal in der Geschichte des Landes. Die Popularitätswerte von Staatschefin Dilma Rousseff liegen derzeit unter 10 Prozent. Das Land steckt tief in der Krise: Im letzten Jahr ist die Wirtschaft um drei Prozent eingebrochen. Jetzt folgt Streik auf Streik, Massendemonstration auf Massendemonstration. Und wie könnte es anders sein: Das gestohlene Geld liegt auch in der Schweiz. Schlaue Schweizer Banquiers schleusten es nach Zürich und Genf. Sérgio Moro, der Generalstaatsanwalt des brasilianischen Bundesstaates Paraná, leitet die fünf Kontinente umspannenden (…). Jean Ziegler.
Work online, 22.10.2015.
Personen > Ziegler Jean. Banken. Geldwäscherei. Work online, 22.10.2015.
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17.09.2015 Ungarn
Faschismus
Personen
Work
Jean Ziegler
Flüchtlinge
Nationalismus
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Der ferne Osten von Europa. Der Prager Schriftsteller Milan Kundera, inzwischen französischer Staatsbürger, nennt die neuen Nationalstaaten, die sich in den Ruinen des ehemaligen Sowjetimperiums etabliert haben, den „Fernen Osten Europas“. Kundera schreibt, die geistige Substanz dieser Staaten bestehe aus einem engstirnigen, fremdenfeindlichen, hin und wieder gewalttätigen Nationalismus. Die Herrschaften, die diese Staaten regieren, sind meist konvertierte Apparatschiks der alten Regime. Sie kennen die historischen europäischen Werte - Menschenrechte, Solidarität - nur aus den Schulbüchern. Kunderas düstere Beurteilung bewahrheitet sich in besonders deutlicher Weise heute, in der Zeit der Flüchtlingsströme gepeinigter Menschen, die im demokratischen Europa Schutz und Hilfe suchen. Die Slowakei hat 5,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Das Land hat knapp 200 Flüchtlinge aufgenommen. Denn die Regierung in Bratislava stellt eine Bedingung: Nur wer christlichen Glaubens ist, darf überhaupt ein Asylgesuch stellen. Viktor Orbán, protofaschistischer Regierungschef Ungarns, „schützt“ sein Land mit einem 176 Kilometer langen Nato-Stacheldrahtzaun an der Grenze zu Serbien. Ich kenne diesen Stacheldraht aus dem besetzten Palästina. Die israelischen Landräuber umgeben damit ihre illegalen Kolonien. Der Draht ist bespickt mit rasierklingenscharfen Metallstücken. Sie verursachen bei denjenigen, die den Zaun zu überwinden versuchen, oft fürchterliche Schnittwunden. (…). Jean Ziegler.
Work online, 17.9.2015.
Personen > Ziegler Jean. Ungarn. Subventionen. Work online, 17.9.2015.
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